Aufstand der Asozialen

http://www.kleinezeitung.at/mmt//upload/images/original/pic_246433.jpgDer Ordnungspolitische Blog weist zu Recht auf eine kuriose Note der jüngsten Studenten-Demonstrationen hin: Ausgerechnet unter dem Banner einer schwammigen “Gerechtigkeit” fordern hier die Studenten, dass für ihre Ausbildung nicht sie selbst, sondern jene Menschen zahlen sollen, die sie nicht geniessen.

Kein Wunder, dass dabei anti-liberale oder anti-marktwirtschaftliche Floskeln in die Studi-Rhetorik einfliessen, denn eine derart asoziale Trennung von Kosten und Nutzen wäre auf einem freien Markt undenkbar. Wenn ein Mensch hier in seine eigenen Fähigkeiten investieren wollte, um anschliessend einen höheren Mehrwert auf dem Arbeitsmarkt erzielen zu können, müsste er die Kosten dafür selbstverständlich selbst tragen. Gleiches gälte natürlich und erst recht, wenn das Studium vor allem aus persönlichem Interesse, aus Spass betrieben würde, nicht primär aus Investitionsgesichtspunkten – wer käme schliesslich schon auf die Idee, das eigene Hobby fremdfinanzieren zu lassen? 

Handelt es sich bei dieser Argumentation nur um eine Vergewaltigung der Smith‘schen „unsichtbaren Hand“, nach welcher der Eigennutz der Individuen im Rahmen des Marktes dem Wohle Aller zuträglich sein soll? Oder zeigt sich hier vielmehr das wahre, asoziale Gesicht des Marxismus: Sollen die nichtstudierten Klassen aus Dankbarkeit für die Weisheit und das Können der gesellschaftlichen „Elite“ diesen ihre elitären Bildungsinstitutionen finanzieren? 

Denn es besteht kein Zweifel: Das Studium ist nach wie vor ein Privileg des Bürgertums – es sind vor allem die Kinder der oberen Mittelschicht sowie der Oberschicht, die eine akademische Bildung geniessen. Sozialdemokratisch motivierte „Kostenlosigkeit“ hin oder her. Wie jeder des Denkens fähige Bürger weiss, ist in staatlichen Systemen das Label „kostenlos“ ohnehin nur ein Synonym für „nicht durch den Nutzer finanziert“. Denn die akademische Bildung ist alles andere als kostenlos, sie ist enorm teuer. Bezahlt werden diese Kosten aber durch die Steuerzahler. Und hier stellt sich eben schon die „soziale“ Frage, warum ausgerechnet jene Arbeiter, die schon frühzeitig in das Arbeitsleben und damit die Steuerpflicht einsteigen, ausgerechnet jene Bildungsdienstleistung finanzieren sollen, die weder sie selbst noch – aller Erwartung nach – ihre Kinder je in Anspruch nehmen werden? 

Wenn nun also einige Studenten in vulgär-marxistischer Manier gegen die „Ökonomisierung“ der Universität zu Felde ziehen, so zeigen sie damit unwillkürlich eine polit-ökonomische Grunderkenntnis: Nur der Markt befördert systematisch Gerechtigkeit, indem er Freiheit und Verantwortung verbindet – in freiwilligen Tauschbeziehungen muss für den Empfang eines Nutzens stets auch eine adäquate Gegenleistung bereitgestellt werden. Ein Leben auf Kosten Anderer, also eine mehr oder minder milde Form der Sklaverei, ist dagegen der Wesenskern des Sozialismus.  

