Monetärer Tanz auf dem Vulkan
Anhänger der Österreichischen Schule der Ökonomie warnen schon seit geraumer Zeit: Das internationale Finanzsystem ist zunehmend auf Sand - oder besser: Papier - gebaut. Vor allem die USA verlassen sich seit Jahren auf eine Politik des billigen Geldes, um ihre Wirtschaft unter Dampf zu halten. Kein Wunder also, dass nun genau dort mit der so genannten “Kreditkrise” einmal mehr ein Symptom unseres kranken Geldwesens zu Tage trat. Wie zu erwarten, riefen die “Finanzexperten” daraufhin reflexartig nach noch mehr billigem Geld - einen Kater bekommt man bekanntlich nur, wenn man aufhört zu trinken!
Und tatsächlich liessen die Zentralbänker nicht lange auf sich warten: Einmal mehr öffneten sie die Papiergeldschleusen. Das wilde Finanzkarussell kann sich also - vorerst - fröhlich weiter drehen… Dankenswerterweise weist Prof. Thorsten Polleit auf wirtschaftlichefreiheit.de darauf hin, dass die staatlichen Zentralbänker nicht die Lösung des internationalen Finanzproblems sind, sondern seine Verursacher. When will they learn?

Naja, die Alternative zu zentral hergestelltem und allgemein anerkanntem Geld hört sich auch nicht berauschend an. Soll man nun etwa wieder damit anfangen, mit Herden von Schafen und Kühen rumzulaufen, damit man die gegen etwas anderes tauschen kann? Privatisierung der Notenbanken und alternative Bezahlungsweisen (bspw. durch Flugmeilen) sind letztlich doch eine Rückkehr zum System dieses “Kuhhandels” - das man meines Wissens schon in der Steinzeit abgeschafft hat. Sogar der liberale Prof. Franz Jäger hat diese Idee in einem Interview mit der Ringier-Presse argumentativ richtiggehend verrissen…
Am besten sind immer noch klare gesetzliche Vorschriften für Zentralbanken, die sich an die neuesten volkswirtschaftliche Kenntnisse richten. Bspw. sind Höchstgeldmengen, die in die Wirtschaft gepumpt werden können, noch immer ein probates Mittel, um das Gewinnstreben der Notenbanken so weit einzudämmen, dass das Inflationsrisiko nicht allzu gross ist. Ich glaube nicht, dass man hier das Rad bzw. das Geld neu erfinden muss, wenn sich das System allgemeingültiger Tauschmittel immerhin jahrtausendelang bewährt hat. Es wäre ja schön, wenn die Gesellschaft ohne staatliches Geld funktionieren könnte, aber das sind rein theoretische Ansätze, die bei ihrer Umsetzung direkt in die Anarchie führen würden.
Ich zitiere mal Dominik:
Geld ist eine Ware, wie jede andere auch. Es ist ja nicht so, dass sich in der Vergangenheit “Kühe und Schafe” als Zahlungsmittel etabliert hatten - es waren vielmehr Edelmetalle, bzw. durch diese gedecktes Geld. Diese erfüllen nunmal - im Gegensatz zu Kühen - die allgemeinen Anforderungen an “Geld”: Werthaltigkeit, Teilbarkeit, Transportierbarkeit etc. Natürlich hindert eine solche Deckung den Staat an einer ungehemmten Geldvermehrung, warum die Metalldeckung bspw. v.a. in Kriegszeiten immer gerne “ausgesetzt” wurde. Genau diese bremsende Wirkung ist aus Sicht der Bürger natürlich das Begrüssenswerte. Für die Politiker und ihre ökonomischen Schamane in den Zentralbanken ist sie aber ein unglaubliches Ärgernis. Mit grossem Nachdruck verteufeln diese Kreise daher seit langem propagandistisch jede Form des Warengeldes. Franz Jäger ist da - bei aller sonstiger Wertschätzung - leider keine Ausnahme. Ein besonders unterhaltsamer Konvertit ist etwa auch Alan Greenspan, der vor seiner Berufung in die Fed ein grosser Anhänger des Warengeldes war.
Das “Anarchie-Argument” ist dabei völlig unsinnig. Mit der selben Berechtigung könnte auch behauptet werden, dass die Privatisierung des Schulwesens oder Strassenbaus “direkt in die Anarchie” führe.
Letzten Endes braucht man aber ein allgemeingültiges Zahlungsmittel. Eine private Gesellschaft kann das nun mal nicht zur Verfügung stellen, weil ihr die allgemeingültige Sanktionsmacht bei Zuwiderhandlungen fehlt. Ein zweiter Punkt ist das natürliche Gewinnstreben, das dem Zahlungsmittelhersteller innewohnt: durch Erhöhung der Geldmenge. Dies führt wiederum dazu, dass der Geldhersteller den Markt mit möglichst viel Geld überschwemmt, um seine “Kunden” an sich zu binden. Wie wir das aber schon etliche Male erlebt haben, tritt in dem Fall aber früher oder später eine Währungskrise ein, nämlich genau dann, wenn das überschüssige Geld in reale Waren getauscht wird. Da die Volkswirtschaft nicht fähig ist, für alle Zahlungen die entsprechende Gegenleistung zu bringen, steigt die Inflation. Damit sinkt aber auch das Vertrauen in die eigene Währung und man wechselt zu anderen Tauschmitteln.
Die Entstaatlichung der Zahlungsmittelhersteller würde zu Anarchie führen, weil das Gewinnstreben des Zahlungsmittelherstellers in dem Fall über keine Schranken verfügen würde. Die Folge wäre ein dauerndes Überbieten der Geldhersteller in ihren “Heilsversprechen” und das Verteilen von gedrucktem Geld in grossem Stil - gefolgt von anschliessenden Bankrotterklärungen der Zahlungsmittelhersteller. Man hätte keine Währung, auf die dauerhaft Verlass ist und käme letztlich genau zu besagtem System des Kuhhandels zurück. Es gäbe nur noch den Tausch von Gütern und Dienstleistungen ohne Intermediation durch ein allgemeingültiges Zahlungsmittel. Der steinzeitliche Zustand wäre wieder hergestellt, wo jeder einfach das tauscht, was er für richtig hält - eben eine anarchistische Volkswirtschaft in der es keine Regeln gibt.
Sehr problematisch ist deshalb auch die Virtualisierung von Geld durch private Anbieter: ein gutes Beispiel hierfür wäre Linden Labs, die ja mit ihrer Schrankenlosigkeit bei der Herstellung von Linden$ offensichtlich auf einen virtuellen Währungscrash hinsteuert. Mit gutem Grund gibt es deshalb Auflagen und Regeln für die Notenbanken. Auch wäre es ratsam, den Goldstandard wiederherzustellen. Die Anarchisierung der Notenbanken jedoch halte ich für ein viel grösseres übel, als deren Einschränkung durch eine volkswirtschaftlich logische Notwendigkeit.
Äh, genau - deshalb braucht es auch den Staat um jede ökonomische Transaktion zu normieren: Die Breite von Strassen, die Höhe von Autos, die Grösse von Sitzen, den Umfang von Reifen,… Der Markt ist ja bekanntlich nicht in der Lage, durch Wettbewerb den besten Lösugen Anerkennung zu schaffen. Oder so…!?!
Ja, und das Gewinnstreben kontrolliert man ja bekanntlich am besten, indem man einen Monopolisten schafft!?
Ich entnehme dieser Aussage, dass Du noch nie eine Statistik gesehen hast, die die Geldwertstabilität von Waren- mit der von staatlichem Papiergeld vergleicht? Oder beziehen sich Deine Ausführung nur auf staatliches Papiergeld?
Das kannst Du doch beim besten Willen nicht ernst meinen? Eine freie Marktwirtschaft ist für Dich also “steinzeitliche Regellosigkeit”?
Du scheinst auch völlig zu ignorieren, dass Geld lange Zeit privat hergestellt wurde, bevor der Staat sich das Monopol angeeignet hat. Deine Weltuntergangsszenarien sind schon von daher abstrus. Ich kann wirklich nur nochmal auf die oben verlinkten Einführungen in die Geldtheorie verweisen…
Auf die Zentralbanken zu hauen, ist in diesem Zusammenhang ein Stück weit berechtigt. Nur sie zu kritisieren aber nicht. Die nichtstaatlichen Player machen einen noch schlechteren Eindruck: die Institute, die miese Hypokredite ausgeben und sie dann verbriefen oder die Finanzprofis, die solche Produket abgenommen und damit diesen Unsinn viel zu lange am Leben erhalten haben. Ich sehe da weniger ein Problem der Zentralbanken, als Bewusstseinsblasen der Finanzindustrie.
