Economics in one yummy lesson
Gerade in Zeiten der Finanzkrise muss es ja leider immer wieder von Neuem erklärt werden: Die Grundlage allen Wohlstands ist Sparen und Investition, nicht Konsum. Sparen, also Konsumverzicht heute, ermöglicht das Akkumulieren von Kapital, welches wiederum einen höheren Output ermöglicht und damit einen umfassenderen/hochwertigeren/befriedigenderen Konsum in der Zukunft. Die Neigung, zugunsten eben eines solchen “besseren” Konsums in der Zukunft auf heutigen Konsum zu verzichten, unterscheidet sich je nach Individuum und wird “Zeitpräferenz” genannt.
Eine wunderbare Verdeutlichung dieses Phänomens gibt dieses Video.
Etwas ausführlicher gibt es diese grundlegenden ökonomischen Zusammenhänge eben in einer eingängigen Lektion bei Henry Hazlitt oder in mehreren, umfassenden aber nicht weniger verständlichen Lektionen bei Ludwig von Mises.
Lesen und geniessen!

Wenn man sich in einer krisenhaften Phase der strukturellen Überakkumulation befindet, macht es sich etwas merkwürdig aus, von Sparen (Wer soll das tun?) und von Konsumverzicht (Gürtel enger schnallen!) zu schwadronieren. Diese schematisch gegebene Handlungsanweisung stimmt nicht.
@Markus: Überakkumulation ist ein schlecht gewählter Ausdruck für Fehlinvestitionen. Natürlich müssen diese “abgebaut” werden - das ist der Sinn einer Rezession und von Unternehmenspleiten. Indem man versucht den Konsum anzukurbeln, verhindert man aber diese notwendigen Anpassungen.
Um schliesslich aus der Rezession wieder herauszukommen, braucht es Kapital und Investitionen, was wiederum Sparen voraussetzt. Wie die jüngste Krise eindrucksvoll zeigte, lässt sich auf Pump nicht dauerhaft leben.
Insofern gelten die oben getroffenen Aussagen vor, während und nach einer Krise. Zumindest wenn man nicht aus populistischen gründen Strohfeuer abbrennen will und nicht-nachhaltige Konjunkturzyklen anfeuern. Wie Keynes dies fälschlicherweise vorgeschlagen hat.
@ Christian
Besser noch Fehlinvestitionen wären erst gar entstanden und schon gar nicht in diesem Ausmaß. Aber wie ich dich einschätze, wirst du die dafür verantwortlichen Manager von jeder Mitschuld freisprechen. Wahrscheinlich wirst du auch dafür eintreten, daß die aufgetürmten Krisenlasten nicht den “Leistungsträgern” aufgebürdet werden dürfen, also: Mehrwertsteuererhöhung und Haushaltskonsolidierung, d.h. Sparpolitik für alle.
Kann von Kapitalmangel zum gegenwärtigen Zeitpunkt überhaupt die Rede sein? An den Finanzmärkten wird doch weiterhin “gezockt”.
Der “populistische” Keynes hätte es vorausschauend zu solchen Exzessen erst gar nicht kommen lassen, denn antizyklische Fiskalpolitik und deficit spending sollen laut Keynes nur kurzfristige Konjunkturschwankungen ausgleichen helfen. Der “Bastardkeynesianismus” ist über Kurzfristdenken allerdings nie hinausgekommen.
@Markus: Natürlich wäre das besser. Aber wie ist es denn zu diesen Fehlinvestitionen gekommen? Staatliche Zentralbanken haben zu viel Geld produziert, das entsprechend eine immer höhere Rendite abwerfen musste. Regulatoren haben Investoren deutlich gemacht, dass sie im Notfall gerettet werden würden, was ein völlig verantwortungsloses Verhalten induziert hat. Und die Politik hat gegen alle Gesetze der ökonomischen Vernunft einen irrwitzigen Immobilien-Boom angeheizt. Nicht zuletzt haben de facto Staatseinheiten wie Fannie und Freddie enorme Risiken in die Bücher der Investmentbanken vermittelt.
Haben also Banker und Manager Fehler gemacht? Zweifellos. Und für Fehlinvestitionen sollten die Verantwortungsträger natürlich auch entsprechend zahlen müssen (etwa durch Konkurse). Aber fest steht halt auch: Ohne Staat wäre es nie zu diesen Fehlinvestitionen gekommen. Man kann die individuellen Fehler als nur im Rahmen der Anreizstrukturen bewerten. Fehler sind unvermeidlich, aber Anreizstrukturen können verbessert werden!