Es kann kein Zweifel bestehen, dass das deutsche Bildungssystem zahlreiche Defizite aufweist. Die meisten dieser Defizite sind darauf zurückzuführen, dass die Bildung in einer fatalen Fehlentscheidung der staatlichen Planwirtschaft überlassen wurde. Bekanntlich schafft aber die Planwirtschaft vor allem eines: Das Erhöhen der Kosten bei einer Absenkung der Qualität. Die demonstrierenden Studenten haben also jedes Recht, ihrer Unzufriedenheit Luft zu machen und ein besseres Bildungssystem zu fordern. Eine Erhöhung der Qualität bei einer Senkung der Kosten ist aber auch im Bildungssystem nur auf einem Wege möglich: durch dessen Ökonomisierung. Studenten sind endlich als die Kunden zu erkennen, die sie sind. Universitäten sind endlich als konkurrierende Anbieter einer Dienstleistung aufzustellen. Nur eine solche Konstellation macht es möglich, dass sich das Bildungsangebot an der entsprechenden Nachfrage ausrichtet und die Studenten jene Dienstleistungen erhalten, die sie wünschen und verdienen. 

Das heisst aber auch: Es muss endlich Schluss sein mit der asozialen Entkoppelung von Nutzen und Kosten, mit der Verwischung und Politisierung finanzieller Verantwortung. Wenn die Studenten eine vernünftige Bildung in Anspruch nehmen wollen, haben sie dafür zu zahlen. Gerechtigkeit und Ökonomisierung gehen dabei Hand in Hand.  

15 Kommentare:

  1. Benjamin Stöcker, 19. November 2009, 17:51

    Na, ist aber jemand auf böser Kommunisten Jagt.

    Warum das Studium immer noch ein Privileg des Bürgertums ist, wird nicht erläutert. Vor allem, warum Deutschland da schlechter da steht als viele andere Länder Europas.

    Am Sozial Selektivsten sind dann noch die in den konservativen Bundesländern, wie z.B. Bayern.

    Wissen muss so frei sein wie möglich. Das macht übrigens bei den Unis nicht halt. Wer allerdings Studenten kennt, die in schlimmen Bachelor Studium hängen, das zum Großteil an ein “Auswendiglernfest” erinnert, muss einem schlecht werden.

     
  2. Markus, 19. November 2009, 21:37

    Ob “asoziale Soziale” oder “egoistische Liberale”, beide übernehmen keine wirkliche Verantwortung für ihr Tun. Was für die einen die Verdrängung von Kosten ist, ist für die anderen die Ignorierung der Interessen anderer.

    Die Ökonomisierung von Universität und Studium führt zu einer extremen Engführung der Beurteilung der erbrachten Leistungen und zu einer nachhaltigen Verarmung von Wissenschaft und Lehre. Kaum erwähnt braucht wohl zu werden, daß durch die eingeschränkte Unabhängigkeit dieser akademischen Bildungsinstitution (auch via Einflußnahme von finanzkräftigen Unternehmen) als Hort für kreatives und innovatives Denken und Forschen der “ökonomistische Schuß” nach hinten losgeht.

    Was soll man von einem Schmalspurstudium, das lediglich als monetär verwertbare Investition in die eigene berufliche Zukunft betrachtet wird, auch anderes erwarten?

     
  3. Sisyphos, 19. November 2009, 23:29

    Ich wart jetzt nur drauf dass jemand noch das Amerika-Argument bringt.

     
  4. chriwi, 20. November 2009, 7:10

    Das Marktargument zieht in meinen Augen nur sehr bedingt. Denn wer Freiheit predigt und Chancengleichheit muss bei der Bildung anfangen. Jemand der verdammt clever ist wird sich unter umständen nicht verschulden um zu studieren. Gleichzeitg wird ein wesentlich weniger qualifizierter junger Mensch durch das Studium geschleußt, weil seine Eltern ihm dies lange genug ermöglichen. Wer Bildung einkommensabhängig macht, reduziert die Chancen aller und setzt Grenzen innerhalb der Gesellschaft.

    Das eventuell jemand mittels Steuern dafür aufkommt, der niemals diese Möglichkeit genutzt hat kann passieren. Das er davon nichts hat ist Unsinn. Hat er etwa nichts von Ärzten, von Ingenieuren, Künstlern, etc. Wird dadurch nicht seine Umwelt bereichert, Arbeit geschaffen? Das Marktargument ist ein Unsinniges, da ein reiner Markt nicht existiert und nur ein Model ist, welches in der Realität nur sehr begrenzt stattfindet. Wer das nicht begreift sollte sich überlegen warum freie Bildung so wichtig ist, denn er müsste sie selbst mal wahr nehmen.