So liberal alle sein wollen, so kommunistisch und planwirtschaftlich denken sie alle.
Ich weiss nicht, ob von den Herren jemand schon mal nach (!) 7 h den Boden geschrubbt und gewaschen hat?
Oder den Kunden aller freundlichst bedient hat, auch wenn dieser gerade motzt und anschliessend noch den Laden mit Waren aufstocken muss, damit der Kunde ja nicht den Eindruck bekommt „hier wäre nichts los“.
Ja, spätestens hier werden einem die eigenen und die einzelnen Werte richtig bewusst und man stellt sich der Frage welcher Vollidiot am Lohnverhandlungstisch gesessen ist. Denn, ich als Arbeitskraft fühle mich richtig verarscht, dass bei einem vollem Arbeitseinsatz und Vollzeitbeschäftigung, ich nicht in der Lage bin mir eine 1 – 2 Zimmerwohnung mit alltäglichem Komfort (wie eigener Waschmaschine und normalen, d.h. keine billigen Lebensmittel, etc.) zu mieten.
Im Allgemeinen überrascht es mich immer wieder, wie sehr die Arbeitskraft des Menschen unterbewertet wird! Das Geld verliert immer mehr an Wert, aber wir halten daran gnadenlos fest. Und der Mensch wird weg rationalisiert. Aber hat man mal daran gedacht, das Geld weg zu rationalisieren?
Nein, in unseren Zeiten ist es der Mensch, der keinen Wert mehr inne trägt, obwohl angeblich der Mensch im Mittelpunkt steht.
Und dann tritt ein Herr Konstantin auf die Bühne, beschimpft den Kuh-Tauschhandel (da würde man sich doch zu sehr dreckig machen „iiihhhh“) und spricht von Geld-Regulation, weil uns einem, nämlich dem Pöbel, es nicht zugetraut wird, dass auch wir, genau wie er, Neuronen im Kopf haben.
Wir sind ja die Dummen und er ist der Allwissende!
(…soviel zum Thema ich hätte keine Ahnung vom Leben!)
Wobei ich leider auch zugeben muss, keine Lösung oder Vorschlag vorweisen zu können. Denn auch der Tauschhandel funktioniert auf die Dauer nicht.
Oder sollte man mit einem Schild herum rennen “heute wird nur Glas angenommen, und wer bräuchte Werkzeuge?”
Was natürlich das komplette System neu revolutionieren täte. Wäre doch mit Sicherheit spannend, oder?
Grins.
@Urs Meile: Ja und Nein - natürlich spielt die Finanzindustrie das schmutzige Spiel oft allzu gerne mit. Aber man darf auch nicht übersehen, dass die privatwirtschaftlichen Akteure in einem durch den Staat gesetzten Rahmen agieren. Die Zentralbanken geben mit ihrer Geldpolitik Anreize - die Geldinstitute und Konsumenten wären völlig irrational, wenn sie diesen Anreizen nicht folgen würden. Es kann nicht die Aufgabe der privatwirtschaftlichen Akteure sein, die Fehler der staatlichen Rahmensetzer zu antizipieren und durch eine Art vorausschauende Hyperrationalität zu vermeiden. Aber das haben Etatisten leider noch nie verstanden: Die staatlich gesetzten Anreize funktionieren - nur leider oft ganz anders, als intendiert.
@Experiment: Was heisst denn “Geld wegrationalisieren”? Geld ist einfach nur ein Tauschmittel. Es ist eine Ware, wie jede andere auch. Im Grunde ist es tatsächlich gleich, ob man etwa ein Brot gegen Milch, gegen Muscheln oder gegen Silber tauscht. Als “Geld” kristallisiert sich schliesslich jene Ware heraus, die gewisse Anforderungen erfüllt (wie gesagt: hohe Marktgängigkeit, Werthaltigkeit/-stabilität, Teilbarkeit, Transportierbarkeit etc.).
Pervers wird es erst dann, wenn der Staat sich das Geldmonopol aneignet, und seine Bürger zwingt, wertloses Papier als Tauschmittel zu akzeptieren. Das ist eine Form der schleichenden Enteignung. Leider ist das Geldwesen von unglaublich vielen Mythen umrankt. Man hat in der Öffentlichkeit oft das Gefühl, dass die “Herren über das Geld” eine Art moderne Form der Zauberer oder Alchemisten darstellen. Die Österreichische Schule der Ökonomie ist sehr effektiv darin, diesen schädlichen mystischen Schleier zu zerreissen.
Könnten Sie auf den letzten Satz näher eingehen? Würde mich nun interessieren.
Anhänger dieser Schule haben Werke zur Geldpolitik geschrieben, die für jedermann verständlich und zugänglich sind - ohne formalistisches Mumbo Jumbo. Das Geldwesen ist eines der wichtigsten Tätigkeitsfelder des Staates, weil es uns alle jeden Tag in unserem Geldbeutel und unseren Entscheidungen betrifft. Es ist sehr ungesund, dass die allermeisten Bürger nicht den Schimmer einer Ahnung von diesem Thema haben. Und die Mainstream-Ökonomie verschlimmert diese Situation eher, als dass sie ihr Abhilfe verschafft.
Zwei lesenswerte Bücher von “Österreichern” wären etwa:
“Das Schein-Geld-System” von Rothbard oder “Geld, Gold und Gottspieler” von Baader. Für Fortgeschrittene auch “Money, Bank Credit, and Economic Cycles” von Huerta de Soto.
FAZ-Rezension:
Der leise Sozialismus der Gottspieler
Roland Baader warnt vor dem staatlichen Monopol in der Geldversorgung
13. Dezember 2004 Roland Baader: Geld, Gold und Gottspieler. Am Vorabend der nächsten Weltwirtschaftskrise. Resch Verlag, Gräfelfing 2004, 342 Seiten, 29,90 Euro.
Fünfundzwanzig Hyperinflationen hat es im 20. Jahrhundert gegeben. Auch die angeblich stabilen Währungen sind zerfallen. Die D-Mark hatte bei ihrer Ablösung durch den Euro nur noch 5 Prozent ihrer ursprünglichen Kaufkraft. Und wie der Euro inflationiert, wissen die Bürger besser als die Statistiker. Die Staatsschulden nehmen zu - in den Vereinigten Staaten beispielsweise um 2 Milliarden Dollar täglich. In den vergangenen 10 Jahren jagte eine Währungskrise die andere: Brasilien, Mexiko, Thailand, Malaysia, Philippinen, Taiwan, Argentinien, mit Vermögens- und Kaufkraftverlusten der betroffenen Bürger von Tausenden Milliarden Dollar. Nebenher entstanden Börsen- und Immobilienblasen, die irgendwann platzten und ganze Nationen ins Elend warfen - oder zu einem jahrzehntelangen Niedergang führten wie in Japan. Weitere werden folgen.
Das ist kein unabwendbares Schicksal, sondern Ergebnis des staatlichen Papiergeldmonopols und des damit verbundenen Zentralbankwesens. In den vergangenen 30 Jahren hat sich das Volumen der Güterproduktion in den Industrieländern vervierfacht, das Geld- und Kreditvolumen aber vervierzigfacht. Im selben Zeitraum haben die wichtigsten Währungen fast 80 Prozent ihrer Kaufkraft eingebüßt - obwohl diese im Zuge der Produktivitätsfortschritte eigentlich hätte massiv steigen müssen. Mehr Geld als Güter heißt eben immer auch Geldwertverfall. Die politische Kaste schert das wenig, wie auch die Zunft der Ökonomen. Eine Alternative zum deckungslosen Papiergeld (”Fiat money”), sagen sie, hätten wir nicht. Es scheint, als ob die meisten Ökonomen bis zum heutigen Tag das Wesen des Geldes nicht verstanden haben. Roland Baader liefert in seinem jüngsten Buch den Beweis dafür.
Dabei hat er die kleine, aber feine Elite der Ökonomen hinter sich, die das “Geheimnis des Geldes” schon lange kennen - seit Denker wie Ferdinando Galiani (1750), Carl Menger (1871) und Ludwig von Mises (1912) es entschleiert haben. Nicht ohne Grund bezeichnet Hans-Hermann Hoppe von der Universität Las Vegas Baaders neues Geld-Buch als “die notwendigste Publikation seit Jahren”. Und der Doyen der Österreichischen Schule der Nationalökonomie in den Vereinigten Staaten, Hans Sennholz, weiß, warum er anläßlich dieser Neuerscheinung von einer “Oase in der ideologischen deutschen Wüste” spricht.
