“The era of banking secrecy is over.”
So die Verlautbarung des G20-Treffens in London. Dazu nur eine Frage: Was um alles in der Welt hat das Bankgeheimnis mit der aktuellen Finanzkrise zu tun?
Vielleicht noch eine zweite: Wie trägt die Beseitigung des Bankgeheimnisses zu einer Stabilisierung der Finanzsysteme und einer Erholung der Weltwirtschaft bei?
Kann nun noch ernsthaft behauptet werden, dass es der Politik um etwas anderes geht, als die Beseitigung von Ausweichmöglichkeiten zum Zwecke der maximalen Ausquetschung der Steuerzahler? Nie war eine Einsatz für die Privatsphäre der Bürger und den Wettbewerb der Systeme dringlicher, als heute.

Das Polit-Affentheater der letzten Tage lässt einen fürwahr erschauern. “London” scheint so etwas wie eine Pseudoneuauflage von Jalta zu sein (etwa bzgl. der “Neuordnung der Welt” durch die Politiker, über die Köpfe der Menschen hinweg), und ich weiss nicht welche von beiden Etatistenrunden mir sympatsischer sein soll.
G20 ist Synonym für die explizite Rückkehr des totalitären Staates: Wir werden wohl mal auf die Zeit 2008/09 zurückblicken wie wir es heute auf die dreissiger Jahre des 20. Jh. tun. Aber nicht so, wie sich das die Sozialisten aller Parteien gerade vorstellen.
Dass zahlreiche Menschen die Lügen des G20-Gipfels glauben, entlarvt die grenzenlose Dummheit der Menschen und unserer politischen “Anführer”. Andererseits freut es mich, wenn etatistisch verblendete gewalttätige Chaoten gegen diese Nazi-Organisation demonstrieren gehen und dabei zahlreiche Geschäfte plündern und Schaufensterscheiben einschlagen. Das haben die Londoner nun wirklich nicht anders verdient. Die Geister, die die G-20 einst riefen, werden sie nicht mehr los und ich hoffe sehr, dass zahlreiche Bürgerliche, Liberale und Konservative dieser Organisation nun endlich auch die Unterstützung verweigern.
Wir Schweizer sollten vielleicht die Gunst der Stunde nutzen und bspw. damit aufhören, via World Economic Forum in Davos den etatistischen Politikern der OECD und der G-20 jedes Jahr eine Plattform zu bieten. Grund: wir Schweizer müssen der Weltöffentlichkeit klar machen, dass wir mit unserem Bankgeheimnis mitnichten die Globalisierungspolitik der G-20 und der OECD unterstützen. Wir Indianer sind gegen die Globalisierung. Darum sollte ein erster Schritt getan werden und das globalisierungsfreundliche WEF verboten werden.
“Nazi-Organisation”…? *augenrollseufz*
Warum muss in diesem Zusammenhang immer die braune Keule geschwungen werden? Versteh ich echt nicht. Ist doch lächerlich.
Irgendwie erinnern solche internationalen Organisationen mit Weltherrschaftsansprüchen nunmal
1. An die Nazis
2. An die Sowjetunion
3. An das Imperium aus “Star Wars”
4. An Orwell’s Buch “1984″
5. An Huxley’s Buch “Brave New World”
Wobei letztere zugegebenermassen am ehesten dem modernen Supranationalstaat à la G20 oder der OECD entsprechen.
Der Vorteil des “Ausweichens” auf das Bankgeheimnis ist einfach:
- Alle Teilnehmer des G20 sind sich einig, es geht schliesslich um Staaten, die nicht am G20-Gipfel vertreten sind. Es gab also keine Streitereien.
- Der G20-Gipfel musste im Schlussbericht über eine erfolgreiche Konferenz und eine “Einigung” aller Staaten berichten. Der G20-Gipfel war insofern erfolgreich, als Sarkozy nicht vorzeitig abgereist ist und sich alle einig waren, dass die bösen Steuerhinterzieher mit aller Macht an der Zerstörung der Welt-Wirtschaft gehindert werden müssen.
