Liberale Erziehung vs. Tagesschulen

Die Taten der jugendlichen Vergewaltigerbande, die offenbar im Schulhaus Buhnrain ihr Unwesen trieb, schockieren noch immer: offenbar waren die mehrfach straffällig gewordenen Jugendlichen bei der Schulleitung wegen Gewalt- und Sexualdelikten bekannt. Trotzdem unternahm die Schulleitung nichts. Die 13-köpfige Bande, die zur Hälfte aus Papierschweizern und zur Hälfte aus Ausländern besteht, vergewaltigte ihre 13-jährige Mitschülerin Michelle mehrfach. Erst als der Fall von den Medien aufgegriffen wurde, kam die Diskussion ins Rollen.

Die grösste Frage, die sich bei solchen Fällen stellt, ist nebst der Integration von Ausländern auch jene nach der Legitimität des modernen Erziehungswesens. Seit 1968 werden Kinder antiauthoritär erzogen. Die erzieherische Ohrfeige ist schon lange abgeschafft. Die Jugendlichen wachsen auf mit Handy, Playstation, VIVA-Kitsch und Hip-Hop-Schrott und wenn sie dann alt sind, faseln sie was von Armut und Perspektivenlosigkeit. Und das wichtigste: sie kriegen alles von den Eltern geschenkt. Nachher wenn sie gross sind, sind sie enttäuscht, wenn sie die Lehrstelle nicht auch geschenkt erhalten. Die totale Depression herrscht im Wohlstandsghetto und dient Jugendlichen heutzutage als Legitimation für so abscheuliche Schandtaten, wie sie derzeit im Schulhaus Buhnrain stattfinden.
Als Liberale, die wir uns so gerne mit Werten wie “Toleranz” schmücken, müssen wir uns dennoch irgendwann die Frage stellen: wie liberal darf Erziehung sein? Ist es denn noch gut, wenn Frauen und Männer den ganzen Tag arbeiten gehen und “sich selbst verwirklichen”, statt sich um die Kinder zu kümmern? Ist es denn in Ordnung, wenn heutzutage Lehrer die Kinder erziehen müssen, bloss weil die Eltern zu faul dafür sind? Und ist es denn weiterhin verantwortbar, dass frau ihre Kinder bei der staatlichen Kinderkrippe abliefert, weil das einfach bequemer ist?
Linke, Grüne und Nette wiegeln in solchen Fragen immer ab. Sie sind sich sicher, dass Tagesschulen, Kinderkrippen und Mittagstische eine Lösung für die allgemein schlechte Erziehung der Kinder ist. Schützenhilfe erhalten sie indirekt von den Neokonservativen, die am liebsten alle Kinder in ein Internat stecken würden. Liberale hingegen sprechen von Eigenverantwortung der Eltern - freilich ohne sich der Tatsache bewusst zu sein, dass die Annahme von freiwilliger Eigenverantwortung reichlich naiv ist und sich offensichtlich nicht mit der gesellschaftlichen Realität deckt. Die völlig überforderte Schulleitung in Buhnrain ist dafür das beste Beispiel.
Aber zwischen den Ansätzen der linken Gutmenschen, neokonservativen Hardlinern und naivem Scheinliberalen muss es auch eine Lösung geben für dieses Problem. Die Lösung wäre sogar vergleichsweise einfach: man müsste Anreize schaffen, die die Eltern fehlbarer Kinder dazu bringt, ihrer erzieherischen Verantwortung nachzugehen. Sprich: nicht bloss die jugendliche Sexbande, sondern auch die Eltern der Vergewaltigerbande müssen zur Verantwortung gezogen werden. Im Klartext: es braucht endlich eine Justiz, die die Eltern krimineller Kinder bestraft - ansonsten wird erzieherische Verantwortung ja nie wahrgenommen werden.

Im Vergewaltigungsfall von Seebach würde das bedeuten: Ausschaffung der kriminellen Ausländerfamilien und saftige Geldstrafen für die Schweizer Vergewaltigerfamilien. Mir ist bewusst, dass das nicht “liberal” ist, dennoch halte ich eine solche Lösung für besser als die bisher geltenden 68er-Kuschelpädagogik oder die Prügelpeitschmethoden früherer Jahre. Eltern müssen ihre Eigenverantwortung wahrnehmen - und wenn sie das nicht tun wollen, dann sollen sie gefälligst dafür bestraft werden.

10 Kommentare:

  1. Christian Dreyer, 25. November 2006, 18:17

    Um das mal im “Gutmenschen”-Jargon zu sagen: Es ist interessant zu sehen, wie die Integrationsfrage bei Dir gleich die Rhetorik Deiner Ex-Partei auslöst - die ersten Abschnitte sind eine praktisch sinn-leere Aneinanderreihung plakativer Schlagworte voller Hass und Polemik. Wozu? Willst Du uns vielleicht etwas über Deine Erziehung sagen?