Schon bisher hat Baader mit zahllosen Publikationen alle Spielarten des Sozialismus und Kollektivismus (auch des Soft-Sozialismus des Wohlfahrtsstaates) entlarvt, scharfsinnig widerlegt und wortgewaltig bekämpft. Jetzt trifft er den Kern der Freiheits- und Wohlstandszerstörung. Der “güterwirtschaftliche Sozialismus” roter, brauner und gelber Spielart, so lautet seine These, hat im 20. Jahrhundert den halben Globus verwüstet und mehr als die Hälfte der Menschheit in die Knechtschaft geführt. Nach seinem Scheitern halten wir die Gefahr für gebannt. Aber der “monetäre Sozialismus”, das Staatsmonopol über das Geld - und somit dessen beliebige politische Manipulierbarkeit -, hat überlebt und gedeiht prächtig. Er kann, weil er leise ist, im 21. Jahrhundert noch schlimmere Verwüstungen anrichten als sein lauter Bruder in der Vergangenheit, wenn wir ihm nicht unverzüglich Einhalt gebieten. Gerade weil diese Spielart des Sozialismus und Kollektivismus nicht erkannt wird und somit nirgendwo auf den gebührlichen geistigen oder politischen Widerstand stößt, hat sie sich zur gefährlichsten Bedrohung für Freiheit und Wohlstand, wenn nicht für den Fortbestand der Zivilisation entwickelt.
Wem diese Warnung übertrieben erscheint, der möge bei dem herausragenden Ökonomen und Sozialphilosophen Friedrich August von Hayek (Nobelpreisträger 1974) nachschlagen. In dessen Schrift “Entnationalisierung des Geldes” von 1976 steht zu lesen: “Der einzige Weg, . . . letztlich die Zivilisation zu retten, wird darin bestehen, den Regierungen ihre Macht über das Geld zu entziehen . . . Die bisherige Instabilität der Marktwirtschaft ist eine Folge davon, daß der wichtigste Regulator des Marktmechanismus, das Geld, seinerseits von der Regulierung durch den Marktprozeß ausgenommen wurde.” Und der letzte Satz dieser Schrift läßt einen in seiner Eindringlichkeit erschauern: “Ich wünschte, ich könnte den Rat geben, langsam vorzugehen. Aber die Zeit mag kurz sein.”
Sei es die “Voodoo-Ökonomie” des Keynesianismus oder die herrschende Fehlinterpretation monetärer Begriffe wie “Preisniveau” und “Deflation”, sei es die Taktik der Gewerkschaften oder das Machtkalkül der Schacherdemokratie: Baader enttarnt sie alle. Er zeigt die Anmaßung der Gesellschaftsingenieure (”Gottspieler”), die mit der Manipulation des Geldes - und damit fast des gesamten Lebens der modernen Menschen - ihren Gipfel erreicht. Er zeigt aber auch mögliche konkrete Auswege aus der Misere, die von den genialen Köpfen seines Fachs - wie Mises, Hayek, Henry Hazlitt, Murray Rothbard und Sennholz - entwickelt worden sind.
Baaders wie immer allgemein verständlich geschriebenes Buch ist ein Meisterwerk und in der Tat die notwendigste Publikation über das Geld (und seine Bedeutung für Freiheit oder Knechtschaft), die uns in deutscher Sprache vorliegt. Wer es nicht gelesen hat, kann weder die Finanz- und Währungsdesaster der Vergangenheit verstehen, noch wird er jene Ereignisse begreifen, die uns noch heimsuchen werden.
GERARD RADNITZKY
Text: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13.12.2004, Nr. 291 / Seite 12
2.Dec.2003 00:16
Criticón-Winterausgabe: Papiergeldzauber und die Verirrungen der “Gesellschaftsingenieure”
Verfasser: Roland Baader
Bonn - Die Zauberlehrlinge, mit deren Hilfe Staat und Banken ihren faulen Papiergeldzauber veranstalten, sind die Zentralbanken. Erst seit der Gründung von Zentralbanken ist in der industrialisierten Welt das Auftreten von boom and bust-Zyklen zu beobachten, also von übertriebenen Hochkonjunkturen und anschließenden Zusammenbrüchen oder Depressionen. Auch vorher hat es gelegentlich leichte konjunkturelle Wellen gegeben, vor allem im Zusammenhang mit umwälzenden technischen Erfindungen, aber die verrückten Ausschläge, siedende Hochkonjunktur und Depression, waren immer und überall Ausgeburten des Zentralbanksystems und seiner Kreditexpansion. Nur mit ihrer Hilfe und Rückendeckung kann das fractional reserve banking, das Mindestreserve-Bankwesen Kredit- und Verschuldungs-Ballons von astronomischen Ausmaßen mit heißer Papiergeldluft aufblasen.
Auf sich allein gestellt, könnten die Regierungen nur wenig Geldmittel aus dem Nichts schaffen. Könnten sie das, dann gäbe es nicht das 500-Milliarden-Dollar-Haushaltsdefizit der US-Regierung, und auch nicht ihre Staatsschuld von fast Siebentausend Milliarden Dollar, die täglich um eine Milliarde und siebenhundertzwanzig Millionen Dollar wächst. Damit man eine Vorstellung von solchen – eigentlich unvorstellbaren – Ziffern bekommt, sollte man wissen, dass allein das Haushaltsdefizit des US-Bundesstaates siebzig Prozent der Weltersparnisse auffrisst. Diese Schulden können niemals zurückgezahlt werden. Und dennoch muss der amerikanische Staat nicht den Bankrott anmelden, wie das jedes private Unternehmen tun müsste. Möglich macht dieses scheinbare Wunder die amerikanische Zentralbank FED. Sie kann jede beliebige Geldmenge aus heißer Luft erzeugen.
Greenspans Babylon
Die Gesamtmenge allen jemals in der Menschheitsgeschichte geförderten oder gewonnenen Goldes wird beim heutigen Goldpreis auf 1.300 Milliarden Dollar geschätzt. Die Menge allen noch im Boden ruhenden und abbaubaren Goldes wird auf 100 Milliarden Dollar geschätzt, indem man den Börsenwert aller Goldminengesellschaften der Welt addiert. Alles Gold der Erde hat also einen Wert von näherungsweise 1.400 Milliarden Dollar. Diese Summe an Papiergeld schafft der Weltmeister aller Blasen, der amerikanische Zentralbankchef Alan Greenspan in nur 18 Monaten. Seit er Präsident des FED ist, hat er den babylonischen Turm aus Papierdollars um Fünfeinhalbtausend Milliarden erhöht. Wie weit dieser Papier-Wahnsinn von der realen Welt der Güter entfernt ist, lässt sich an der Tatsache verdeutlichen, dass in den vergangenen drei bis vier Jahren (von 1999 bis 2003) die Geldmenge (M1) in den USA dreimal schneller gestiegen ist als das Sozialprodukt. Außerdem sind die Gesamtausleihungen in den USA von Anfang 1998 bis Mitte 2003 um 51 Prozent auf 32.000 Milliarden Dollar gestiegen. Das entspricht ungefähr 300 Prozent des amerikanischen Sozialprodukts, das im selben Zeitraum real nur um wenige Prozente gestiegen ist.
Desaströse Folgen
Die Wirkungen und Folgen der fiat money-Systeme sind verheerend und werden umso bedrohlicher, je mehr Zeit vergeht. Nach den vom fiat-Kreditgeld aufgeblasenen Aktien-, Immobilien- und Bond-Märkten, ergeben sich Bereinigungs-Rezessionen oder Depressionen, deren Zerstörungskraft mit der im Zeitablauf steigenden Verschuldung des Staates, der Unternehmen und der Privathaushalte immer größer wird. Im Boom wird die natürliche Balance zwischen den Sektoren Konsum und Investition schwer gestört; es werden falsche Anreize gesetzt und somit das verzerrt, was die Ökonomen die Optimale Allokation der Ressourcen nennen. Es kommt zu Verschwendungen von Ersparnissen, Kapital und Arbeitskraft. Im nachfolgenden Niedergang mit Konkurswellen und steigender Arbeitslosigkeit gehen die Marktbereinigungen weit über das hinaus, was die Märkte laufend an normalen und gesunden Strukturanpassungen leisten. Es kommt zur Vernichtung von Ersparnissen und von Kapital. Diese Bewegungen sind wohlstandszerstörend und verarmungsfördernd. In und nach Depressionen erleben die betroffenen Nationen große Schübe in Richtung staatlicher Regulierung und Protektionismus. Die wirtschaftliche Freiheit der Bürger wird von Krise zu Krise immer mehr beschnitten. Musterbeispiel ist der New Deal der Regierung Roosevelt in den 30er Jahren. Mit einem Wust von staatlichen Interventionen zur Bekämpfung der ökonomischen und gesellschaftlichen Folgen der Weltwirtschaftskrise, wurde die Freiheit der Amerikaner reduziert.