- Über das weitaus grössere Problem, die Ursachen und Bekämpfung der Wirtschaftskrise, wäre sicher keine Einigung möglich gewesen und Lösungen, ausser staatlichen Investitionen konnte niemand anbieten, ohne dem Kollegen auf die Füsse zu trete. Man hat deshalb darauf verzichtet, darüber auch nur ein Wort zu erwähnen.
Der Ruf nach Bekämpfung des Bankgeheimnisses ist nichts anderes als der der Ruf nach gleichem Unrecht für Alle.
@ Christian Hoffmann
Der Politik geht es also nur darum, ehrliche Bürger mittels Steuern maximal auszuquetschen? - Nun gut, von “ehrlichen Bürgern” hast du wohlweislich nicht geschrieben. Mit Gesetzestreue und demokratischer Mitarbeit haben diese “armen” Menschen mit Nummernkonten in der Schweiz und anderen Steueroasen aber auch nicht allzu viel am Hut. Müssen sich Vertreter des Liberalismus denn auf die Seite der “Reichen und Einflußreichen” schlagen, um dem Ziel der Freiheit näherzukommen?
@Markus: Die Einflussreichen entziehen sich ja nicht notwendigerweise dem Steuerstaat - sie instrumentalisieren ihn. Meines Erachtens ist es bei der Steuervermeidung wie bei der Schwarzarbeit: Sie wird vom ganz normalen Mittelstand genutzt. Warum? Weil der Mittelstand merkt, dass man arbeitet und arbeitet und immer weniger hängen bleibt. Das Geld verschwindet in irgendwelchen politischen schwarzen Löchern, aus denen nie wieder etwas zurückkommt. Immer weniger gelingt es den Bürgern daher - trotz Arbeit und Mühe - für sich und die Eigenen ein gewisses Vermögen, einen gewissen Wohlstand aufzubauen. Das lassen die Menschen auf Dauer nicht mit sich machen.
Angesichts der völligen Verantwortungslosigkeit der Politik halte ich daher sowohl Schwarzarbeit als auch Steuervermeidung für völlig legitim. Ein versagendes politisches System hat keinen Anspruch auf die Kooperation, geschweige denn die Arbeit und das Einkommen, seiner Bürger.
Daran ändert auch die Demokratie nichts, denn in einem System, in dem von oben nach unten, von unten nach oben, von links nach rechts und rechts nach links umverteilt wird, entsteht ein solches Ausmass an Korruption, Filz, Interessenpolitik und Unbeweglichkeit, dass die Stimme an der Urne völlig wertlos wird. Die Vorstellung, durch eine Wahlbeteiligung etwas an einem System wie etwa dem deutschen ändern zu können, ist völlig illusorisch.
Dem Bürger bleibt daher meist nur noch die Exit-Strategie - sei es durch Auswanderung der Person oder des Vermögens.
@ Christian Hoffmann
Ein interessantes Statement. Die Vertrauenskrise in die politischen Parteien und das demokratische Regierungssystem scheint ja schon ziemlich weit fortgeschritten zu sein. Die negativen Folgen eines solchen Szenarios möchte man sich aber kaum ausmalen. In einem derartigen Kampf gegen diese politischen Institutionen würde m.E. aber das Kind mit dem Bade ausgeschüttet. Warum gleich zur “steuerpolitischen Revolution” rufen, wo tiefgreifende Reformen angebracht sind? Und wie konnte das bisherige System seit dem Zweiten Weltkrieg cum grano salis doch recht gut funktionieren? Natürlich werden sich bei diesem Hauen und Stechen die “Starken” mehr aneignen können als die “Schwachen”. Im Ergebnis werden wir nicht weniger Staat, sondern mehr Staat haben, was nicht einmal das eigentliche Problem ist. Jedoch wird dieser Leviathan nicht mehr demokratisch und damit reformierbar sein, sondern von populistischen Volksverführern getragen in einer Diktatur enden.
