Hayek vs Keynes - Nachtrag 2

Der erwähnte Hayek-Boom nimmt kein Ende - sehr zum Ärger der etatistischen Linken. Der bräsig-sozialdemokratische Schweizer TagesAnzeiger schreibt merklich verschnupft:

Die zahlreichen Wiedergeburten von Hayeks Kampfschrift sind rational schwer zu erklären, ist doch die Kernthese von «Der Weg zur Knechtschaft» nachweislich falsch. In keinem einzigen Fall hat nämlich der Sozialstaat in eine totalitäre Diktatur geführt, wie Hayek behauptet.

Dabei blendet der TagesAnzeiger natürlich geflissentlich die Entwicklung des Etatismus in den letzten ca. 30 Jahren aus, die eine ständige Eskalation des interventionistischen Sozialstaats verzeichnet hat. Selbst die vermeintlich liberale Schweiz verzeichnet ein ungehemmtes Staatswachstum, v.a. in den “Sozialsystemen”.

Hayek’s hochaktuelles Buch mag daher eine Kampfschrift sein, überholt ist es - leider - noch lange nicht.

12 Kommentare:

  1. Robert Michel, 5. Juli 2010, 18:34

    Die Kernthese von “Der Weg zur Knechtschaft” ist gar nicht, dass der Sozialstaat in eine totalitäre Diktatur führt, sondern das Wirtschaftsplanung das tut. Vielleicht ist für den TagesAnzieger beides identisch?

     
  2. Christian Hoffmann, 5. Juli 2010, 19:07

    Ist es ja eigentlich auch. Der Sozialstaat ist ja eine Form von Wirtschaftsplanung…

     
  3. Robert Michel, 5. Juli 2010, 21:14

    Richtig, den Gedanken hatte Hayek aber erst später entwickelt und darum ist das im “Weg zur Kntechtschaft” noch keine Thema.

     
  4. Libertarian, 6. Juli 2010, 18:57

    Hat er ihn überhaupt entwickelt?

    http://www.counterpunch.org/nasser04162010.html

     
  5. Gutmensch2.0, 7. Juli 2010, 14:46

    Hayek ist doch längst widerlegt!

    http://fabiusmaximus.wordpress.com/2010/07/07/19149/

     
  6. Mitleser, 7. Juli 2010, 18:30
  7. Robert Michel, 8. Juli 2010, 14:40

    @Gutmensch: In deinem Link wird genau der gleiche Strohman aufgebaut wie im Tagesanzeiger. Es geht nicht um den “Sozial”staat an sich, sondern um das Maß mit dem der “Sozial”staat mit Wirtschaftsplanung einhergeht.

     
  8. Robert Michel, 12. Juli 2010, 23:39
  9. Warmduscher, 3. August 2010, 23:27

    Zwei sehr schöne Zitate der genannten Herren aus einem Artikel der NZZ vom Dienstag:

    Praktiker, die sich ganz frei von intellektuellen Einflüssen glauben, sind gewöhnlich die Sklaven irgendeines verstorbenen Ökonomen.
    John Maynard Keynes

    Ein Physiker, der nur Physiker ist, kann durchaus ein erstklassiger Physiker und ein hochgeschätztes Mitglied der Gesellschaft sein. Aber gewiss kann niemand ein grosser Ökonom sein, der nur Ökonom ist - und ich bin sogar versucht hinzuzufügen, dass der Ökonom, der nur Ökonom ist, leicht zum Ärgernis, wenn nicht gar zu einer regelrechten Gefahr wird.
    Friedrich August von Hayek

     
  10. Nef Robert, 5. August 2010, 13:20

    Hier ein passender Ausschnitt aus einem noch nicht publizierten Text:
    Der Säkularisierungsprozess des 18. und 19. Jahrhunderts hat den Gottesglauben durch Wissenschaftsgläubigkeit und Staatsgläubigkeit substituieren wollen, was Hayek als eine neue Form gefährlichen Aberglaubens entlarvt. Damit ist er eher ein Vorläufer als ein Nachfahre, oder, im Koordinatensystem der Vorsilben ausgedrückt: mehr ”Prae-” als ”Post-”, und wer ihn mit guten Gründen einen Konservativen nennen will, muss die ideengeschichtlichen Fäden mindestens zwei Jahrhunderte weiter zurück verfolgen.

    Möglicherweise liegt im unterschiedlichen Zeithorizont und im andern, langfristig argumentierenden Ansatz beim Umgang mit aktuellen Problemen sogar einer der entscheidenden Unterschiede zwischen Hayek und Keynes bzw. der am einen oder andern Ansatz anknüpfenden - im Gegensatz zu ihren Urhebern - verfeindeten wirtschaftspolitischen Schulen, welche heute durch ein Rechts(Hayek) - Links(Keynes) Schema vereinfachend charakterisiert werden. Keynes suchte nach wirtschaftspolitischen Taktiken und Strategien zur Bewältigung der aktuellen Kriegs- und Krisenlagen, d.h. er reagiert auf die Ausnahmesituationen in schwerst gestörten internationalen Märkten. Sein Interventionismus ist ein Interventionismus zur Schadensminderung von bereits geschehenen Interventionen. Sein Ansatz ist – in Analogie zur Medizin – therapeutisch, während Hayek, präventiv und konservativ, mögliche, in Gang befindliche langfristige Fehlentwicklungen vermeiden bzw. korrigieren möchte.

     
  11. Gerhard M., 15. Februar 2011, 14:30

    Darf man fragen, wann dieser Text publiziert werden soll und wo? Gut formuliert auf jeden Fall und deshalb auch von der Thematik sehr interessant.

    Grüsse aus Salzurg

     
  12. Robert Nef, 15. Februar 2011, 14:57

    Er wird demnächst in einem Sammelband zum Thema “50 Jahre Verfassung der Freiheit” von der Progress Foundation in Zürich herauskommen.

     

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