Die Vermögensvernichtungen durch Inflation, durch Verschuldungskrisen, Depression und Währungszerfall, die allesamt im Gefolge der Geld- und Fiskalpolitik auftreten und nur mit fiat money möglich sind, vernichtet sukzessive den Mittelstand – und damit das stabilisierende Element einer freien Gesellschaft. Besonders deutlich kann man das am Beispiel Argentinien sehen. Währungszerfall, Depression und Giga-Verschuldung führen zum Zusammenbruch des Weltfinanzsystems. Die hierdurch stattfindende drastische Reduktion der internationalen Arbeitsteilung führt direkt zur Verarmung ganzer Nationen und zur Entzivilisierung. Das geht rascher und gründlicher als man zu glauben bereit ist. Das, was wir Zivilisation nennen, ist alles andere als robust. Spekulationsblasen und Zusammenbrüche auf den Vermögensmärkten haben eine gigantische Umverteilung im Gefolge – und zwar überwiegend weg von den Leistungsträgern und hin zu den Finanzjongleuren und den politischen Machteliten. Es gibt Schätzungen, dass das heutige Pro-Kopf-Einkommen in den Industrieländern real beim Fünfzehnfachen läge, wenn es weder fiat money noch die zugehörige Geld- und Fiskalpolitik gegeben hätte. Man werfe mal einen Blick nach Singapur. Dieser kleine Staat hat sich durch das weitgehende Heraushalten der Politik aus dem Wirtschaftsgeschehen von einer Elendsecke des Globus in relativ kurzer Zeit zu einem der reichsten Länder der Erde entwickelt.
Gibt es eine Chance?
Gibt es eine Chance zur Umkehr, zur Abschaffung des Papiergeld-Standards und zum Übergang zur privaten Goldwährung? Der entscheidende Vorteil eines privaten Goldmünzenstandards - inklusive goldgedeckter Geldzertifikate - des freien Marktes hingegen wäre es, dass keine Regierung und keine Zentralbank die legale Autorität hätte, einen offiziellen Preis für Gold festzusetzen. Gold braucht keinen offiziell fixierten Preis, weil in der Marktwirtschaft kein Preis festgelegt zu werden braucht, ja sogar nicht festgelegt werden darf, wenn man den Markt nicht ruinieren will. Damit ist auch die Frage nach der Chance für eine Abkehr vom fiat money beantwortet. “Seitens der Politik”, schreibt der amerikanische Ökonom Gary North, “wird es keinen wesentlichen Abbau der Zentralbankenmacht über das Geld geben, solange das Wählervolk keine Änderung erzwingt. Und das wird nicht geschehen, solange die Leute die Logik eines freimarktwirtschaftlichen Goldgeldes nicht verstehen und dessen Einführung nicht zum Hauptanliegen einer Wahl machen. Heute versteht niemand das Wesen einer Goldwährung – auch die Ökonomen nicht.”.
Papiergeld-Kirche
Damit tippt North auch den traurigsten aller Tatbestände um das fiat money an: 99 Prozent der Ökonomen sind Verteidiger des ungedeckten Papiergeldes und des Zentralbankwesens. Natürlich sind diese Ökonomen auch Anhänger der in diesem System betriebenen Geld- und Fiskalpolitik. Zwar streiten sie sich regelmäßig, ob die Leitzinsen rauf oder runter zu setzen wären – oder ob die Staatsverschuldung kleiner oder größer sein sollte, aber prinzipielle Anhänger der Knopfdrucklenkung der Wirtschaft durch Staat und Zentralbank sind sie so gut wie alle. Was bei den Ökonomen in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts noch an geld- und konjunkturtheoretischer Vernunft übrig war, hat das Schlaraffenland-Märchenbuch von Lord Keynes hinweggefegt. Seit Keynes Buch von The General Theory of Employment, Interest and Money von 1936 sind die meisten Ökonomen Gläubige der Heiligen Papiergeld-Kirche mit ihren Riten von der Nachfragestützung und des Staatsausgaben- Multiplikators. Aber auch die Ökonomen der Neoklassik haben keine mit der Marktwirtschaft konsistente Geld- und Konjunkturtheorie. Hinsichtlich der Geld- und Fiskalpolitik ist die Nationalökonomie zu einer Prostitutionswissenschaft im Dienste der Politik und des Zeitgeistes mit seinem Machbarkeitswahn verkommen. Das hat viele Gründe: ein wichtiger darunter ist der Ehrgeiz der Ökonomen, aus ihrer Wissenschaft, eine den Naturwissenschaften vergleichbare “harte” Wissenschaft zu machen. Das geht aber nicht, auch dann nicht, wenn man die Ökonomie in eine Unterfakultät der Mathematik verwandelt und sich über alle Weisheiten der ökonomischen Klassik zugunsten einer anmaßenden und lächerlichen Makro-Klempnerei hinwegsetzt. Die milliardenfach verschiedenen Präferenzen, Wertsetzungen, Ziele, Fähigkeiten, Kenntnisse, Anlagen und Motive der Menschen, die zudem noch einem permanenten Wandel unterliegen, ihre milliardenfach vernetzten, sich ständig verändernden Kooperationen und Interaktionen sind nicht in mathematische Formeln zu pressen, mit denen sich die Ökonomen als Gesellschaftsingenieure aufspielen.
Hoffnung
Ludwig von Mises hat bereits in den 20er Jahren des vorigen Jahrhunderts schlüssig bewiesen, warum der Sozialismus nicht dauerhaft funktionieren kann. Doch hat es danach noch 70 Jahre gedauert und mehr als Hundert Millionen Tote gekostet, bis die Realität die Mises’sche Theorie bestätigt hat. Mises und fast alle seine Nachfolger in der Tradition der Österreichischen Schule haben schlüssig und umfassend analysiert, dass das fiat money-System und sein Zentralbankunwesen nicht dauerhaft existieren können. Hayek hat einmal gesagt, die Ökonomen der Österreichischen Schule seien ein Teil der Hoffnung, die er für die Welt hege. Und Edgar Salin, Ökonomie-Professor in Paris und einer der besten Köpfe der Österreichischen Schule hat darauf erwidert: Nicht ein Teil der Hoffnung, sondern unsere einzige Hoffnung.
Den kompletten Beitrag lesen Sie in der Winterausgabe des Mittelstandsmagazins Criticón. http://www.criticon.de. Die Zeitschrift Criticón erscheint vierteljährlich. Das Einzelheft kostet 8,20 Euro. Bestellungen per Fax unter: 0228 – 620 44 75, E-Mail: redaktion@criticon.de oder direkt über die Webseite.
Hehe, nun habe ich wieder einwenig Lesestoff, neben all dem anderen. Grins.
Aber das alles erst nach den Büchern von Prof. Dr. Margrit Kennedy. Diese habe ich nämlich vor 2 Jahren in einem BR-Alpha-Forum im Interview gehört. Thema: Geldsysteme. Und das fand’ ich ganz interessant.