@Markus: Das System funktioniert so lange gut, wie der Markt (also wir alle, die produktiv tätig sind) so viel Wohlstand erzeugt, dass wir uns Politik leisten können. Inzwischen haben wir aber einen “tipping point” überschritten, wo der Staat so viel frisst und an unproduktive Interessengruppen verteilt, dass die Wohlstandsproduktion massiv behindert wird. Das ist eine Teufelsspirale, weil die entstehende Unzufriedenheit unweigerlich nur zu noch mehr Interventionen und sinnloser Umverteilung und damit noch weniger Wohlstand führt.
Ich glaube nicht, dass dieser politische Automatismus durch politisches Engagement verändert werden kann. Und ich glaube nicht, dass “mehr Demokratie” eine Lösung ist. Helfen würde nur mehr Respekt für den Rechten der Bürger und weniger staatliche Eingriffe in diese.
@ Christian Hoffmann
Um die Rechte der Bürger effektiv schützen zu können, braucht man aber auch einen funktionsfähigen Staat. Ob das nun ein “Nachtwächterstaat” sein kann, möchte ich aber bezweiflen. Denn ein “schlanker Staat” kommt den Vielen nicht zugute, den Wenigen dafür aber nur allzu gelegen.
Weshalb ist das politische Engagement im allgemeinen denn heute so zurückgegangen? Auch weil eine entpolisierte Marktgesellschaft die Politik mit dem Label der ökonomischen Ineffizienz und der freiheitseinschränkenden Bevormundung belegt hat. Und wo bleibt eine umfassende Ursachenforschung bezüglich von Wachstumsschwäche und steigender Arbeitslosigkeit?
Nebenbei gefragt, wird in diesem Blog eigentlich ein liberaler, libertärer oder anarcho-kapitalistischer Standpunkt vertreten?
@Markus: Es wird dich vielleicht überraschen, dass es liberale Theorien gibt, die auch die Rechtsdurchsetzung dem Markt überlassen würden
Insofern ist das Konzept des liberalen “Minimalstaates” nicht unumstritten.
Da ist was dran, aber vielleicht anders als du denkst. Ein “Nachtwächterstaat”, der sich nur um die Bekämpfung von Rechtsverletzungen kümmert, kommt natürlich nur Wenigen zugute, weil ja zum Glück nicht jeder ständig von Rechtsverletzungen betroffen ist. Davon abgesehen kämen die meisten mit dem Staat eigentlich gar nicht in Berührung. Nur auf einer relativ abstrakten Ebene würde “jeder” vom Staat profitieren, indem sie sich nämlich auf eine effektive und effiziente Rechtsdurchsetzung verlassen könnten.
Das ist ja gerade sein Vorteil: Ohne Umverteilung auch keine Negativsummenspiele, keine Versuche unterschiedlicher Interessengruppen sich an anderen zu bereichern. Und keine korrupte Politik, die sich ihre Macht sichert, indem sie eine Gruppe gegen die andere ausspielt.
Ich bitte dich, das meinst du doch nicht ernst. Die Politik hat sich heute doch für allzuständig erklärt - vom Rauchen in der Eckkneipe, über die Geschwindigkeitsbeschränkung auf der Strasse, über die Lehrpläne der Schulen, über den Krümmungsgrad der Bananen, über Rente, Krankenversicherung und Pflege, bis zur Rettung der Finanzsysteme oder des Klimas. Wenn man den Worten der Politik glauben würde, müsste man sich erst recht politisch engagieren. Es geht schliesslich um ausnahmslos alles.
Ich glaube genau das ist der Grund für die Politikverdrossenheit. Die Politik kann einfach nicht, was sie verspricht. Wenn sie sich um alles kümmert, kümmert sie sich um alles schlecht. Durch ihre unzähligen eskalierenden und oft widersprüchlichen Interventionen erreicht sie nie ihr Ziel. Immer mehr Bürger erkennen: Die allzuständige Politik kann am Ende des Tages nur eines - den Politikern und Bürokraten Arbeit verschaffen. Auf Kosten der Bürger.
Nur weil dir die Ergebnisse der Forschung nicht gefallen, heisst das nicht, dass es keine Forschung gibt.