    Die politische Konsequenz, die Du aus Deiner Tirade ziehst, lässt sich mit einem Wort zusammenfassen: Sippenhaft. Und die ist - wie Du selbst zugibst - wirklich nicht liberal, sondern autoritär nach altbekannten Mustern. Interessanterweise liegst Du damit auch auf der Linie des aktuellen Justizministers. Aber zufällig ist das kaum, da dieser ja für Deine politische Sozialisation mit verantwortlich zeichnet.

     
  2. dissident, 25. November 2006, 18:28

    Ich sehe mich selbst als “Opfer” einer zu laschen Erziehung. Ohne Grenzen und ohne Horizont wurde die Erziehung mir selbst überlassen. Einverstanden, dies verantwortet hauptsächlich mein Umfeld: klassische Unterschicht; nicht durchsetzungsfähige, alleinerziehende, 17 Franken pro Stunde verdienende Mutter mit drei Kindern. Trotzdem finde ich, die kommende, sprich meine Generation wäre gut geraten, und in diesem Punkt harmonieren wir tatsächlich, zukünftig die “Sehnsucht nach der Strenge” zu bewahrheiten, wie es jüngst Telepolis titelte.

    21 Jahre und schon ein Dissident!

     
  3. Thomas Läubli, 25. November 2006, 20:57

    Auf die Schlechtmenschen-Polemik von Konstantin will ich nicht eingehen. Ich kann mich in dieser Sache dem Kommentar in der NZZ von heute anschliessen.

     
  4. Konstantin, 25. November 2006, 22:33

    Mag sein, dass das ganze von der SVP vermarktet wird. Iste eigentlich auch wurscht, denn auch ein Justizminister kann ja mal in gewissen Punkten recht haben.

    Ich unterscheide mich allerdings von der SVP darin, dass ich nicht den Ausländern die Alleinschuld gebe. Wir alle haben als Gesellschaft versagt. Der springende Punkt ist, dass wir einerseits eine viel zu lasche Erziehung haben und uns andererseits eine sinnentwertete Handy-Konsum-Kitsch-Jugendkultur aufgebaut haben. Unsere Jungen spielen “No Future”. Sie sind vom vielen Wohlstand lasch und faul geworden und kennen deshalb keine Perspektiven mehr. Aus Langeweile werden sie gewalttätig, prügeln sich auf Pausenhöfen. Und in den schlimmsten Fällen werden sie fähig, derart abscheuliche Verbrechen zu begehen. Und unsere Politiker schauen einfach weg.

    Klar ist autoritäre Erziehung für viele Liberale ein Tabuthema. Aber wieso sollen wir sowas an unseren Schulen tolerieren? Ich denke, da wurde eine Grenze überschritten, die man so nicht mehr hinnehmen darf. Eigenverantwortung bei der Erziehung ist gut. Doch wenn so was passiert, dann wurde offensichtlich etwas falsch gemacht. Es ist deshalb Aufgabe der Gesellschaft, etwas zu ändern und die fehlbaren Familien zu sanktionieren. Ich würde das gleiche vorschlagen, wenn es sich um Schweizer handeln würde. Vergewaltigerbanden haben in Schweizer Schulen nichts verloren.

     
  5. Christian Dreyer, 26. November 2006, 0:19

    Du schreibst aber nicht von autoritärer Erziehung, sondern von staatlichen Strafmassnahmen (”Ausschaffung der kriminellen Ausländerfamilien” - wenn ein Kind ein Verbrechen begangen hat, wird gleich die ganze Familie “kriminell”?). Mit Erziehung hat das wenig bis nichts zu tun.

     
  6. Christian Dreyer, 26. November 2006, 9:31

    Im übrigen bestreite ich Deine Arbeitshypothese von wegen liberaler Tabuzone autoritäre Erziehung. Jede Erziehung hat eine autoritäre Dimension, soweit es dabei um die Vermittlung von Werten und akzeptablen Verhaltensweisen geht. Die liberale Seite der Erziehung besteht dann darin, dass mit zunehmender Reife des Jugendlichen der individuellen Freiheit (u.a. zur eigenen Interpretation besagter Werte) mehr Raum gegeben werden kann. Daher hat der liberale Rechtsstaat den vollen Erwerb der bürgerlichen Freiheiten und - als Kehrseite - die volle Straffähigkeit auch erst auf das Ende der Teenager-Jahre angesetzt. Du wirst wohl nicht mal bei unseren libertären Freunden jemanden finden, der behauptet, dass der sozialisierte Mensch fixfertig aus dem Mutterleib springt.