Ich gehöre auch zu den Kritikern staatlicher Notenbanken, selbst wenn sie relativ politik-unabhängig sind und in einem Wettbewerb stehen, was zur Entgiftung der Macht beiträgt, aber keine Garantie gegen Zerfall und Missbrauch derselben gewährt. Nur: Wer zu einem “System A” sagt es sei schlecht, und kein funktionierendes “System B” vorschlagen kann, ist in keiner erfolgversprechenden Position. Selbst wer noch ein funktionierendes “System B” konkret beschreiben könnte, aber keine friedliche Methode, wie man von A nach B (z. B. zurück zum Goldstandard) gelangt, steht mit ziemlich leeren Händen da. Meine Austrian-Freunde in Deutschland, u.a. Roland Baader gehen davon aus, dass das, was wir jetzt im Geldwesen global praktizieren, einfach irgendwann, irgendwie einmal “an die Wand knallen wird” und dass man sich dann auf ihre Lösungsvorschläge zurückbesinnen wird. Sie sehen sich als “Rufer in der Wüste” und als Vorboten einer neuen Zeit. Das ist mir alles doch ein bisschen zu vage und zu apokalytisch. Lieber den Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach, gilt bei mir auch für Theorien. Die Skepsis gegen das Geld, das von staatlichen Notenbanken gedruckt wird ist letztlich eine Skepsis gegen jede Art von Staat. Sie ist berechtigt, aber sie erinnert ein wenig an eine Weltuntergangstheorie mit der grossen Hoffnung auf den Anbruch eines neuen, “besseren Zeitalters” jenseits der vorherrschenden Dekadenz. Ich kümmere mich lieber um das, was in der sogenannten Zwischenzeit passiert. Möglicherweise dauert diese nämlich ziemlich lange, und es lohnt sich, Verbesserungsvorschläge im Rahmen der “klassischen” und realitätsnahen geldtheoretischen und geldpolitischen Randbedingungen zu machen. Leben wir nicht immer in der “Zwischenzeit” vor einem goldenen Zeitalter oder dem Weltuntergang bzw. dem “jüngsten Gericht”? Selbstverständlich ist es weder verboten, noch unnötig, auch über radikale Alternativen nachzudenken. Bevor man sie als All- und Weltheilmittel propagiert, wüsste ich gerne etwas mehr darüber.
Es gibt ja durchaus Ansätze, ein nicht-staatliches Parallel-Geld zu entwickeln - allerdings geht der Leviathan mit grosser Rücksichtslosigkeit gegen diese Projekte vor (was auch nicht wirklich überrascht). Der “Weg von A nach B” ist aber theoretisch recht leicht zu beschreiben - vermutlich sogar leichter, als bei der Privatisierung des Strassenwesens. Wenn ich mich nicht irre, hat Hülsmann hierzu geschrieben.
Den “grossen Knall” halte ich im Grunde auch nicht für übermässig wahrscheinlich. Das perfide am staatlichen Geldwesen ist ja seine breitbandige, schleichende Wirkung.
Sollte eine Währung tatsächlich einmal kollabieren, dann ist davon auszugehen, dass nicht der Staat die Schuld auf sich nehmen wird - es ist schon heute abzusehen, dass wieder mal - wie so oft beim Staatsversagen - die “Exzesse des Kapitalismus” angeklagt würden. Die Folge wäre vermutlich eher mehr Staat, als weniger…
Eine kleine Hoffnung wäre das Ausscheren einzelner, kleiner Staaten aus dem Papiergeldsystem. Allerdings nur eine kleine, denn welcher Staat hat in der Geschichte je die Finger von der Geldpresse lassen können?
Ein interessanter Kommentar von Herrn Nef da.
Sprechen wir hier über Anarchismus?
Ich habe mir gerade ein Szenario vorgestellt, in dem das Geld keinen Wert mehr hat. Die Kuh allerdings schon, was für Herrn Konstantin unter jeglicher Würde ist. Aber die Kuh gibt immer noch Milch her, es lässt sich Käse produzieren und zur Not kann man das Vieh auch schlachten. Oder aber auch das berühmte Nutztier.
Der Wert ist also vielseitig. Geld, NUR als Tauschmittel brauchbar, hm!
Hm, Theorien und andere Vorschläge. Ich denke, keine Theorie, Ideologie oder Lösungsansatz kann mit der Praxis richtig mithalten, denn wir kennen nicht (!!!) alle Komponenten der Praxis und die ist einfach viel zu flexibel. Wir bemühen uns zwar, ohne Zweifel, aber das ist es auch schon.
Staat oder nicht Staat. Jede Theorie, Ideologie hat seine Vor- und Nachteile. Planwirtschaft, Kommunismus, Sozialismus, „freie” Marktwirtschaft … das bleibt um umstritten.
Staat oder nicht Staat, in Österreich will man nun einen Mindestlohn von 700 Euro einführen. Europa sehnt sich weiterhin nach der Sicherheit. Ist das berechtigt?
Ich bin zwar echt kein Mathe-Mensche, aber eine Rentenrechnung geht nur dann auf, wenn regelmässig zu gleich hohen Beträgen einbezahlt wird. Und die Frage ist, WER kann heute garantieren (!!!!), dass man 3 Jahre lang der selben Verpflichtung nachgehen kann? Aber nach wie vor bauen die Banken auf „Vorsorgepläne“. Und interessanterweise ist selbst ein Vorsorgeplan in 4 Jahren doppelt so teuer, als beim Antritt. Beginnt man da nicht zu denken?
Ach ja, vergessen habe, laut Herrn Konstantin können wir das ja nicht.
Here we go again: Die Fed öffnet die Geldschleusen noch weiter.
Wer noch ernsthaft glaubt, die Zentralbanken würden das Ziel der Geldwertstabilität verfolgen, dem ist nicht mehr zu helfen…
Hmmm, warum wird die Massnahme dann von der Börse positiv aufgenommen, wenn eine Zinssenkung angeblich zu einer Destabilisierung der Währung führen würde?
Es geht lediglich um eine Korrektur der vorhandenen Geldmenge. Ist doch klar, dass nach dem ungebremsten Wirtschaftswachstum der vergangenen Monate eine Geldmengenerhöhung erforderlich ist. Durch höhere Löhne und Unternehmensgewinne ist der Geldmengenbedarf gestiegen. Wahrscheinlich hat man in der Vergangenheit weniger Geld auf den Markt geworfen, als das Wirtschaftswachstum erfordert hätte, also muss man jetzt halt was nachwerfen.
Man kann sich das auch so vorstellen: Im Moment haben alle mehr Geld auf dem Sparkonto, also müssen die Banken auch mehr Geld liquid machen. Am Ende fehlt ihnen die Liquidität, um damit noch zusätzlich neue Kredite zu finanzieren. Also müssen sie sich halt mehr Geld von der Zentralbank leihen.
Diese hat aber aus Vorsicht den Leitzins bewusst nach oben gedrückt, so dass momentan genügend Reserven vorhanden sind um den erhöhten Geldbedarf kurz- bis mittelfristig zu decken. In ein, zwei Jahren aber geht die Konjunktur eh’ wieder zurück, so dass die Zentralbank den Zins wieder raufschrauben und ihre Währungsreserven aufstocken kann.
Also ist alles ohnehin viel Lärm um nichts.
Was heisst die Börse reagiert positiv? Die Kurse steigen. Warum? Weil mehr Geld da ist, das irgendwo hin fliessen muss. Also fliesst es in die ohnehin überteuerten Aktien. Das nennt sich “Asset Price Inflation”.
Das Geldmengenwachstum lag auch in der Vergangenheit weit über dem Wirtschaftswachstum. Selbst die Fed argumentiert nichtmal mehr mit dem “Geldmengenbedarf” der Volkswirtschaft…
Gut beraten ist, wer heute morgen an der Börse Aktien gekauft hat
Ich bin kein “Börseler”, halte aber die Börse für die unbestechlichste Institution der Welt, welche pemanent als Gradmesser aller ökonomischen Erwartungen und Befürchtungen funktioniert und damit alle real-existierenden Rationalitäten, Irrationalitäten und Emotionalitäten bilanziert und die stets schwankende Summe allen wieder zugänglich macht, allerdings ohne sie aufzuschlüsseln. Dass Massnahmen von Notenbanken, wirtschaftspolitische Interventionen (z.B. beim Erdöl) und grössere ressourcenrelevante Kriege eine Rolle spielen, ist eine Tatsache - interessant ist, dass z.B. Terrorakte und Naturkatastrophen und das meiste von dem, was die Medien als Weltevent heraufspielen, keinen nachhaltigen Einfluss haben. Die Hunde bellen und die Karawane zieht weiter…Dass aber die politisch koordinierte Betätigung der Notenpresse und die dezisionistische Festsetzung von Leitzinsen eine Rolle spielen, ist offensichtlich. Wie gross und wie nachhaltig diese ist, bleibt eine offene Frage. Dass sich auch Interventionen nachträglich wieder “einpendeln” (nach Konstantins statement “viel Lärm um nichts”) ebenfalls. Das Problem, das für mich als liberalen Interventionsskeptiker dahinter steckt, ist die jeweils ungleiche Verteilung von Wissen und Vorauswissen, das dadurch entsteht. Ob die - aus meiner Sicht - unwahrscheinliche bzw. unmögliche Rückkehr zum globalen Goldstandard (über dessen Entwicklung alle gleich wenig wissen, mit Ausnahme vielleicht der Entdecker eines neuen Goldvorkommens), bzw. eine insulare Lösung eines “Binnengeldes” (die ich mir schlecht vorstellen kann) oder ein Wettbewerb zwischen rein privaten Notenbanken das Problem der ungleichen Verteilung von geldpolitischem Wissen, Vorauswissen und Macht (als Fähigkeit, andere gegen ihren Willen zu beeinflussen) lösen oder nur anders verteilen würde, entzieht sich meiner Kenntnis. Ich verfolge aber gerne das kleine finanzwissenschaftliche Seminar auf www.freilich, das mit Börsentips und dem Kopfschütteln von Laien garniert ist…Ob wir zuletzt weiter sein werden als beim sokratischen “Ich weiss, dass ich nichts weiss” ?