Jeder ernstzunehmende Ökonom würde dir so ziemlich die gleiche Begründung für Wachstumsschwäche und Arbeitslosigkeit nennen. Jeder Politiker kennt diese Begründung auch - zieht daraus aber keine praktischen Schlussfolgerungen, weil sie politisch nicht populär oder durchsetzbar wären. Und weil sie sich damit ins eigene Fleisch schneiden würden.
Ein liberaler - in unterschiedlicher Radikalität
LOL, jeder ernstzunehmende Oekonom hat total fehl prognostiziert. (nuja fast jeder, grins)
G 20 finde ich gut. So sehen, die sich alle mal persönlich.
(Ich fänds total doof mit jemanden verhandeln zu müssen den ich in meinem Leben noch nie gesehen habe und mir ständig immer nur das Bild der Medien oder anderer Menschen “ansehen” muss.)
- ich habe mir sagen lassen, dass die Arbeit VOR diesen Gipfeln getätigt wird! (weil ja sämtliches in alle möglichen Sprachen übersetzt werden muss). Am Tag des Treffens gibts dann ein Fototermin, da quatscht man dann über Hobbies und das Geschäft ist erledigt. Ab nach Hause.
@ Christian Hoffmann
Was mir bei den Liberalen in der Tat mißfällt, ist deren pauschales Staat-Bashing. Ineffizient, bevormundend, korrupt sei er, dieser Staat. Kein Gedanke daran, daß es auch anders sein könnte. Und keine Zweifel daran, daß es der Markt schon richten wird. Hier stoßen offenbar entgegengesetzte “Glaubensrichtungen” aufeinander.
Darf man aber die dahinterstehende Interessenorientiertheit erwähnen? Der Unternehmerwirtschaft kommt jedenfalls eine staatsfreie Marktwirtschaft mehr entgegen, als den abhängig beschäftigten Massen, die auf die sozialstaatlich gesteuerte Marktwirtschaft angewiesen sind.
Die von der wirtschaftsliberalen Seite stets ignorierten Macht- und Einflußverhältnisse in der kapitalistschen Gesellschaft erklären auch die randständige Lage der Sichtweisen von “alternativen Ökonomen”.
Auch wenn sich der Staat und die Politik heute scheinbar überall einmischen, um welche Peanuts geht es denn da? Und man sollte sich auch nicht von den großen Treffen der “Weltpolitiker” täuschen lassen. Leben wir nicht in einer Postdemokratie?
http://www.buecher.de/shop/Buergerbeteiligung/Postdemokratie/Crouch-Colin/products_products/detail/prod_id/23308041/
buecher.de: Postdemokratie - Colin Crouch - Portofrei
@Markus: Liberale lehnen Zwang ab. Der Staat aber ist Zwang. Insofern können Liberale kein positives Verhältnis zum Staat haben. Selbst für “echte” Neoliberale (etwa der Freiburger Schule) kann der Staat bestenfalls nur ein notwendiges Übel sein. Aber immer ein Übel.
Jenseits dieser moralischen Überlegungen gibt es aber unzählige wissenschaftliche Theorien und empirische Studien die zeigen, dass der Staat in der Herstellung und Verteilung von Gütern und Dienstleistungen dem Markt unterlegen ist. Auch das ein Grund, warum Liberale eine weitestmögliche Verkleinerung des Staates befürworten.
Das halte ich für völlig falsch.
1. sind Unternehmer oft die grössten Profiteure von Staatsinterventionen. Ich kenne kaum Unternehmer, die sich konsequent für einen freien Markt einsetzen - bestenfalls für weniger Steuern oder etwas weniger lästige Vorschriften. Aber welcher Unternehmer schimpft schon auf Subventionen, Protektionen oder hilfreiche Regulierungen, die etwa den Wettbewerb im Zaum halten? Lies mal Bastiat’s “Petition der Kerzenmacher” - genau so ticken in einem etatistischen System die Unternehmen.
