“Zombie Economics”

Mein Namensvorschlag für die ständige Wiederkehr des untoten Keynesianismus. Ähnlich wie man bei einem Zombie bekanntlich Gliedmassen abhacken oder einen Pfahl durchs Herz treiben kann, und dieser dennoch immer weiterwankt und -frisst, lassen sich die Irrlehren des Keynesianismus offenbar weder durch empirische noch theoretische Widerlegungen unterdrücken.

Dies stellt auch David Friedman fest:

What is somewhat surprising is the way in which much, although not all, of the economics profession has suddenly adopted as gospel the 1960’s Keynesianism that most of the profession rejected several decades back. Everyone talks as though deficit spending was a way, indeed the way, of reducing unemployment, a central recommendation of that theory.

Der Grund, warum bis vor Kurzem der Keynesianismus endlich als überholt betrachtet wurde, ist schlicht dass er nicht funktioniert. Er hat nie funktioniert und er wird auch diesmal nicht funktionieren. Einige Gründe dafür sind ebenfalls bei Friedman zu lesen.

Allerdings, und hier wiederhole ich mich, dieses Versagen scheint mir schlicht kein Argument mehr zu sein in einer Zeit, in der die politischen Akteure in einen wilden, fast panikartigen Aktionismus ausbrechen. Das ist und bleibt der “komparative Vorteil” des Keynesianismus gegenüber marktwirtschaftlichen Theorien: Wie bei einem grosszügigen alten Onkel darf man bei ihm so viel machen! Und das ist einfach so viel beruhigender und befriedigender als das langweilige alte Laissez-faire.

Auch nach dem absehbaren nächsten Versagen des Keynesianismus ist es darum wohl nur eine Frage der Zeit, bis die “Zombie Economics” wieder ihr hässliches Haupt erheben…

8 Kommentare:

  1. Konstantin, 1. Februar 2009, 23:11

    Habe einen recht coolen Link auf Youtube gefunden.

    http://video.google.com/videoplay?docid=-2537804408218048195

     
  2. Konstantin, 2. Februar 2009, 0:10
  3. Philipp, 2. Februar 2009, 15:23

    Im Prinzip stimme ich Dir zu, Christian. Allerdings leben totgesagte bekanntlich länger. Ich bin kein besonderer Freund des “politischen” Keynesianismus. Allerdings muss man dazu sagen, dass Keynes selber mit einigem Widerwillen zum Schluss gelangte, dass man wohl Defizite machen müsse, um einen Aufschwung herbeizuführen. Dieser Schluss öffnete alle Schleusen und Politiker aller Farben haben sich für jeden Unsinn darauf berufen und tun es nun auch wieder. Keynes hat jedoch einige sehr wichtige Dinge bemerkt, die nicht einfach weggewünscht werden können.

    Ich glaube auch nicht, dass “keynesianische” Wirtschaftspolitik funktionert, aber es gibt Fälle, wo sie es vielleicht doch tut und zwar in einer Situation, die man als “keynesianische” Krise bezeichnen kann. Eine solche Krise ist eine Vertrauenskrise: Unternehmer sehen die Zukunft nur noch schwarz und investieren nicht mehr, weil Konsumenten wiederum Angst vor der Zukunft haben und Geld horten (Liquiditätsfalle), d.h. sie konsumieren nicht mehr, weil die Unternehmer Arbeitsplätze abbauen, etc. Es ist ein sich selbst verstärkender Teufelskreis. Der neoklassische Zustand des “Gleichgewichts” wird nicht mehr von selber erreicht. Die Frage lautet also: ist die aktuelle Rezession eine (i.d.R. eher seltene) keynesianische Krise ? Wenn ja, kann der staatliche Interventionismus die Vertrauenskrise mildern, sofern die Staatsschulden dies noch zulassen.

    Die Rechnung sollte man aber nicht ohne den Politiker machen. Der sieht natürlich andere Prioritäten. Interessengruppen werden zu Vampiren, marode Unternehmen eben zu Zombies, etc. die Gefahr ist enorm, dass der Staat am Ende den Aussenhandel abwürgt. Tendenzen dafür gibt es bereits in den USA, und Leute wie Krugman unterstützen dies sogar noch. Wenn es damit losgeht dürfen wir pessimistisch werden, dies wäre hochgradig verantwortungslos und genau das war es, was die Weltwirtschaftskrise in den 30ern zu dem gemacht hat was sie war. Dieses Schreckgespenst gilt es zu verhindern; Nichtstun, mit den damit wohl kommenden sozialen Konsequenzen (Massenarbeitslosigkeit und fertig Liberalismus jeder Ausprägung) könnte noch schlimmer sein. Eigentlich ist der Zeitpunkt für Konjunkturprogramme noch verfrüht, aber wenn wir die USA alleine lassen, könnte sich das rächen. Bitte ist die Staatsmacht. Wer’s nicht glaubt, lese in den Geschichtsbüchern seit Thukydides nach.

    Ein bisschen Intervention wäre wahrscheinlich gut um ein Abgleiten zu verhindern und die Bürger vor Armut zu schützen. Ob man am aber beim richtigen Mass aufzuhören versteht und auf Protektionismus verzichtet, das müssen wir leider hoffen.