Es war so klar:
@Robert:
Sicher, das ist so, wie wenn man Wasser in eine Badewanne kippt: Es entstehen kurz Wellen und irgendwann pendelt sich der Pegel auf einem höheren Stand ein. Nur das wir kein Wasser ins Finanzsystem kippen, sondern Papier.
Auch beim Geldwesen halte ich “Nonzentralismus” für eine gute Idee - bzw. Wettbewerb. Man sieht ja bspw. in Afrika, wie die völlig unzuverlässigen lokalen Währungen oft durch die im Verhältnis stabileren US-Dollar verdrängt werden. Früher hatte in Mittel-/Osteuropa die D-Mark eine ähnliche Funktion.
Die Währungsfusionitis (Euro) ist also mit Sicherheit ein Fehler. Mittel- bis langfristig erleben wir vielleicht auch in unseren Gefilden einmal einen Währungswettbewerb…
Zentralbanken müssen zwangsläufig Monopole oder zumindest Oligopole sein - ansonsten wäre Geld nicht mehr ein allgemeingültiges Tauschmittel, sondern nur noch ein spezielles. Ich könnte mir schlecht vorstellen, dass das Schweizer Bankensystem funktionieren könnte, wenn die Schweiz nebst dem CHF noch eine andere Währung hätte. Man müsste dann immer zweierlei Währungen im Portemonnaie herumschleppen und könnte die nicht mal überall verwenden. Das ist wie in der Gesellschaftssatire “Erewhon” von Samuel Butler (1872). In dieser lustigen Geschichte wird von einem fiktiven Volk erzählt, das in einem fiktiven Land lebt und allerhand kuriose Bräuche pflegt, die dem Leser trotz aller Merkwürdigkeit immer wieder seltsam vertraut erscheinen. Dabei wird auch eine Doppelwährung erwähnt; die eine Währung dient zum tatsächlichen Bezahlen von Rechnungen, die andere zur Darstellung von Reichtum. Die Forderung nach mehr Privatisierung unter den Notenbanken würde aber genau eine solche kuriose Doppelwährung implizieren. Genau deshalb fällt es mir schwer, die Privatisierung von Geld als eine ernst gemeinte Forderung ernst zu nehmen. Für mich klingt das etwas zu sehr nach realitätsfernem Utopia. Am Ende druckt jeder noch die eigenen Geldscheine selbst, oder was? Das wäre zumindest der reale “Nonzentralismus”, der von Christian gefordert wird. Wie bitteschön soll denn der Geldhandel funktionieren, wenn es keine dritte Instanz beim Tausch von Gütern gibt, die von beiden Parteien gleichermassen akzeptiert ist? Wenn beide keine gemeinsame Währung akzeptieren, kommt kein Tausch zustande. Wenn der eine nur CHF akzeptiert und der andere nur Euro, dann kann kein Handel zustande kommen - es bleibt nur der direkte Tausch von Gütern: Äpfel gegen Birnen und Kühe gegen Schafe. Womit wir bei einer alten Problematik wären…
@Konstantin
Also ich kenne Staaten in denen 2 Währungen liefen oder noch immer laufen. Jüp, gibt es.
Ich glaube nicht, dass es einer Obrigkeit (in dem Sinne) bedarf. Schon allein deswegen, weil kein Privater sich vom Vaterstaat gerne auf die Finger gucken lässt. Auch die Firmen. Ich finde, da hat der Staat einfach nichts verloren.
Nur leider wird an den Vaterstaat derart geklammert, als wäre dieser alles was man hätte. So als ob es ohne diesem gar nicht ginge – in seiner juristischen Form.
Bsp: Weltbank
Da der Chefsessel dieser er kürzlich neu zu besetzen war, konnte man im Zuge dieser Erneuerung ein bisserl mehr über den „Verein“ erfahren. Z.B, dass dieser zum Ziel hatte, den Wiederaufbau der vom 2. Weltkrieg verwüsteten Staaten zu finanzieren. Also so was ähnliches wie der Marshal-Plan.
Nun, dagegen ist nichts einzuwenden, sondern nur zu begrüssen.
Europa steht wieder aber rein theoretisch wäre das Projekt nun gemacht und bedürfe einer neuen Orientierung, Betonung auf „neuen Orientierung“. Stattdessen führt man das Zeug weiter und lässt vermuten, dass der administratorische Aufwand viel viel grösser ist, als der eigentliche und ursprüngliche Nutzen.
Und es liegt doch auf der Hand, dass wenn das Geld jedes Jahr an Wert verliert, die Gehälter zu heben. Die Manager machens doch auch so. Oder nicht?
Und genau hier liegt der Hund begraben!
Umso überzeugter bin ich, dass das simple und einfache Geschäft von Angebot und Nachfrage auch ohne eines direkt regulierten und absolut kontrollierten Staatesmechanismus zu Recht kommt. Wobei ohne Zweifel, Gesetze braucht es. Basisregulierungen.
PS: Zum Thema Viehtausch.
Rein theoretisch möglich, aber haben Sie schon mal persönlich eine Kuh gemolken oder eine ganze Herde voller Schaffe in einer Gruppe halten können, ohne das eines entwischt?
Auch das muss erst gelernt sein!
Zwei Währungen hat es hauptsächlich in Drittweltstaaten, die die Inflation so sehr aufgebläht haben, dass sie ihre Noten eingesammelt und einfach die Zahlen mit mehreren Nullen neu überdruckt haben. So etwas ist doch kein Massstab für die Schweiz geschweige denn für Europa! Im übrigen ist eine Doppelwährung immer ein Zeichen für ein wirtschaftlich rückständiges Land.
Thema Basisregulierung: es braucht nur die Regel, dass eine Währung für alles gilt und dass die Geldmenge immer exakt dem Wirtschaftswachstum entspricht. Das sind nun mal grosse Regeln. Wer aber diese Regeln bricht oder missachtet (also Geld privatisiert), der erhält ohnehin nicht die erwünschte “Freiheit”: wer grosse Gesetze bricht, erhält die kleinen.
Der Goldstandard war ja auch nichts anderes als eine klare Basisregulierung: Gold als Währung für alles - eine zentrale, universell gültige Währung mit klar festgelegtem Preis. Nun haben aber gerade die Neo-”liberalen” ja eben diesen Goldstandard abgeschafft - übrigens genau mit denselben Argumenten, mit denen jetzt für die Privatisierung der Zentralbanken geworben wird: De-zentralisierung von Währungsreserven, Unabhängigkeit von zentralen Verwaltungseinheiten, Deregulierung etc.
Mit der Abschaffung des Goldstandards kam der erste Schritt in die Anarchie. Was daraus geworden ist, sehen wir heute: Exzesse der Zentralbanken im Geldverteilen, verantwortungslose Zinspolitik, Orientierungslosigkeit in der Bewertung von Währungen und mangelnde Kontrolle der Notenbankschefs. Ich muss wohl nicht daran erinnern, dass sogar die Schweizer ihr Nationalbankgold gratis an reiche New Yorker Juden und Rechtsanwälte verschenken wollten (Stichwort: “Solidaritäts-”Stiftung)? Die Fahrlässigkeit, mit der Pseudoliberale die Notenbanken demontieren, muss gestoppt werden. Besser wir arbeiten wieder auf allgemeine Standards hin, statt mit der Volkswirtschaft derart unverhältnismässige Experimente anzustellen.