     
  7. Christoph Kilchenmann, 26. November 2006, 13:04

    Ich kenne die Verhältnisse nicht, in denen die Jugendlichen erzogen wurden, allerdings würde es mich sehr überraschen, wenn diese eine “anitautoritäre” Erziehung genossen hätte; meines Wissens ist dieses Erziehungsmodell auf dem Balkan nicht besonders verbreitet… Ich behaupte, dass wohl jeder der betroffenen Jugendlichen mehr Ohrfeigen bekommen hat als wir alle zusammen.

    Wenn man überhaupt aus diesem Einzelfall eine Folgerung ziehen will, dann eher die, dass eine liberalere, weniger autoritäre Erziehung in Migrantenfamilien wünschenswert wäre.

     
  8. Konstantin, 26. November 2006, 13:22

    In der Sonntagszeitung steht allerdings das Gegenteil drin: die Jungs wurden nie beaufsichtigt. Der Haupttäter wurde sogar vom Vater von der Schule genommen, weil er “schulmüde” war (d. h. die Hausaufgaben nie gemacht hatte und die Schule schwänzte). Also nix von erzieherischer Ohrfeige. Mit anderen Worten: die Eltern sahen es nicht für nötig, die Kinder zu bestrafen.
    Nochmals meine Hypothese: Man muss Anreize schaffen, ansonsten funktioniert das Modell Eigenverantwortung nicht. Besonders naiv ist es, zu erwarten, dass muslimische Väter, denen ihre Söhne heilig sind, ihnen diejenigen Werte vermitteln, die die Schweiz ausmachen.

     
  9. Christian Hoffmann, 27. November 2006, 2:35

    Erziehung ist grundsätzlich nicht die Aufgabe der Politik oder des Staates - ob anti-autoritär oder autoritär haben nicht die SVP und nicht die SP zu entscheiden, sondern alleine die Eltern. Die sind es auch, die alleine diese Erziehung zu finanzieren haben. Ob Eltern also ihre Kinder in die anti-autoritär/alternative Kinderkrippe stecken oder das katholische Internat oder gar das Homeschooling bevorzugen, ist ihnen ganz alleine überlassen. Sie sollten sich dabei allerdings auch vergegenwärtigen müssen, dass dieselben Kinder irgendwann für das eigene Auskommen und möglicherweise zum Teil auch das der Eltern aufzukommen haben.

    Ergo: Schafft die Zwangsfinanzierung der Schulen und den Schulzwang ab und ebenso die wohlfahrtsstaatliche Hängematte, in der sich asoziale Familien in- und ausländischer Herkunft ausruhen!

    Im Fall der Verbrechen von Seebach ist das Opfer in jedem Fall alleine durch einen entsprechenden Rückgriff auf die Täter zu entschädigen, nicht etwa durch eine Knechtung unbeteiligter Dritter. Für seine Taten hat jedes Individuum selbst gerade zu stehen.

     
  10. Konstantin, 27. November 2006, 9:43

    Ist aber bei Minderjährigen nicht der Fall: als Minderjähriger darf man vergewaltigen und bekommt dafür nur eine milde Jugendstrafe. Die Haftbarkeit ist bei minderjährigen Bürgern nicht vorhanden.

    Die Eltern werden ihren Kindern keine eigenverantwortliche Erziehung geben, weil die meisten gar nie dazu gezwungen sind. “Liberale” Politiker geben den Eltern staatliche Hängematten in Form von Kinderkrippen und Tagesschulen - und seit neuestem auch noch nach oben harmonisierte Kinderzulagen! Kein Wunder lassen Eltern ihre Kinder verwahrlosen: es ist einfacher und bequemer - und auch kein Risiko für die Eltern: Eltern werden als “unbeteiligte Dritte” behandelt, wenn ihre Kinder missraten sind.

    Genau das müsste sich aber ändern, damit die Eltern von sich aus ihre Eigenverantwortung wahrnehmen. Solange den Eltern missratener Kinder kein Nachteil droht, werden sie den einfacheren Weg wählen und auf eigenverantwortliche Erziehung verzichten. Entweder liefern sie ihr Kind beim Staat ab oder sie lassen es verwahrlosen. Wenn die Kinder kriminell werden kümmert sich ein Heer von Therapeuten und Sozialarbeiter darum. Zudem erhalten solche Problemfamilien auch noch Sozialhilfe, steuerliche Vergünstigungen und Kinderzulagen. Ob das Kind bereits mit 16 ein Schwerverbrecher wird, interessiert die Eltern nicht.

    Es wäre naiv, zu glauben, dass man ohne Anreize die Eltern dazu bringt, ihrer elterlichen Verantwortung nachzukommen. Es ist eben in der Tat nun mal so, dass Wohlstandsverwahrlosung - ob staatlich oder privat - nun mal die beste und bequemste Option ist für die Eltern.

     

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