2. sind die Arbeitnehmer die ersten Opfer des Sozialismus. Marktinterventionen erzeugen Arbeitslosigkeit und Lohndruck, schwächen also die Position der Arbeitnehmer. Die meist darauf folgenden Interventionen (z.B. Mindestlöhne, Kündigungsschutz etc.) führen zu noch mehr Arbeitslosigkeit und Elend (s. Deutschland). Die Verstaatlichung und Monopolisierung von Unternehmen nimmt den Arbeitnehmern jede Verhandlungsmöglichkeit und macht sie zu reinen Abhängigen. Konsequenterweise führt all dies im Sozialismus zur Zwangsarbeit. Der Markt ist als Garant des Wettbewerbs und der Vielfalt der beste Freund der Arbeitnehmer - nur im freien Markt kann der Arbeitnehmer seine Fähigkeiten optimal einsetzen und das Maximale für sich herausholen. Nichts kann die Macht von Unternehmen so effektiv beschränken, wie der Wettbewerbsdruck des freien Marktes.
Der Irrtum der Linken ist es, diese Macht- und Einflussverhältnisse auf den freien Markt zurückzuführen. Wenn man sich z.B. die Herrschaft der “Räuberbarone” in den USA anschaut, dann handelte es sich um staatlich geförderte und protegierte Unternehmen. Der Staat hat diese Unternehmen also erst in eine Position gebracht, in der sie Arbeitnehmer tatsächlich erpressen konnten. Ohne die Hilfe des Staates ist noch nie ein Angebotsmonopol entstanden. Nur der Staat kann Unternehmen echte Macht verleihen. Jeder echte Liberale kritisiert darum den Korporatismus, die Kombination von “Big Business und Big Government” oder den Staatskapitalismus.
Sozialisten reagieren dann aber nicht (mehr) indem sie ein Ende staatlicher Privilegien fordern und einen echten, freien Wettbewerb der Unternehmen - nein, sie eröffnen einen perversen Wettbewerb um staatliche Protektion und Unterstützung. Das sieht man heute in jedem westlichen Land: Der Staat verteilt links und recht “Guetzle” mal an Arbeitnehmer, mal an Arbeitgeber. Beide Seiten wollen mehr “Guetzle” für sich und weniger für den anderen. Wahlkämpfe werden nur noch um die Frage geführt, wer wieviel “Guetzle” erhält - was natürlich die Bürger gegenüber dem Staat schön abhängig und hörig hält. Keine von beiden Seiten vertritt dabei eine liberale Position - ein Ende der “Guetzle” fordert niemand.
Liberale unterscheiden aus diesem Grund übrigens auch den Unternehmer vom “politischen Unternehmer“. Ersterer will Erfolg haben und reich werden, indem er seinen Kunden das beste Angebot liefert. Zweiterer will Erfolg haben und reich werden, indem er den Staat für seine Zwecke instrumentalisiert, also sich Privilegien und Protektion “erarbeitet”.
Der Staat ist heute in unseren Gesellschaften allgegenwärtig - er bietet an, normiert, reguliert, versteuert, verhindert, verbietet, verpflichtet. Man kann heute sprichwörtlich keinen Handschlag mehr machen, ohne mit dem Staat in Kontakt zu kommen.
@ Christian Hoffmann
Ob der auf Menschen ausgeübte Zwang von seiten des demokratischen Staates kommt oder vom anonymen Markt, spielt für die Betroffenen zunächst vielleicht keine unmittelbare Rolle. Aber den Staat kann man nicht nur einfachhin als Verursacher darstellen, man kann ihn prinzipiell auch verändern und verbessern. Der “freie Markt” entzieht sich in seiner scheinbaren Anonymität jedoch vielfach jeglicher Verantwortungsübernahme durch die Verursacher. Wie oft haben wir uns schon anhören müssen, daß eben “Sachzwänge” diese oder jene unangenehme Maßnahme und schmerzliche Einschnitte nun einmal erfordere? Die unstatthafte Verfilzung und Verflechtung von Politik und Wirtschaft aber wird auch von links angeprangert.
