Verbraucherschutz?
Die Euro-Krise produziert jeden Tag so viele neue Kuriosa, dass deren Kommentierung eine tagefüllende Tätigkeit wäre.
Hier also nur mal ein willkürlich gewähltes Highlight:
Die Ratingagentur S&P stellt fest, dass auch Staaten wie Deutschland, Österreich und Luxemburg in eine finanzielle Schieflage “geraten”, wenn sie Pleiteländer wie Spanien und Italien quersubventionieren müssen. Das ist natürlich in sofern hanebüchener Unsinn, als dass etwa der EU-”Musterschüler” Deutschland selbst längst nicht mehr in der Lage ist, seine implizite und explizite Staatsverschuldung zu schultern. S&P sollte also tatsächlich kritisiert werden - für ihre naive Annahme, Deutschland sei ein “AAA”-Kreditrisiko.
Tatsächlich entbrennt die Kritik jedoch an der Überlegung, just dieses naive “AAA”-Rating kritisch zu hinterfragen. Dass Politikern diese Entscheidung nicht schmeckt, dürfte nicht überraschen. Fiskalische Verantwortung war schon immer der Todfeind sozialpopulistischer Politik. Eine wirklich kuriose Kritik präsentiert jedoch n-tv:
2012 müsse der “Aufbau einer unabhängigen europäischen Ratingagentur” vorangetrieben werden, sagte der stellvertretende Vorsitzende der Unionsfraktion im Bundestag, Michael Fuchs (CDU), der “Bild”-Zeitung. Als Vorbild nannte er die Stiftung Warentest. Ähnlich äußerte sich der Chef des Verbraucherzentrale-Bundesverbands, Gerd Billen. Er warf den großen US-Ratingagenturen unverantwortliches Handeln vor.
Die US-Firmen seien in der Eurokrise “nicht nur ein neutrales Fieberthermometer, sondern sie treiben das Fieber mit nach oben”, sagte Billen. Letztlich sorgten die Ratingagenturen dafür, “dass demokratisch legitimierte Staaten von der Finanzindustrie vor sich hergetrieben werden”. Um dies zu verhindern, sollte nach seinen Worten eine europäische Ratingagentur eingerichtet werden, “die unabhängig ist und verantwortlich handelt”.
Der oberste Verbraucherschützer kritisiert also die Ratingagenturen dafür, dass sie Anleger - die ja auch Verbraucher sind - vor möglichen Risiken warnen??
Gleichzeitig vermeldet Spiegel Online:
Der Rückgang des in Griechenland gebunkerten Vermögens hat sich zuletzt stark beschleunigt. Anfang 2010 betrugen die Spar- und Termineinlagen der privaten Haushalte und Unternehmen noch 237,7 Milliarden Euro, bereits bis Ende August 2011 gingen sie um stattliche 49 Milliarden Euro zurück. Inzwischen hat sich der Abwärtstrend noch verstärkt, allein im September schmolz das Ersparte um weitere 5,4 Milliarden Euro, im Oktober um geschätzte 8,5 Milliarden Euro. Noch nie seit Beginn der Schuldenkrise Ende 2009 ist so viel Geld in einem Monat abgeflossen.
Im Pleitestaat Griechenland versuchen die Verbraucher also mit allen Mitteln, ihr verbliebenes Vermögen vor der Bankrottpolitik zu retten. Und in Deutschland? Da schlägt der Verbraucherschutz Alarm, weil eine (eigens hierfür zuständige) Agentur vor möglichen Kreditrisiken auch anderer Staaten warnt.
Der politische Irrsinn kennt kaum noch Grenzen im untergehende EUROpa…
