Wir Hurren Sönne
WoZ und junge Welt-Freund und gelegentlicher freilich-Kommentator gebbi gebsn hat uns, den liberalen Bloggern und Bloggerinnen eine regelrechte Herausforderung zukommen lassen, indem er darauf hinweist, wie die öffentliche Hand einen demnächst stattfindenden Sport-Grossanlass wesentlich mitfinanziert, ohne dass wir uns dazu äusserten. Recht hat er!
Meine Entschuldigung ist, dass mich Fussball inhaltlich nicht interessiert (die Zahlen kenne ich aber). Was ist Deine?
Die public choice Erklärung für das aus meiner Sicht selbstverständlich unhaltbare Finanzgebaren der öffentlichen Hände liegt darin, dass die internationalen Fussballverbände bestens mit der Politik hierzulande "verbändelt" sind - schliesslich kann sich keine Partei leisten, als fussballfeindlich zu gelten. Er geht also um einen klassischen Fall von erfolgreichem rent seeking. Mein Bruder hat vermutlich nicht unrecht, wenn er sagt, dass ich mich in einer kleinen Minderheit von einem befinde, der sich gegen die ganze Ballmanie auflehnt - entsprechend gross wird wohl auch die Opposition gegen die Ballfinanzierung sein. Es sei denn, ich gehe zum Grünen Bündnis.

…nun gut, die Grüne Partei hat ja nicht gerade den Ruf die fussballfreundlichste Partei zu sein. Woher sie den wohl hat?
Ich kann eigentlich nur Zeitgründe als Ausrede aufführen, warum ich darüber noch nichts geschrieben habe. Für eine Koalition mit dem Grünen Bündnis in dieser Frage wäre ich jedenfalls dabei.
Wie bei der Expo 02 könnte man sich als Politiker durchaus als Gegner von Euro 08 profilieren. Ob nämlich die Wähler wirklich bereit sind, so tief in die Tasche zu greifen? Ich erinnere z.B. an die kantonale Abstimmung für “Berne 2010″ (Olympische Winterspiele). Die Politiker stimmten 4:1 dafür, die Bevölkerung 4:1 dagegen. Aber es ist ja auch nicht das Volk, das dann die Ehrentribüne schmückt.
Freut mich natürlich, dass freilich meinen kleinen Steilpass angenommen hat. Ich könnte mir schon vorstellen, dass sich eine Mehrheit gegen die finanzielle Unterstützung der Euro 2008 aussprechen würde. Aber eben, wer von den profilierteren Herren und Damen PolitkerInnen hätte schon den Mut, sich gegen die Finanzierung der Euro 2008 wenden?
Ich seh Förderung des Spitzensports ehrlich gesagt auch nicht als staatliche Aufgabe an. In dem Business ist genug Geld drin, so dass es eigentlich Private ihren Fussballpatriotismus selber finanzieren können sollten.
Dass der Staat einen Teil der Organisationskosten mitzutragen hat, erscheint mir logisch: schliesslich erhält er ja einen Teil der Investition in Form von gesteigerten Steuereinnahmen bei Hoteliers, Restauratoren etc. zurück. Im Übrigen wird der gesamte Wirtschaftsraum Schweiz (insbesondere die städtischen Austragunsorte der Spiele) längerfristig von einem durch Fernsehübertragungen geförderten höheren Bekanntheitsgrad profitieren, der sich vor allem im Tourismusbereich positiv auswirken kann. Allerdings bin auch ich dagegen, einmal mehr den persönlichen Nutzen einiger Weniger aus einem sportlichen Grossanlass ausschliesslich von auf die öffentliche Hand abzuwälzen. Steuererhöhungen zum Abzahlen von Millionendefiziten für Sicherheitsausgaben (siehe die olympischen Spiele in Athen) könnten nämlich auch eine unangenehme Spätfolge der EM 2008 sein… und ob sich dann noch jemand an die genüsslich vor dem Fernseher verfolgten Spiele erinnern mag?
@Fabienne, das ist genau die Argumentation, die die Fussballer geschickterweise vertreten. Der Haken dabei ist aber, dass die Steuereinnahmen kommen, ohne dass der Staat diese Kosten übernehmen muss - Steuereinnahmen sind (leider) bedingungslos geschuldet. Und wenn der Anlass tatsächlich gleichzeitig mit einem anderen Grossanlass (ART) stattfindet, dann besteht sowieso ein Kapazitätsengpass, der wohl die Preise noch weiter in die Höhe treibt.
Die Verbände haben geschickt und (bisher) erfolgreich die Argumentation der Internalisierung externer Effekte angewendet. Das Problem ist, dass diese Argumentation nur bei negativen Effekten greift - positive Effekte werden von den Akteuren gerne freiwillig internalisiert. Wenn sie also Geld vom Staat wollen, muss die Antwort des Staates sein: Nope, erhöht doch die Preise für Eure Party …