Zwar hat es das gescheiterte Realexperiment des Sozialismus gegeben, aber ein ähnliches Großexperiment von einer kapitalistischen Marktwirtschaft ohne nennenswerten Unternehmereinfluß auf die wirtschaftlichen und politischen Geschehnisse wird es wohl kaum geben. Daher bleibt die berechtige Sorge vor einer instrumentalisierten “Macht-Wirtschaft” überaus wirksam bestehen. Und begangene “Kapital-Verbrechen” sind aktenkundig:
http://www.papyrossa.de/sites_buchtitel/biermann_kapitalverbrechen.htm
Kapital-Verbrechen
Meines Erachtens wird in der marktliberalen Denke zudem die Nachfrageseite ausgeblendet und dem Markt per definitionem Stabilität zugesprochen. Weil diese vorab gemachten Prämissen zumindest fragwürdig sind, ist der Staat gezwungen, in das instabile Marktgeschehen einzugreifen.
@Martin: Der freie Markt ist keine anonyme Institution, keine gelenkte Organisation. Er ist du und ich - freie Menschen, die miteinander tauschen. Der “Zwang” des Marktes ist also keiner, kein Mensch kann auf einen anderen auf legale Weise Zwang ausüben. Das ist beim Staat anders - hier existiert eine Organisation, die sich anmasst, als einzige legitim Zwang ausüben und initiieren zu dürfen. Es gibt hier also entscheidende Unterschiede.
Natürlich lässt sich die Organisation Staat und ihre Mitglieder auch verändern, ebenso ihre Ziele. Aber das ändert nichts an ihrer Essenz als zwang- und gewaltausübende Organisation.
Noch schneller verändert sich übrigens der Markt: Immer wenn du oder ich etwas anderes wollen, anbieten oder nachfragen, verändert sich “der Markt”. Ganz friedlich, ganz flexibel - ohne Wahlkämpfe, Propaganda, Missgunst oder Aufstände.
Ja sicher, weil man diese Verfilzung anderen zugute kommen lassen möchte. Wie gesagt, das ist keine Alternative.
Richtig, solange es einen Staat gibt, der glaubt mehr tun zu können, als die legitimen Rechte der Individuen zu verteidigen, wird es einen Wettkampf um die Macht und das Geld geben. Dabei gilt auch: Je mehr Staat, desto mehr Machtkampf, Korruption, Gewalt, Unterdrückung, Vetternwirtschaft etc. Auch das hat der Sozialismus gezeigt.
Überhaupt nicht - die Nachfrageseite ist der Schrittmacher der Marktwirtschaft. Ohne Nachfrage kein Angebot. Erfolg hat auf dem Markt nur, wer die Nachfrage am besten befriedigt. Daran besteht kein Zweifel.
Dem Markt wird auch keine Stabilität zugesprochen, im Gegenteil. Der Markt ist nie stabil, kann er gar nicht sein - er ist ständig in Bewegung. Auf dem Markt gilt: Konstant ist nur der Wandel. Wie sollte es auch anders sein, setzt sich doch der Markt aus Millionen Menschen zusammen, die sich jeweils ständig verändern. Der Markt ist ein unendliches Spiel von Versuch und Irrtum auf der Suche nach der besten Lösung. Oder wie Schumpeter schrieb: er ist geprägt von “schöpferischer Zerstörung”.
Es ist der grösste Irrtum - und erneut: eine Anmassung von Wissen - zu glauben, dass der Markt “gezähmt” oder “stabilisiert” werden könne. Ein stabiler Markt ist ein toter Markt.
@ Christian Hoffmann
Der Markt ist ein sehr nützliches Instrument der Wohlstandsgenerierung, aber ethisch blind und - aus sattsam gemachter Erfahrung wissen wir das - keineswegs vor manipulativen Einflußnahmen und Vermachtungstendenzen sicher. Dazu braucht es nicht erst des Staates und der Politik. Ein Gott, der keiner ist, sollte aber auch so behandelt werden: kritisch und nicht gläubig. Von “schöpfersicher Zerstörung” zu sprechen, greift zu kurz und kaschiert nur die Unzulänglichkeiten des angeblich “freien Marktes”. Natürlich kann man auch sagen, das, was wie heute erleben, ist gar kein freier Markt; aber die seit gut dreißig Jahren betriebenen Marktöffnungspolitiken durch einen “starken Staat” im Sinne der Wirtschaftsinteressen lassen diese “erlittenen” Instabilitäten als inakzeptabel erscheinen und eine gelenkte Soziale Marktwirtschaft als weitaus erstrebenswerter wirken.