     
  5. Christian Hoffmann, 20. November 2009, 9:35

    @Benjamin: Ja, Wissen sollte so frei wie möglich verfügbar sein. Daran haben ja auch viele Menschen, die Wissen “produzieren” ein Interesse.

    Aber Wissen ist etwas anderes als Bildung. Bildung ist eine Dienstleistung, die anspruchsvoll und teuer ist. Sie wird aus den unterschiedlichsten Gründen in Anspruch genommen - und dient eben vor allem dem Konsumenten. Ich keine kein vernünftiges Argument, warum der Konsument daher nicht auf für die Kosten aufkommen sollte.

    Und irgendjemand muss für die Kosten nunmal aufkommen. Soviel Realitätssinn setze ich mal voraus.

    Darüber hinaus habe ich für die Kritik an Bologna, die Bachelor/Master-Teilung, die schlechte Versorgung an den Hoschulen und vieles mehr grosses Verständnis. Ich glaube aber eben auch, dass viele dieser Probleme gelöst würden, wenn die Studenten endlich als die Konsumenten auftreten würden, die sie sind. (Genau genommen glaube ich das nicht nur, ich weiss es aus eigener Erfahrung als Dozent an verschiedenen Hochschulen.)

     
  6. Christian Hoffmann, 20. November 2009, 9:39

    @Markus: Es ist doch einfach nicht wahr, dass die staatlichen Hochschulen ein Hort des freien Denkens sind. Gute Hochschulen bemühen sich um die Unabhängigkeit der Forschung und Lehre von der Einflussnahme der Geldgeber - ganz gleich, ob dieser öffentlich oder privat ist. Die Gefahr einer Einflussnahme ist aber geringer, wenn der Geldgeber eben nicht eine monopolistische Institution ist, sondern aus vielen verschiedenen Akteuren besteht. Ein besonders wichtiger Geldgeber sollte aber vor allem auch der Kunde, der Student sein - und gegen dessen Einfluss v.a. auf die Lehre kann wohl niemand etwas haben.

    Und Bildung muss nicht nur als Investition betrachtet werden, das sage ich ja auch im Text. Aber der Nutzer ist auf jeden Fall der Student, ganz gleich aus welchem Grund er eine Bildung geniessen will.

     
  7. Christian Hoffmann, 20. November 2009, 9:47

    @chriwi:

    “Jemand der verdammt clever ist wird sich unter umständen nicht verschulden um zu studieren.”

    Na dann ist er wohl nicht so verdammt clever, oder?

    “Wer Bildung einkommensabhängig macht, reduziert die Chancen aller und setzt Grenzen innerhalb der Gesellschaft.”

    Das ist doch eine Floskel. Auch Brötchen sind einkommensabhängig, ebenso Autos, Kinder, oder Beerdigungen. Warum? Weil Ressourcen in unserer nunmal knapp sind und daher nichts umsonst. Jede Ware und Dienstleistung muss im Tausch mit anderen in der einen oder anderen Form bezahlt werden.

    Die Chancen der Bürger werden aber dadurch nicht reduziert, sondern erhöht. Denn nur der Markt schafft Vielfalt und Qualität im Angebot. Er sorgt dafür, dass sich das Angebot an der Nachfrage ausrichtet, so dass wirklich für jeden etwas dabei ist.

    Die einheitliche Staatsuni hat hier ja ganz offensichtlich versagt. Und dabei die Teilhabe sozial Schwacher keinen Deut gesteigert.

    Das er davon nichts hat ist Unsinn. Hat er etwa nichts von Ärzten, von Ingenieuren, Künstlern, etc. Wird dadurch nicht seine Umwelt bereichert, Arbeit geschaffen?

    Ah, da ist ja das angekündigte Argument. Glaubst du das wirklich? Würdest du dem Daimler-Arbeiter, der Schichtdienst am Band macht in die Augen schauen und das wiederholen?

