Der innere Hitler

http://www.humobisten.nl/weblog/archives/dictator.jpgMike Van Winkle outet auf dem FEE Blog seinen inneren Diktator: Morgens früh und auf Kaffee-Entzug würde Mike am liebsten Kinder, Rasenmäher und Hunde verbieten - sie sind laut, schmutzig, störend. Weg damit, dann ginge es allen besser!

Caffeine deprivation turns me into a totalitarian. As do long red lights, stupid drivers, annoying children and slow walkers. But it is in these moments where my inner totalitarian is revealed that I realize just what makes me libertarian: My moral commitment to not interfering with the lives of those whose actions are not causing me direct physical harm.

Eine schöne Anekdote, die für mich den Wesenskern des Liberalismus auf den Punkt bringt: Toleranz. Der Kern des Liberalismus ist, dass man einer wohlhabenden und friedlichen Zivilisation zuliebe den natürlichen Impuls zur Intervention im Leben Anderer unterdrückt, und andere Menschen einfach anders sein lässt. Auch wenn man deren Verhalten selbst irgendwie seltsam oder gar anstössig findet. Wie Ludwig von Mises so treffend schrieb:

Ein freier Mensch muss es ertragen können, dass seine Mitmenschen anders handeln und anders leben, als er es für richtig hält, und muss es sich abgewöhnen, sobald ihm etwas nicht gefällt, nach der Polizei zu rufen.

Diese Selbstbeherrschung, diese Toleranz geht vielen Menschen leider ab, regelmässig werden sie von ihrem inneren Totalitären übermannt und unterwerfen ihre Mitmenschen willkürlichem Zwang. Einfach weil sie es können. Vor allem in einer Demokratie, der Herrschaft der Mehrheit über die Minderheit, führt dies zu einer eskalierenden wechselseitigen Entmündigung. Darum gilt: Freiheit muss jeden Tag von Neuem errungen werden - indem wir unserem inneren Hitler die notwendigen Fesseln anlegen.

11 Kommentare:

  1. Markus, 10. September 2009, 20:58

    Jetzt weiß ich wenigstens, weshalb dieses Blog schon fast mein Lieblingsblog geworden ist ;-)

    Wenn Christian seine bewundernswerte Liberalität auf alle Menschen, ob arm oder reich, ausdehnen würde - dann wäre er auch noch sozial dazu!

     
  2. Christian Hoffmann, 10. September 2009, 21:11

    Wen spare ich denn bisher davon aus? ;-)

     
  3. Ben Palmer, 11. September 2009, 6:49

    “Ein freier Mensch muss es ertragen können …. ” In wenigen Worten auf den Punkt gebracht, bravo!

     
  4. freiheitistunteilbar, 11. September 2009, 8:25

    @Markus:

    Wenn du einem Heckenpenner 4 € in seinen Hut legst, dann bist du sozialer als alle Wohlfahrtsstaatspharisäer, die glauben, Gerechtigkeit wäre eine Verteilungsfrage, zusammengenommen. :(

    Außerdem sorgt der inflationäre Gebrauch des Wortes “sozial” für dessen Entwertung zu einem Wieselwort, das fortan gestellt, die Bedeutung des Folgewortes aussaugt, wie ein Wiesel ein Ei.

     
  5. Dietmar-Dominik Hennig, 11. September 2009, 20:20

    Sehr schönes Beispiel, zeigt aber auch, daß unsere Geisteshaltung dem menschlichen (”allzumenschlichen”?) Instinkt widerspricht. Mises nannte das übrigens das “Fourier-Syndrom”: “Wenn ich was zu sagen hätte, aber dann…”

     
  6. Markus, 12. September 2009, 23:28

    @ freiheitistunteilbar

    Sicherlich sind die Pfaffen die schlimmsten, die ständig vom “lieben Gott” schwadronieren. In unserer Zeit scheint mir aber kein inflationärer Gebrauch des Wortes “sozial” vorzuherrschen, sondern eher eine des Freiheitsbegriffs, mit dem ziemlicher Schindluder getrieben werden kann: Wirtschaftliche Freiheit als Recht des Stärkeren oder wie wohltätig ist doch der edle Spender, der dem Bettler ein paar Groschen gibt, aber nicht nach den Ursachen der Armut auf der einen und des Reichtums auf der anderen Seite fragt. In welcher Gesellschaft wollen wir leben?

    @ Christian

    Wenn der Mensch is(s)t, was er kauft, dann haben diejenigen, die nicht kaufen können, nichts zu essen und sind damit nach ökonomistischer Lesart: nichts.