Ansonsten müssen wir wirklich noch zurück in die Steinzeit, wo die Menschen noch Kühe und Schafe gehalten haben. Und dann müsste ich tatsächlich Kühe melken und Schafe halten, weil es kein Geld mehr gibt, weil der Handel nicht mehr möglich ist, weil alles in der Anarchie versinkt, und jeder nur noch auf sich selbst schaut. Wollen wir wirklich diesen Rückschritt in die Barbarei nach 6′000 Jahren Zivilisation?
Oh man, grins.
Also unter Barbarei verstehe ich erstmals richtiges Geprügel, Mord und Totschlag, sowie das Raubrittertum…
Dann, ich weiss ja nicht was Sie unter Wirtschaft verstehen, aber für mich funktioniert die Wirtschaft auch ohne Geld, ganz klar. Handel ist immer möglich, auch ohne Geld.
Es ist ein Geben und Nehmen und das Schätzen von Gütern. Und meistens denke ich mir, es wäre nicht schlecht, wenn wir wieder anfangen würden die Güter richtig einzuschätzen, anstatt wie selbstverständlich in den Laden zu latschen und die paar Fränkli der Kassiererin auf den Tisch zu knallen. Uns bedeutet es ja nichts mehr, oder?
Das gäbe doch eine völlig neue Perspektive, hm?
Dann, Massstäbe für die Schweiz oder Europa. Die Schweiz und Europa ist nicht die Welt. Das braucht man erst gar nicht künstlich aufputschen.
Wie gesagt: dieses System gab es in der sog. Jungsteinzeit - bis es von den Babyloniern mit gutem Grund abgeschafft wurde. Es ist einfach ungeheuer umständlich mit Unmengen an Waren auf dem Markt rumzulatschen und Abnehmer zu finden und deren Waren wiederum gegen anderes tauschen zu müssen. Preise sind in diesem Fall willkürlich, denn was dem einen zwölf Ziegen wert sind, kostet beim anderen 20 Kamele. Mitunter wird der Handel lange, kompliziert und umständlich. Die erste Hochkultur, die Babylonier, haben deshalb dieses System des Kuhhandels abgeschafft. Statt Vieh trug man klingende Münzen bei sich und statt stundenlang Waren mit dutzenden involvierten Händlern zu tauschen, um das begehrte Gut zu erhalten, konnte man direkt mit dem Gegenüber Feilschen. Dadurch wurde es erst möglich, Preise zu bestimmen und wirtschaftliche Vorgänge messbar zu machen. Die Abschaffung dieses Systems bedeutet Rückschritt in die Kulturlosigkeit: zurück in die Steinzeit.
Es gibt sehr viele Möglichkeiten,einen Tausch abzuwickeln. Ware gegen Ware, Ware gegen Dienstleistung, Ware bzw. Dienstleistung gegen Gutschein, gegen Gold, gegen goldgedecktes Papiergeld, gegen nationales Notenbankgeld, gegen Wechsel und andere Wertpapiere usw. usf… Ich bin kein Finanzhistoriker und Finanzwissenschafter, aber ich meine, etwas mehr diesbezügliche Basisinformation und Reflexion täte dieser Diskussion gut. Die Meinung, es gebe nur die Alternative der staatlichen Notenbanken auf der einen und die Rückkehr in die Steinzeit auf der andern Seite ist mir nun doch zu primitiv. Geld als symbolisches Zahlungsmittel gab es schon vor es Nationalstaaten gab und die heutigen Formen des Tausches und der Zahlungsabwicklung gehen m.E. bei weitem nicht nur über das Geld der mehr oder weniger staatsabhäbgigen Notenbanken. Fast jede Vertragsbeziehung kann grundsätzlich durch ein Wertpapier versachlicht und handelbar gemacht werden und wird dadurch zum durchaus brauchbaren Zahlungsmittel unter Händlern, die diesbezügliche Vertrauensnetze und Sanktionssysteme kennen. Wir müssen nicht zu Kühen, Schafen und Ziegen zurückkehren, obwohl das ursprüngliche Wort für Geld “pecunia” mit Vieh zusammenhängt. Schon sehr früh war übrigens das Vieh nur eine Rechnunghseinheit und wurde nicht tatsächlich getauscht. Die Meinung, wir hätten mit dem heutigen Geld-und Währungssystem der Weisheit letzten Schluss erreicht, scheint mir etwas voreilig, aber ich kann auch keine direkt anwendbare Alternative aus dem liberalen Zylinder zaubern.
Genau darum geht es aber bei meiner Argumentation: die Notenbanken sind vielleicht nicht der Weisheit letzter Schluss (gibt es den überhaupt?), aber sie sind momentan die beste Lösung im Vergleich zu anderen Möglichkeiten. Natürlich wäre es wünschenswert, via Goldstandard wieder zurück zu einem Warengeld zu gelangen, da die Deckung von Geld durch entsprechende Waren nunmal eine sichere Angelegenheit sind. Bei der im Markt dauernd entstehenden Inflation, war es aber auf Dauer unmöglich, diesen auf ewig zu halten. Der Goldstandard und die Deckung der Währung mit Gold war eigentlich ein gutes System. Die heutige Lösung basiert auf Regulierung nationalstaatlicher Banken bei gleichzeitigem internationalen Wettbewerb zwischen denselbigen. Dieses System hat sich in den letzten Jahren bewährt gegenüber der Wettbewerbsabschaffung durch Währungsvereinheitlichung (Einführung des Euro) und Deregulierung (Privatisierung und Virtualisierung des Geldes). Bei beiden Alternativen wurden sehr schlechte Erfahrungen gemacht: die Einführung des Euros entpuppte sich als Preistreiber und die Virtualisierung von Geld entpuppt sich als gleichwertiger Betrug. Also: warum das Rad neu erfinden, wenn alles wichtige bereits erschaffen wurde?
Was ist denn die im Markt entstehende Inflation?
In welchem Fall ist denn eine Privatisierung von Geld gescheitert?
Vielen Dank Herr Nef. Die Idee mit “Wertpapieren” kam mir auch schon.
Wie sieht es eigentlich mit subjektiven oder emotionalen Werten aus?
Und dann, …
…es soll ja Menschen geben, die die UBS als Arbeitgeber für am stabilsten halten und die Google für ein “Juhu-Verein”, bloss weil es eine eigene Linie verfolgt.
Beispiel:
Person A arbeitet in einer Grossbank.
Person B arbeitet am Bau als Bauarbeiter
1. Frage: Wieso wird die Leistung der Person A mehr bewertet, als die der Person B als Bauarbeiter?
…
Und die Antwort “Person A denkt” und Person B arbeitet physisch”, ist für mich keine Antwort.
Ich glaube hier steckt viel Potenzial Leistungen und Ressourcen zielstrebiger zu nutzen.
Die offensichtliche Antwort liegt in der Verantwortung: der Manager hat Verantwortung gegenüber seinen Mitarbeitern - die Putzfrau nicht. Auf dem Bau wird ebenfalls nach diesem Prinzip entlöhnt. Darum hat der Vorarbeiter einen höheren Lohn als der Stift.
Im übrigen wird der Lohn ohnehin nicht durch den Wert der Arbeit bestimmt, sondern durch die Nachfrage beim Konsumenten. Wenig gefragte Güter generieren weniger Gewinn und damit weniger Lohn. Wenn man nur immer billigen Ramsch aus China kauft und alles möglihst bllig haben will, dann muss man sich nicht wundern, wenn die Arbeitsplätze in den Osten abwandern. An Lohndumping und Working-Poor sind die Verbraucher schuld.
Stichwort “Wert-”Papiere: genau das ist ja der wunde Punkt an der ganzen Sache. Oder haben jetzt alle die Dotcom-Bubble vergessen?
Da, wo nur virtuell gearbeitet wird und virtuelles Geld verdient wird, ohne reale Produkte und Dienstleistungen herzustellen, da muss man sich nicht wundern, wenn das investierte Geld verramscht und verschleudert wird.
Zur Effizienz der Notenbanken (einer eigenen Wissenschaft) kann ich nur auf das Buch “Gleißner, Werner: Notwendigkeit, Charakteristika und Wirksamkeit einer Heuristischen Geldpolitik, 1997 (2. Auflage: Schäffer-Poeschel-Verlag, 1999)” empfehlen. Empirische Untersuchungen zeigen, dass die Banken durchaus in der Lage sind, die Inflation zu verhindern.