Kapital ist immer knapp. Gezockt wird dagegen mit Geld (vor allem jetzt wieder, nach der Reflationierung). Geld ist nicht Kapital.
Aber diese Fiskalpolitik und deficit spending verhindern notwendige Anpassungen. Nicht nur das, sie verschlimmern durch ein weiteres Aufblähen der Schuldenblase das fundamentale Problem: Zu viel schlechtes Geld.
@ Christian
Der monokausale Krisenerklärungsversuch via Geldschwemme greift m.E. zu kurz. Aber das hatten wir glaube ich schon mal. Warum sich nicht auch mit den globalen Verteilungsungleichheiten und den Überschußländern China und Deutschland näher befassen?
Kann man individuelle Fehler wirklich nur in den gegebenen Anzeizstrukturen bewerten? Wird hier nicht konkrete Kritik an den Finanzakteuren gescheut? Die Angewohnheit, Gewinne zu privatisieren und Verluste zu sozialisieren, hat auch etwas mit der jeweiligen moralischen Einstellung der handelnden Wirtschaftsakteure zu tun.
“Kapital ist immer knapp. Gezockt wird dagegen mit Geld (vor allem jetzt wieder, nach der Reflationierung). Geld ist nicht Kapital.” - Bitte genauer erläutern.
“Zu viel schlechtes Geld” und in der Krise aufgenommene Schulden können durch höhere Steuern und Abgaben wieder reingeholt werden, aber die sind ja per definitionem “schlecht”. Und was sind “notwendige Anpassungen”, die durch keynesianische Politik angeblich verhindert würden?
@Markus:
Das Verhältnis zwischen USA und China ist interessanter - in den USA wird wie wild Geld produziert, mit dem in China Waren eingekauft werden. Die USA versinken in ihren Schulden, die Chinesen sitzen auf einem riesen Haufen Papiergeld - und werden nervös…
Ich denke nicht. Aus dem gleichen Grund sollten Neoliberale nicht auf Sozialhilfeempfängern herumhacken. Auch deren Verhalten lässt sich nur vor dem Hintergrund der bestehenden Anreizstrukturen erklären…
Das ändert ja nichts daran, dass Fehlverhalten vorliegt. Ursachenanalyse ist halt etwas anderes als Schuldzuweisung.
Geld wird in unserem System durch Kredit erzeugt. Die Banken vergeben Kredite und erzeugen so Geld. Dem stehen aber keine Ersparnisse gegenüber, kein Kapitel. Darum wird wie wild mit dem vielen ungedeckten Geld gezockt, weil das Geld im Verhältnis zum Kapital immer wertloser wird. Um überhaupt noch eine Rendite zu erwirtschaften, muss der Geldproduktionswelle ständig vorneweg gelaufen werden. Das ist es dann, was die Linke kurzsichtig als Renditewahn kritisiert…
Deficit spending erzeugt nur noch mehr Kredit, mehr Schulden, mehr Geld - und verhindert eben Kapitalbildung. So wird der Konjunkturmotor am Laufen gehalten (genau das wollte Keynes ja), aber die Wirtschaft gesundet nicht, die Fehlinvestitionen werden nicht abgebaut, der Schuldenberg auch nicht, die Kapitalbildung bleibt immer weiter zurück.
Keynesianismus ist eben der Versuch, einen Kater durch mehr Alkohol zu heilen - klar fühlt man sich besser, aber die Probleme werden nur weiter hinausgezögert und verschlimmert.
Manche fressen die grünen Bananen vom Baum und zünden danach die Bananenstaude an. Andere heben sich etwas auf, um im nächsten Jahr wieder Bananen zum essen zu haben. Leider sind letztere in der Minderheit.
Aber das erkläre mal einer einer Gesellschaft, die immer den neuesten Trends hinterherrennen muss und immer mehr konsumieren will.
@ Christian
Warum wird in den USA wie “wild” Geld produziert und warum wird es nicht für nachhaltige Investitionen eingesetzt, sondern in künstlich erzeugten Konsum?