    Es ist übrigens auch nicht nur ziemlich frech oder verwerflich, sondern auch ökonomisch Unsinn. Ich profitiere sicher davon, dass es Künstler gibt. Aber darum finanziere ich nicht jeden Künstler. Ich profitiere auch davon, dass mein Nachbar sein Haus im Schuss hält - ich zahle aber dafür nichts.

    Nutzen kann nur der Markt internalisieren, weil hier derjenige zahlt, der den primären und grössten Nutzen hat. Im Falle der Bildung ist das der Student. Alles andere sind Ausflüchte.

     
  8. chriwi, 20. November 2009, 10:20

    Man kann Intelligent sein und risikoscheu.
    “Ah, da ist ja das angekündigte Argument. Glaubst du das wirklich? Würdest du dem Daimler-Arbeiter, der Schichtdienst am Band macht in die Augen schauen und das wiederholen?”
    Würde ich machen.

    “Die einheitliche Staatsuni hat hier ja ganz offensichtlich versagt. Und dabei die Teilhabe sozial Schwacher keinen Deut gesteigert.”
    In anderen Ländern funktioniert es besser. Denn auch ohne fürs Studium zu zahlen ist es teuer. Von irgendetwas muss man leben und die Unterstützung in Deutschland ist relativ schlecht.

    “Nutzen kann nur der Markt internalisieren, weil hier derjenige zahlt, der den primären und grössten Nutzen hat.”
    Dann musst du aber konsequenterweise eine ganze Menge Geld verlangen und zwar nicht nur bei den Universitäten.
    Schulen, Gerichte, Straßen, Rechtsstaatlichkeit,…
    Deine Argumentation ist nachvollziehbar. Aber Bildung sollte für jeden frei erhältlich sein. Das bist zur höchsten Stufe. Wenn jemand das nicht will ist das seine Entscheidung. Er hat aber die Wahl. Diese wird ihm aber von vornherein genommen, wenn er es alleine bezahlen muss. Denn hat er kein Geld darf er nicht lernen. Hat er es darf er. Das ist kein Schritt in die Zukunft sondern zurück in die Vergangenheit. Denn genau das was du verlangst gab es vor derm 19 Jahrhundert.

     
  9. Christian Hoffmann, 20. November 2009, 11:22

    @chriwi:

    Dann musst du aber konsequenterweise eine ganze Menge Geld verlangen und zwar nicht nur bei den Universitäten. Schulen, Gerichte, Straßen, Rechtsstaatlichkeit,…

    Natürlich muss dafür eine Menge Geld verlangt werden (wenn auch nicht von mir). Alle diese Dientsleistungen sind enorm teuer (z.T. auch, weil der Staat sie sehr ineffizient anbietet natürlich). Es ist doch kein Wunder, dass der Durchschnittsdeutsche 8 Monate im Jahr nur für den Staat arbeitet:
    http://www.freilich.ch/blog/?p=634

    Die Feststellung, dass etwas kostenlos sein “sollte” ist einfach sinnlos. Es sollte auch jeden Tag die Sonne scheinen und uns sollten die gebratenen Tauben in den Mund fliegen. Wir leben aber nunmal nicht im Paradies sondern in der realen Welt - und da kosten nunmal Waren und Dienstleistungen etwas.

    Die Frage ist nur, wer sie bezahlen soll. Und da ist es einfach nur gerecht und verantwortungsvoll, wenn der Nutzer auch für die Kosten aufkommt. Das gilt auch für Strassen und Gerichte.

    Ich würde aber zustimmen, dass Europa eine sehr schlechte Infrastruktur für die eigenverantwortliche Finanzierung des Studiums aufweist. Bildungskredite sind hier noch eine Seltenheit und auch das Stipendiatswesen ist völlig unterentwickelt. Universitäten sollten auch ihre Alumni viel stärker zur Finanzierung beiziehen und privates Sponsoring organisieren.