Man muss die Effizienz der getroffenen Zinsentscheide messen und nach makroökonomischen Gesichtspunkten die entsprechenden Massnahmen ergreifen. Nichts ist schädlicher als eine nach schnellem mikroökonomisch-eigensüchtigem Gewinn strebende Notenbank, die übermässig viel Geld auf den Markt schleudert und so die Inflation vorantreibt. Gerade private Institutionen sind jedoch am stärksten an Discountverkäufen interessiert, wie man anhand der momentanen “Geiz-ist-geil”-Mentalität unschwer erkennen kann.
Die Gefahr des Gewinnstrebens ist übrigens auch der Grund, weshalb man so oft “politische Unabhängigkeit” der Notenbanken fordert. Sobald die Notenbank nicht mehr primär das Ziel der Preisstabilität verfolgt, wird es gefährlich.
Ich finde es interessant, dass Sie ausgerechnet die Berufs sparte “Putzfrau” heranziehen. Haben Sie schon mal selbst einen Besen geschwungen? Und das beruflich?
Desweiteren zieht der Manager am gleichen Strang wie seine Mitarbeiter. Wenn der Manager und die Mitarbeiter gscheit genug sind, werden sie miteinander arbeiten und keine diktatorischen Verhältnisse schaffen.
Ist vermutlich auch der Grund, wieso dem Mann eine Hausfrau lieber ist, denn so muss er nichts machen und spart sich Geld für das Hausmädchen. Und bei den oberen 10.000 hat sie gefälligst Repräsentationspflichten zu übernehmen, schön zu lächeln und dem Mann immer zur Seite zu stehen, wie seine Privatsekretärin nur das ganze gratis.
Bei Mami hats ja auch funktioniert, man brauchte ja nur die Sachen zu deponieren.
Also, bevor sie irgendwelche Berufs sparten beurteilen, schauen sie ob SIE deren Arbeit genau so gut verrichten können (und das über Monate!) und dann erst dürfen sie fordern!
Es werden hier wiedereinmal zwei Themen vermischt, die wenig miteinander zu tun haben: Wert des Geldes und Wert der Arbeit. Der Wert der Arbeit, der die Höhe des Entgelts bestimmt, kann nicht objektiv gemessen werden, auch nicht an Kriterien wie “Verantwortung” oder “Ausbildungszeit”, bzw. “physisch” oder “psychisch”. Entscheidend ist auf einem funktionierenden Arbeitsmarkt die Knappheit der angebotenen bzw. nachgefragten Tätigkeiten. Auch eine höchstqualifizierte Tätigkeit kann auf einem offenen Arbeitsmarkt nicht mit hohen Lohnansprüchen verbunden werden, wenn sie von niemandem nachgefragt (bzw. gebraucht und bezahlt) wird. Der sogenannt “arbeitslose Akademiker” sollte m.E. nicht zu nobel sein, um - mindestens temporär - Nachhilfestunden zu erteilen, an einer Kasse zu sitzen, BigMacs zu verkaufen oder Taxi zu fahren, und wer einen Jet pilotieren kann, könnte - nach einer Anlernzeit - auch ein Tram steuern, allerdings nicht zum selben Lohn. Viele finden solche Auffassungen zynisch, aber ich hätte keine Probleme, das Prinzip auch auf mich selbst anzuwenden. Jede Arbeit hat ihren Wert und im Rahmen einer umfassenden Arbeitsteilung auch ihren Stellenwert und ihre Würde. Putzen ist nicht entwürdigend, sonst wäre ich ja jeden Samstagmorgen entwürdigt, wenn ich bei der Wohnungsreinigung mithelfe, was mir als Bürolist durchaus Spass macht, weil man das Resultat besser sieht als bei einigen Seiten vollgeschriebenen Papiers. Ich finde die Arbeits- und Lohnverteilung via Markt und Privatautonomie richtig und kenne kein Verfahren, das Arbeit, Leistung, Jobs und Löhne besser auf die vorhandenen Ansprüche verteilen würde als Angebot und Nachfrage. Wer sollte denn sonst in der Lage sein, zu bestimmen, wer aus übergeordneter (”sozial gerechter”) Sicht wirklich wieviel verdienen soll? Ein Kommissar, ein Kollektiv von Kommissaren, eine Regierung oder der Papst? Gute Manager, Banker, Tennisspieler, Fussballer und erfolgreiche Popsänger sind nicht bessere Menschen als gute Putzfrauen und Bauarbeiter, aber sie sind knapper und man muss darum mehr bezahlen, wenn man ihre Dienste beansprucht, bzw. sie können mehr dafür verlangen als Leute, deren Angebote eben weniger selten sind. Putzen gehörte einmal zu den Niedrigstlohn-Jobs. Heute kann man als Dienstleister(in) mit effizienter Raumpflege mehr verdienen als mit einfachster Fabrikarbeit oder im Verkauf, der zwar auch anstrengend ist, aber sauberer, beliebter und damit weniger knapp.
Bin auch kein Verfechter der Arbeitswerttheorie, denn die ist ohnehin falsch. Nichtsdestotrotz ist am schlechten Lohn doch letztlich der Verbraucher schuld. Das ist eine logische Konsequenz aus der Ablehnung der marxistischen Theorie. Wenn wir öfters ins Theater gehen und Museen besuchen würden, wären solche Kulturstätten auch gefragter und die Jobs besser bezahlt. Wenn wir bereit wären höhere Preise für Reinigungsarbeit und vermeintlich “einfache” Dienstleistungen zu zahlen, würde die Putzfrau auch besser verdienen. Leider sind aber all jene Arbeitsplätze, die leicht ersetzbar sind, nun mal schlechter bezahlt als andere. Und die Verbraucher zielen auch lieber auf niedrigere Preise statt auf höhere. Die Inflation senkt natürlich unter bestimmten Umständen die Arbeitslosigkeit, dafür führt das Preisdumping zu niedrigeren Löhnen - worin sich die schädlichen Auswirkungen der Inflation auch zeigen.
Wie auch immer: es liegt in der Verantwortung eines jeden einzelnen, schützenswerte Arbeitsplätze mit zusätzlicher Konsumation zu bezahlen. Nur mit Jammern über die angebliche Schlechterstellung der Putzfrauen (oder Frauen allgemein, oder Bauarbeiter oder wer auch immer sich aus mangelndem Selbstbewusstsein benachteiligt fühlen könnte) - damit ist niemandem geholfen.
Grins @ Robert Nef. Gell, das ist schon krass. Beim Zusammenräumen sieht man Resultate, mit Papier verhält sichs anders.
Tja, ich werde mir das mit Angebot und Nachfrage noch einmal durch den Kopf gehen lassen. Ganz so überzeugt bin ich noch nicht, denn am liebsten würde ich jetzt gerne dementieren. Wobei das Argument “der Knappheit” schon was wahres dran hat. Nick.
Ich find’ es halt unfair Menschen zu diskriminieren, die ihren Job gut und korrekt ausüben und aufgrund des “Massencharakters”, denn dieser Job hat, gleich minder bewertet werden oder ihnen Kompetenzen wie “Verantwortung” etc. entbunden werden.
Dann @ Konstantin - bitte noch komplizierter ausformulieren, damits auch jeder Prof. versteht. Danke im Voraus!
Die Inflation senkt natürlich unter bestimmten Umständen die Arbeitslosigkeit, dafür führt das Preisdumping zu niedrigeren Löhnen - worin sich die schädlichen Auswirkungen der Inflation auch zeigen.
Desweiteren frage ich mich, was plötzlich der Satz:
“es liegt in der Verantwortung eines jeden einzelnen, schützenswerte Arbeitsplätze mit zusätzlicher Konsumation zu bezahlen”
zu suchen hat, wenn Sie die Seite von Angebot und Nachfrage vertreten?
Haben diesen Satz nicht mal Rot/Grün unter Schröder ausgesprochen?
Dann, “Jammern” und “Schlechterstellung aus mangelndem Selbstbewusstsein” hat was mit Selbstmitleid zu tun und passt nun so überhaupt nicht in meine Frage hinein. …Da ich ein konkretes Beispiel nannte und neugierig auf die Antwort war.
Und nur zur Info. Gleichberechtigung hin oder her, nach wie vor wird die Frau schlechter bezahlt, als der Mann. Die New Yorkerinnen hingegen kommen langsam auf Gleichstand.
Also legen sie diesen Bereich bitte nicht gleich ad Akte.