Der Staat ist genauso “ethisch blind” wie der Markt. Die mächtigsten Politiker sind nicht jene, die besonders moralisch handeln, sondern jene, die am geschicktesten die Dummheit der Masse ausnutzen. “Ethik” dient Politikern bestenfalls als Schlagwort, um Propaganda und Manipulation zu betreiben; denn ein Politiker kann auch LÜGEN, um Wahlen und Abstimmungen zu gewinnen. Populismus ist eine Tatsache, die genau so oft untersucht und nachgewiesen worden ist, wie die “ethische Blindheit” des Marktes.
Es ist wahr, den Staat können wir wenigstens kontrollieren. Doch beim Markt ist es genauso: wer eine Firma unsympathisch, kann deren Produkte und Dienstleistungen boykottieren, und so darüber entscheiden, wer reich wird und wer nicht. Wenn wir dauernd McDonalds Burger verschlingen, den ganzen Kommerzquatsch auf RTL gucken und Popmusik hören, müssen wir uns nicht über den “Markt” beklagen. Denn wer ist denn der “Markt”?
Letztlich WIR ALLE, in der Summe unserer täglichen individuellen Entscheidungen. Keine Firma ist stark genug, gegen den Willen der Konsumenten, Investoren und Arbeitnehmer zu überleben - nicht mal die Grossbanken mit ihren zig Milliarden Franken. Das haben wir doch jetzt alle gesehen.
Wo ist die unbesiegbare Grossfirma, die von allen Etatisten gefürchtet wurde? Es gibt sie nicht, denn jede Firma kann sterben. Schon allein die Ängste gegenüber der freien Marktwirtschaft sind komplett unbegründet. Wir müssen einfach selbst herausfinden, welcher Arbeitsplatz, welches Produkt oder welche Investition für uns gut ist.
Was richtig und was falsch ist, kann man nie von vornherein wissen. Aber man kann aus vergangenen Fehlern lernen. Das nennt sich Freiheit und wir können uns glücklich schätzen, dass wir sie haben.
@ Konstantin
Natürlich, auch Politiker können die Unwahrheit sagen und hemmungslos Populismus betreiben zuungunsten des getäuschten Wahlvolkes. Und wenn wir, die Gesamtheit der Konsumenten, nur etwas kritischer wären gegenüber den kommerziellen Verlockungen und nichtigen Verführungen, wäre vieles besser.
Das ändert aber nichts an der zugrundeliegenden Tatsache, daß man eine Gesellschaft nicht als eine Art Profitcenter betrachten und so auch nicht führen kann. Denn der selbstbestimmte freie Bürger ist nicht nur bourgeois, sondern zu allererst citoyen.
@Markus:
Was soll denn das nun wieder heissen? Bin ich nun “Bourgeois” oder “Citoyen”? Und was passiert, wenn ich mich nun weder für das eine noch das andere entscheide, sondern nur für das, was mir persönlich mehr Kohle bringt?
Mich erinnert das ganze Gerede der Kleptokraten an die Fabel mit dem “Bienenstock”: alle Bienen rennen nur ihren materiellen Gelüsten her und sammeln fleissig Blütennektar für den persönlichen Gebrauch; nur einem griesgrämigen Sozialrevolutionär gefällt das “unmoralische Treiben” der Bienen nicht und er plant, die Welt zu “verbessern”. Durch den Willen von Gott “Jupiter” setzt sich der Sozialrevolutionär mit seinen Moralvorstellungen durch - die Bienen hören auf, egoistisch zu sein und der Bienenstock geht ein.