     
  7. Christian Hoffmann, 14. September 2009, 0:41

    @Markus: Wer nichts zum Tausch anbieten kann, ist natürlich kein interessanter Tauschpartner. Zum Glück ist Tausch aber nicht immer materiell. Auch die die “nichts” haben, haben oft viel zu geben ;-)

     
  8. Konstantin, 14. September 2009, 17:40

    Manche Menschen wollen eben etwas aus ihrem Leben machen: bspw. wollen sie einen Job, ein Haus, eine Familie etc. ? Darum bewerben sie sich bei verschiedenen Firmen, gehen arbeiten und sparen sich Geld für ein schmuckes Zuhause. Ich sehe nicht ein, warum ausgerechnet diese Leute zahlen müssen für all jene, die in ihrer Sozialwohnung faul herumhängen, Bier trinken und dann wieder zum Sozialamt rennen, wenn sie die gesamte Nothilfe wieder mal versoffen haben.
    Was heutzutage als “sozial” verkauft wird, ist totalitär gegenüber jenen, die mit ihrer täglichen harten Arbeit Wirtschaft und Sozialstaat überhaupt am Leben lassen.

     
  9. freiheitistunteilbar, 14. September 2009, 18:23

    Sicherlich sind die Pfaffen die schlimmsten, die ständig vom “lieben Gott” schwadronieren. In unserer Zeit scheint mir aber kein inflationärer Gebrauch des Wortes “sozial” vorzuherrschen, sondern eher eine des Freiheitsbegriffs, mit dem ziemlicher Schindluder getrieben werden kann

    Dann glaubst du an soziale Gerechtigkeit, also eine Gerechtigkeit durch Umverteilung, oder? Die Sozialhilfe ist keine Hilfe, sondern Asozial denjenigen gegenüber, denen der Staat ihr Eigentum raubt, um damit vermeintlich gutes zu tun. Sozial ist laut Hayek ein Wieselwort, welches dem nachfolgenden, wie ein Wiesel ein Ei, die Bedeutung aussaugt. Es wird dadurch entwertet.

    Schindluder mit dem Begriff der Freiheit scheint für dich also darin zu bestehen, dass du wirtschaftliche Freiheit als Recht des Stärkeren - was im Übrigen eine Chimaere ist, weil es sich dabei um Unrecht handelt - bezeichnest.

    Wirtschaftliche Freiheit als Recht des Stärkeren oder wie wohltätig ist doch der edle Spender, der dem Bettler ein paar Groschen gibt, aber nicht nach den Ursachen der Armut auf der einen und des Reichtums auf der anderen Seite fragt. In welcher Gesellschaft wollen wir leben?

    Wer ist wir? Deine Vorstellungen von Gesellschaft können konträr zu meinen stehen. Wer einem Bettler eine Groschen gibt ist sozialer, als der Staat, der raubt, um zu geben, den er tut dies freiwillig und unmittelbar. Von wegen “Papi Staat kümmert sich schon d’rum, schließlich zahle ich ja Steuern,” jenes Bequemlichkeitsdenken, das jede Mitmenschlichkeit zerstört und an dessen Stelle eine kalte Systemnächstenliebe stellt.

    Wer die Frage nach Armut und Reichtum beantwortet, indem er unterstellt, dass Arme unverschuldet arm und Reiche schuldhaft reich seien, der unterliegt demselben Dogma, wie unsere sozialistischen Freunde.

    Wirtschaftliche Freiheit bedeutet, dass ein Reicher durch Fehler arm, und ein Armer durch Geschick und Glück schneller reich werden kann, nichts weiter. Dass es auch Wirtschaftskriminelle gibt, bedeutet nicht, dass eine Wirtschaft kriminell ist.

    @Konstantin:

    Solange es dazu falsche staatliche Anreize gibt, wird sich daran nichts ändern. Wenn man die Systematik, die asoziale Faulärsche schafft, nicht beseitigt, kann man nur noch auf den Staatsbankrott warten, damit sich etwas daran ändern könnte.

     
  10. freiheitistunteilbar, 14. September 2009, 18:24

    Sozialistische Freunde war übrigens ironisch gemeint.

     
  11. Markus, 15. September 2009, 11:04

    @ Christian

    Wie tröstlich für die “Arbeitskraft-Unternehmer”!

    @ freiheitistunteilbar

    Der gute Hayek ist ein Schlitzohr gewesen. Hat er doch sein Leben lang gegen den Staat gewettert, sich als Prof. aber immer auf Staatskosten “durchfüttern” lassen.

    Verteilungsgerechtigkeit bedeutet nicht nur Umverteilung, sondern eben auch eine Beteiligung der arbeitenden Massen am Wirtschaftswachstum und nicht etwa sinkende Reallöhne und explodierende Managerboni.

    A propos Umverteilung, erleben wir nicht seit Jahren eine Umverteilung von unten nach oben, die nicht nur ungerechtfertigt ist, sondern auch zum Entstehen des Kasinokapitalismus beigetragen hat?

    Die libertären Eigentumsfetischisten und Staatshasser haben in Wahrheit ein Problem mit der demokratischen Gesellschaftsordnung und sind nicht umsonst im rechten politischen Spektrum anzutreffen. Schlimm nur, wenn immer noch Leute auf die Mär vom Tellerwäscher zum Millionär hereinfallen. Die soziale Durchlässigkeit ist im “sozialistischen” Skandinavien deutlich höher als in den kapitalistischen USA.

     

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