Die Konsumsucht der Amis kann man ja vielleicht schon als “krankhaft” bezeichnen; jedenfalls ist sie kein Ausweis von übermäßiger Bildung und Kultur. Wie auch in einer kapitalistischen Business-Gesellschaft?
http://www.randomhouse.de/book/edition.jsp?edi=106806
John de Graaf, David Wann, Thomas H. Naylor - Affluenza - Riemann
Zur “Besinnung” auf den Sinn von Wirtschaft hier ausnahmsweise mal ein Lesebefehl. Hoffentlich fühlen sich freiheitsliebende Liberale damit nicht unter Druck gesetzt
http://www.iwe.unisg.ch/org/iwe/web.nsf/wwwPubAktuell/DE2F98817D7B3097C125764200594AFB
Institut für Wirtschaftsethik - Buchankündigung: Jubiläumsband “Markt, Mensch und Freiheit” zum 20. Jahrestag des IWE-HSG
Ursachenanalyse mag etwas anderes als Schuldzuweisung sein. Aber auch in bezug auf das Fehlverhalten der Finanzstrategen entlasten unzureichende Anreizstrukturen nicht von persönlicher Verantwortung für das eigene Tun. Von einer Börsenmoral ist der Homo oeconomicus-Mensch aber noch weit entfernt und “zockt” daher ungerührt und ungebremst weiter mit wertlosem Geld.
Wenn es in der Realwirtschaft mehr Investitionsmöglichkeiten gäbe, würde das Spekulationskarussell an den Finanzmärkten sich vielleicht weniger heftig drehen. Ist die Entstehung des Finanzmarktkapitalismus nicht auch eine Folge der deutlichen Wachstumsabschwächung in der Realwirtschaft samt der fehlerhaften “neoliberalen” Marktöffnungs- und Wachstumspolitik? Gerade hier könnte uns Keynes weiterhelfen, der die empirisch nachweisbare dauerhafte Wachstumsabschwächung aufgrund von Nachfragemangel in hochentwickelten Ländern bereits thematisiert hat. Die keynesianischen Mittel zur vorübergehenden Konjunkturglättung erscheinen vor dem Hintergrund dieses längerfristig wirkenden Trends in einem anderen Licht.
Siehe auch die deutschsprachige Ausgabe von Henry Hazlitt’s Klassiker:
http://buchausgabe.de/public_products/Economics
@Markus:
Der künstlich erzeugte Konsum den wir derzeit erleben sind ja wohl die Stimulus-Pakete, die mit der Macht der Verzweiflung “Nachfrage” schaffen sollen und damit die Kreditspirale am Laufen halten…
Das Konsumverhalten der US Bürger hat aber gewiss nichts mit mehr oder weniger “Kultur” zu tun (woher diese Hochnäsigkeit?). Es ist schlicht rational, zu entsparen (also mehr zu konsumieren als zu sparen, und sich so zu verschulden), wenn mit einer Entwertung des Geldes zu rechnen ist. Erneut gilt: Achte auf die Rahmenbedingungen, an die sich individuelle Akteure anpassen!
Das kann ich wirklich nicht erkennen. Die zunehmenden Exzesse am Kapitalmarkt sind mit der Notwendigkeit zu erklären, Übermengen an Geld irgendwie gewinnbringend anlegen zu müssen. In den richtigen Rahmenbedingungen ist der Anreiz der Kapitalvermehrung ein segensreicher - übrigens segensreicher, je offener und arbeitsteiliger (auch international) Märkte sind. Ist aber das Geldsystem korrupt, dann erkrankt daran das gesamte Wirtschaftsystem.
@ Christian
“Das Konsumverhalten der US Bürger hat aber gewiss nichts mit mehr oder weniger “Kultur” zu tun (woher diese Hochnäsigkeit?). Es ist schlicht rational, zu entsparen (also mehr zu konsumieren als zu sparen, und sich so zu verschulden), wenn mit einer Entwertung des Geldes zu rechnen ist.”
Rational ist aber nicht einfachhin mit vernünftig gleichzusetzen, und es kann sogar als überaus unvernünftig angesehen werden, wenn unter einer süßlichen Bevormundung der Konsumkultur gefrönt und ein Konformitätsdruck ausgeübt wird. Freiheit und Individualität sind auch in kapitalistischen Gesellschaften relative Größen.
Wie es zu den Exzessen in der Finanzwelt kam, läßt sich hier nachverfolgen:
http://www.monthlyreview.org/books/greatfinancialcrisis.php
The Great Financial Crisis - Monthly Review