    Aber dafür ist es notwendig, dass wir endlich in Alternativen denken. Unsere Universitäten sind so schlecht, weil sie auf staatlicher Planwirtschaft beruhen. Der Staat ist pleite - mit mehr Geld wird das Problem sicher nicht gelöst werden. Es ist höchste Zeit, die Anreizstrukturen völlig zu verändern, den Studenten in den Mittelpunkt der Lehre zu stellen, die Universitäten einem echten Wettbewerb auszusetzen und auf allen Seiten mehr Eigenverantwortung zu verlangen.

     
  10. Christian Hoffmann, 20. November 2009, 11:25

    PS: Man lügt sich übrigens auch in die Tasche, wenn man glaubt, dass Kinder aus sozial schwachen Familien eher studieren, weil das Studium steuerfinanziert ist. Bei einer so kurzsichtigen Analyse übersieht man geflissentlich die wahren Gründe, warum diese Kinder nicht studieren. Die Eltern werden aber dennoch zur Finanzierung der Hochschulen beigezogen. Das mag alles mögliche sein, gerecht oder fortschrittlich ist es nicht.

     
  11. Konstantin, 20. November 2009, 17:50

    Die Proteste haben die Bildungspolitiker selbst verursacht: erstens haben sie die Akademikerquote künstlich angehoben. Zweitens haben sie den Selektionsdruck an den Unis verschärft statt einen Numerus Clausus einzuführen, was die Studienabbruchsquote erhöht. Drittens haben sie nicht darauf geachtet, ob es in der Privatwirtschaft überhaupt einen Bedarf an Studienabbrechern (also eine Exit-Option für schwache Studenten) gibt, so dass die zahlreichen Studienabbrüche trotz hoher Ausbildungskosten letztlich in Massenarbeitslosigkeit ausarten.
    Kurz das System produziert massiv zu viele schlechte Akademiker, die ansonsten gute Berufsschüler oder Lehrlinge geworden wären. Das “verheizt” junge produktive Menschen und kostet die Volkswirtschaft Milliarden. Aus dieser Optik ist der Protest der Studierenden zu verstehen, denn deren Zukunft ist ungewiss und die Wahrscheinlichkeit, früh arbeitslos zu werden ist enorm hoch.
    Die Studenten protestieren, weil sie instinktiv spüren, dass etwas nicht stimmt. Noch durchschauen sie aber nicht die eigentlichen Ursachen ihrer Lage, möglicherweise auch aufgrund ihrer geringen Lebenserfahrung (was man ihnen nicht zum Vorwurf machen darf!).
    Letztlich aber wäre es in der Tat ein Zeichen von Fairness gegenüber der jüngeren Generation, wenn die Politik (welche hauptsächlich von privilegierten alten Männern gemacht wird!) ein System schaffen würde, bei dem junge Menschen genau die gleiche faire Chance auf einen guten Job haben wie das frühere Generationen auch so gehabt haben.
    In dem Sinne habe ich - auch aus der eigenen Erfahrung heraus - durchaus Verständnis für den Protest, nicht aber für die von den Jugendlichen geforderten Massnahmen. Das System sollte gute Akademiker und gute Berufsleute produzieren, die beide auf dem Arbeitsmarkt reale Erfolgschancen haben. Ob die Akademikerquote hoch oder tief ist, sollte dabei irrelevant sein, denn letztlich geht es ja nur darum, dass junge Menschen in unserer Gesellschaft eine faire Chance haben wollen.
    Hier wird ja nur um Brot gekämpft. Also bitte etwas weniger Zynismus!

     
  12. Markus, 21. November 2009, 22:24

    “Die Gefahr einer Einflussnahme ist aber geringer, wenn der Geldgeber eben nicht eine monopolistische Institution ist, sondern aus vielen verschiedenen Akteuren besteht.”

    Dies ist fast schon als naiv zu bezeichnen, wenigstens aber als “theoretisch richtig, praktisch aber falsch”.