Genau das selbe passiert momentan auf der Bühne der Weltpolitik: joviale Politiker streben nach einer vermeintlich “höheren” gesellschaftlichen Moral und irgendein bösartiger “Gott” (in diesem Fall die OECD) sorgt dafür, dass die Moralisten sich durchsetzen. Die Folge sind grössere und kleinere Zusammenbrüche in der Finanzwelt, Destabilisierung von privatem Investitionskapital, erhöhtes Inflationsrisiko, immer mehr Arbeitslosigkeit und eine weitere Verschärfung der globalen Wirtschaftskrise. Ohne die “gutgemeinten” Rezepte der Politiker läge die Krise wahrscheinlich längst hinter uns (zumindest würde sie sich nicht immer mehr verschärfen), aber gegen Moralisten, Gutmenschen und Weltverbesserer ist leider kein Kraut gewachsen. Die Proletarier aller Länder haben sich vereinigt, und ihre “Lösungen” sind wahrlich “proletarisch”: schlicht, dumm, einfältig und auf unterstem Niveau.
@ Konstantin
Bevor sich die “dummen Proletarier” vereinigen, müssen sich erst die “klugscheißenden Egoisten” zusammengerottet haben!
Jedenfalls spricht es nicht für die “Moral” der “bienenfleißigen Finanzmarktakteure”, daß sie aus dem billigen Geld, das ihnen die “Moralisten, Weltverbesserer und Gutmenschen” von Politikern in der Vergangenheit in rauen Mengen haben zukommen lasssen, zuerst faule Kreditgeschäfte gemacht und dann daraus eine veritable Finanz- und Wirtschaftskrise fabriziert haben.
Die Bienen in einem Bienenstock sind übrigens alles andere als egomanische Materialisten. Im Gegenteil folgen sie in ihrem Tun bedingungslos einem generalstabsmäßigen Plan zum Aufbau und Fortbestand ihres “Kollektivs”.
So viel Gehorsam würde ich mir auch von dem besten Citoyen nicht wünschen. Aber den Primat der demokratischen Politik über die “imperialistische” Ökonomie schon.
Das ist Unsinn. Eine Bank hat ihr Geld nicht vom Staat oder von den Politikern, sondern von ihren Aktionären und Kunden, welche ihrerseits wiederum ihr Geld vermehren wollen. Diese Ordnung funktioniert ohne Papierkrieg und Bürokratie, aus einem natürlichen individuellen und materialistischen Bestreben - und genau so ist es im Bienenstock, wo es auch weder Staat noch Justiz noch Kontrollbehörden braucht, sondern lediglich “private vice for public benefit”. So wie es Adam Smith bereits richtig vorausgesagt hat. Die Ordnung des Finanzmarkts ist nicht unbedingt unzerstörbar (das ist ein Bienenstock auch nicht), aber sie bietet das höchste Mass an individueller Freiheit, weil sie durch das natürliche und angeborene Bestreben jedes einzelnen entsteht - und nicht durch politische oder religiöse Manipulationen, Bürokratie und Paragraphenreiterei. Mit “Gehorsam” hat der Bienenstock nichts zu tun, wohl aber mit dem Bestreben jeder einzelnen Biene nach Blütennektar. Genauso ist es mit der “Gier”: ohne sie gäbe es keinen Handel, denn Handel entsteht durch Kooperation aus egoistischen Motiven. Und wie Christian bereits in einem anderen Kommentar gesagt hat: wenn das Streben nach Geld von Dir bereits als “Gier” ausgelegt wird, dann ist das eine Fehlinterpretation Deinerseits. Denn jeder Mensch strebt nach Geld - am allermeisten immer die, die behaupten, keines zu benötigen.
@ Konstantin
Was an dem Homo oeconomicus “natürlich” sein soll, weiß ich aber nicht.
Die Bienenfabel (!) bietet dem “unnatürlichen Menschen” aber die willkommene Gelegenheit, einen Freiheitspopanz aufzubauen, den es in Wirklichkeit so nicht gibt.
Geld ist ein Mittel, aber kein Selbstzweck. Manche scheinen das vergessen zu haben.