     
  4. Konstantin, 2. Februar 2009, 19:16

    Auf die Dauer wird die Lage aber prekär, wenn die Banken so gross werden, dass sie im Ernstfall nicht durch den Staat vor dem Zusammenbruch gerettet werden können. Keynesianische Krisen sind unter Umständen mit keynesianischen Methoden nicht zu bewältigen. Unser politökonomisches System sollte deshalb darauf ausgerichtet sein, solche Krisen bereits in der Entstehung zu verhindern. Mitunter sind aber auch die Manager vor ihrer eigenen Gier schützen:

    http://www.nzz.ch/nachrichten/wirtschaft/boersen_und_maerkte/gefaehrliche_selbstueberschaetzung_der_manager_1.1856111.html

     
  5. Christian Hoffmann, 2. Februar 2009, 23:03

    @philipp: Das Problem am Keynesianismus ist ja nicht nur die Staatsverschuldung. Die Vorstellung, dass das Gedeihen der Wirtschaft primär von der Nachfrage abhängt, ist falsch. Die Vorstellung, dass es eine “richtige” und eine “falsche” Nachfrage gibt, ist falsch. Die Vorstellung, dass der Staat eine falsche oder mangelnde Nachfrage durch eine richtige ersetzen kann, ist falsch.
    Der Keynesianismus hat ein verdrehtes Bild der Ökonomie und darum ein noch verdehteres Bild der Rolle des Staates in der Ökonomie.

    Daher zur Vertrauenskrise: Vertrauenskrisen haben in aller Regel ihre Berechtigung, d.h. eine reale Ursache. Diese Ursachen müssen im Zuge freiwilliger Interaktionen nachhaltig behoben werden. Staatliche Interventionen können diese Rolle nicht übernehmen (wie man ja derzeit sehen kann). Wenn dann auch noch der Staat der Urheber der Krise ist, wie im aktuellen Fall, ist die erneute Staatsintervention letztlich ein “recipe for disaster”. Insofern sehe ich hier keinen “Ausnahmefall”, in dem die Irrlehren des Keynesianismus nun plötzlich doch zutreffen.
    Selbst wenn es den Keynesianischen Ausnahmefall gäbe (was ich in Abrede stelle), wäre der Staat grundsätzlich nicht besser geeignet, ihn zu beheben, als der freie Markt. In der Regel verschlimmern staatliche Interventionen die Krisen nur. Um dies zu erkennen, reicht eigentlich schon eine Prise Hayek. Oder die von dir erwähnten Public Choice Erkenntisse.

    Es geht also hier auch nicht um Prinzipienreiterei. Wenn es einen Anhaltspunkt dafür gäbe, dass Staatsinterventionen zu einer Problemlösung beitragen könnten, hätte ich nichts dagegen. Ich kann dies nur überhaupt nicht erkennen. Konjunkturprogramme sind daher immer eine enorme Geldverschwendung, die negative Konsequenzen nach sich ziehen wird. Die Frage ist bloss wann und in welchem Ausmass.

    PS: Mit dieser Kritik soll nicht gesagt sein, das Keynes nicht durchaus ein intelligenter Ökonom war, der interessante Erkenntnisse beigesteuert hat. Die durch seine Erkenntnisse begründete “Schule” oder ökonomische Idee/Ideologie halte ich jedoch rundheraus für ein Übel.

     
  6. Christian Hoffmann, 2. Februar 2009, 23:08

    @Konstantin: In dem Beitrag geht es nicht um Gier, sondern um Selbstüberschätzung. Das ist schon ein Unterschied. Aber natürlich kann auch letztere sehr negative Wirkungen für den Aktionär haben.
    Das Thema Corporate Governance war wirklich noch nie dringlicher als heute…

     
  7. CK, 3. Februar 2009, 2:20

    “Unternehmer sehen die Zukunft nur noch schwarz und investieren nicht mehr, weil Konsumenten wiederum Angst vor der Zukunft haben und Geld horten (Liquiditätsfalle), d.h. sie konsumieren nicht mehr, weil die Unternehmer Arbeitsplätze abbauen, etc. Es ist ein sich selbst verstärkender Teufelskreis.”

    @Phillipp: Also wenn sowas passiert, ist das für mich ein Anzeichen, dass die Pläne nicht mehr im Gleichgewicht sind und nun auf dem Markt etwas passieren muss, damit diese wieder zusammenpassen.

    Im Grunde müsste in einem solchen Fall (zu hohe Liquidität) der Zins auf kurzfristigen Einlagen sinken, damit die langfristigen wieder interessanter werden (natürlich könnten umgekehrt auch die langfristigen steigen, aber dann wird wohl nicht genug investiert, da die Kreditzinsen dann zu hoch sind.) Genauer gesagt müsste der passivseitige Leitzins wohl nun ins nominal Negative gedreht werden, was im heutigen Geldsystem nicht möglich ist, da er konstant null beträgt.

    Bei Freigeld hingegen geht das und auch in einem Goldsystem gäbe es hier nun negative Zinsen in Form von Lagerkosten fürs Gold, was die Ausdehnung der Geldmengen enorm bremsen würde.

    Fazit: Weg mit dem Geldmonopol der ZB und die marktwirtschaftlich gebildeten Zinsen werden die intertemporalen Pläne bzgl. Konsum, Sparen, Verschuldung und Tilgung wieder ins Gleichgewicht bringen. M.E. ist die Lösung so einfach.

     
  8. Philipp, 3. Februar 2009, 16:32

    Ob wir ganz ohne staatliche Massnahmen aus diesem Schlamassel kommen, möchte ich gerne glauben, aber ich bin mir da nicht so sicher; der Mechanismus über die Zinsen funktioniert eben nicht mehr. Die Frage ist wirklich, ob die Medizin nicht teurer wird als die Krankheit. Immerhin, langsam wird mir der Goldstandard wirklich immer sympathischer ;)

     

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