    Dieser Beitrag wurde mit freundlicher Unterstützung der Bertelsmann Stiftung geschrieben ;-)

     
  13. chriwi, 23. November 2009, 8:22

    Es ist doch kein Wunder, dass der Durchschnittsdeutsche 8 Monate im Jahr nur für den Staat arbeitet:

    Der Lacher schlecht hin. Eine Frage an dich, welchen Unterschied macht es ob du Netto 100 Euro mehr hast und diese dann privat an eine Versicherung abdrückst? Oder bei der Rente? Erwiesenermaßen ist ein staatliches Rentensystem sowohl sicherer als auch billiger (schließlich muss weder Werbung gemacht noch Rendite erwirtschaftet werden). Solche Floskeln ziehen nur sehr bedingt. Ein weiterer Punkt ist, dass du so viel gar nicht verdienen würdest, wenn das Land die Infrastruktur nicht bereitstellen würde. Noch ein Punkt ist, dass die Organisation wer wie viel von irgendwas benutzt hat bestimmt deutliche Kostenvorteile in Organisation und Verwaltung bringen würde.
    Hinzu kommt, dass die meiste Infrastruktur auf dem Land ein Minusgeschäft sein muss. Dort leben zu wenig Leute. Heißt also, dort wo das Einkommen tendenziell geringer ist willst du die Preise nach oben treiben. Entlastung pur.

    Man kann sich die ganze Zeit aufregen, aber einfach mal Nachdenken bevor man immer und immer wieder die gleichen alten Floskeln mit Nutto und Bretto vorbringt.

    “Unsere Universitäten sind so schlecht, weil sie auf staatlicher Planwirtschaft beruhen.”

    Der nächste Lacher. Wonach beurteilst du die Qualität einer Universität? Nach den Absolventenzahlen, nach dem Geld was fließt, Veröffentlichungen oder gleich nach Ratings? Was Ratings bringen hat der Finanzsektor eindrucksvoll gezeigt. Sie sind das Papier nicht wert auf dem sie gedruckt worden sind. Sicher haben wir keine Universitäten die Milliarden kriegen. Die private Organisation und Spendensammlerei hat die amerikanischen Unis stark getroffen. Die deutschen haben dort keine Probleme. Auch in der breite der Ausbildung ist Deutschland besser. Zwar keine Spitzenplätze, aber wesentlich stärker im oberen Bereich vertreten (top 500). Für mich ist das unter dem Gesichtspunkt der verteilten Mittel gar nicht so übel.

    “Bei einer so kurzsichtigen Analyse übersieht man geflissentlich die wahren Gründe, warum diese Kinder nicht studieren.”

    Eben darum muss die Uni kostenlos sein und das Stipendien und Bafögprogramm ausgeweitet werden. Mich kotzt an das gerade diejenigen über Gebühren reden, die selber schön gemüttlich ein kostenloses Studium genießen durften. Jetzt haben sie Geld, auch dank ihres Studiums und können ihren Kindern eine vernünftige Ausbildung bezahlen und schreien nach Gebühren. Damit wird die Durchlässigkeit der Schichten weiter verfestigt. Selbst die OECD sagt, dass Deutschland in diesem Bereich eines der unfairsten Industrieländern ist.

     
  14. lukas, 23. November 2009, 9:43

    Erwiesenermaßen ist ein staatliches Rentensystem sowohl sicherer als auch billiger (schließlich muss weder Werbung gemacht noch Rendite erwirtschaftet werden).

    Ernsthaft jetzt? Und Du willst hier noch Lacher zählen?

     
  15. Christian Hoffmann, 23. November 2009, 15:09

    @chriwi:

    Der Lacher schlecht hin. Eine Frage an dich, welchen Unterschied macht es ob du Netto 100 Euro mehr hast und diese dann privat an eine Versicherung abdrückst?

    Zum einen sind ja nun private Anbieter in aller Regel effizienter und kostengünstiger als staatliche. Zum anderen hätte ich aber so zumindest die Wahl ob und an welche Versicherung ich meine Gebühren zahlen will. Diese hat auch einen grösseren Anreiz, meinen Wünschen nachzukommen, wenn ich ein Kunde bin, der jederzeit wechseln kann - und nicht eine verdonnerter Zwangseinzahler ohne Alternative.

    “Erwiesenermaßen ist ein staatliches Rentensystem sowohl sicherer als auch billiger (schließlich muss weder Werbung gemacht noch Rendite erwirtschaftet werden).”

    Da kann ich mich Lukas nur anschliessen. Du hältst das staatliche, umlagefinanzierte Rentensystem für “sicher”??? Ich dachte, dieser Mythos sei längst tot.

    “Ein weiterer Punkt ist, dass du so viel gar nicht verdienen würdest, wenn das Land die Infrastruktur nicht bereitstellen würde.”

    Das ist ja süss. Wo glaubst du denn kommt die Infrastruktur her? Fällt die etwa vom Himmel? Die Infrastruktur wird mit den Mitteln der Bürger gebaut. Dort wo es diese wirklich braucht würde sie also auch ganz ohne Staat entstehen. Meinst du denn ernsthaft, dass die Menschen ohne Staat einfach auf Strassen, Schulen und Strom verzichten würden? Du lässt Vater Staat wirklich zu viel der Ehre zukommen, wenn du seine Rolle in der Bereitstellung von Infrastruktur für so wichtig hältst.

    “Hinzu kommt, dass die meiste Infrastruktur auf dem Land ein Minusgeschäft sein muss. Dort leben zu wenig Leute. Heißt also, dort wo das Einkommen tendenziell geringer ist willst du die Preise nach oben treiben. Entlastung pur.”

    Moment mal. Dort wo sich die Bereitstellung von Infrastruktur nicht rechnet, leben die Mensch auf Kosten Anderer. Warum eigentlich? Warum muss der Arbeiter in der Stadt die Infrastruktur des Bauern auf dem Land bezahlen? Das soll effizient sein? Oder gerecht? (Davon abgesehen lässt sich so pauschal gar nicht sagen, wo welche Infrastruktur teurer ist - auf dem Land oder in der Stadt, die (Ab)Nutzung ist schliesslich in der Stadt viel höher.)

    “Wonach beurteilst du die Qualität einer Universität? Nach den Absolventenzahlen, nach dem Geld was fließt, Veröffentlichungen oder gleich nach Ratings?”

    Das ist ganz einfach, die Qualität eines Angebots bemisst sich immer nach der Zufriedenheit der Kunden. Und die (eigentlichen) Kunden laufen ja derzeit demonstrierend auf den Strassen rum.

    “Die private Organisation und Spendensammlerei hat die amerikanischen Unis stark getroffen. Die deutschen haben dort keine Probleme.”

    Die deutschen Unis haben wo keine Probleme? Beim Sammeln von Spenden?

    “Auch in der breite der Ausbildung ist Deutschland besser. Zwar keine Spitzenplätze, aber wesentlich stärker im oberen Bereich vertreten (top 500). Für mich ist das unter dem Gesichtspunkt der verteilten Mittel gar nicht so übel.”

    Das ist jetzt also dein Kriterium für die Qualität einer Uni, oder wie?

    “Eben darum muss die Uni kostenlos sein und das Stipendien und Bafögprogramm ausgeweitet werden. Mich kotzt an das gerade diejenigen über Gebühren reden, die selber schön gemüttlich ein kostenloses Studium genießen durften.”

    Also ich habe in der Schweiz studiert, wo das Studium zwar auch enorm billig, aber zumindest nicht kostenlos ist. Kostenlos kann ein Studium auch gar nicht sein. Ein Studium ist immer irrsinnig teuer. Die Frage ist nur, wie man ein Studium effizient und günstig bei hoher Qualität anbieten kann. Und das geht eben nur, wenn es ein klares, transparentes Verhältnis zwischen Anbieter und Nachfrager gibt. Dann wird sich auch ein lebendiges Stipendienwesen etablieren.

    “Damit wird die Durchlässigkeit der Schichten weiter verfestigt. Selbst die OECD sagt, dass Deutschland in diesem Bereich eines der unfairsten Industrieländern ist.”

    Merkst du’s eigentlich noch? Das deutsche Bildungssystem ist sozial total undurchlässig obwohl es steuerfinanziert ist. Andere Systeme, wo die Nutzer auch zahlen - etwa in Australien - sind sozial durchlässiger. Das Argument spricht also wirklich für eine Privatisierung.

     

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