Von der Internet-Untauglichkeit der Jungparteien

Ausgerechnet für die junge Generation der Politiker ist Web 2.0 noch ein Fremdwort. Besonders pikant zeigt sich dies in der harten Gegnerschaft der Jungen SVP gegen Weblogs. Nun machen andere das Rennen.

Der Junge Grüne Sandro Feuillet, Betreiber der Website ignoranz.ch, hat eine eigene Plattform zur Verbreitung seiner politischen Ansichten gegründet. Und er macht damit nicht nur politische Reklame für seine Partei, sondern auch Geld, wie der folgende Bericht in der Zeitung “heute” beweist:

http://www.heute-online.ch/wissen/play/artikel47821

Die antiliberalen Freiheits- und Fortschrittsgegner aus dem neokonservativen Lager der Jungen SVP haben ihrer Partei erneut einen Bärendienst erwiesen. Bundesrat Blocher verstand es noch, die 68er Methoden für seine Partei zu adaptieren, anstatt sie zu verbieten - und er hatte Erfolg. Die heutigen Bürgerlichen sind jedoch zu dieser Denkweise kaum mehr fähig. Während Links-Grün das Web 2.0 für sich zu nutzen weiss, reagiert Mitte-Rechts mit Verboten, Sanktionen und Verhinderungsversuchen - anstatt die neue Technologie konstruktiv zu nutzen.

Die bürgerlichen Jungparteien werden auf diese Weise nie mehr sein, als eine PR-Aktion für das politische Establishment. Allerdings fehlt den unerfahrenen Parteibossen auch das Format und das Verantwortungsbewusstsein, um auf die sich abzeichnende Problematik angemessen zu reagieren. Inwieweit das Einfluss auf den Wahlkampf haben wird, dürfte das Wahljahr 2007 zeigen. Es ist zu erwarten, dass die Jungparteien (mit Ausnahme der Jungen Grünen) auch hier eine Statistenrolle spielen werden.

15 Kommentare:

  1. M.M., 30. Oktober 2006, 20:51

    Nur nicht so dramatisch. Ein Verein(chen) macht noch keine (politische) Bewegung. 50′000 Weblogs und ausser textuality.org ist keiner - keiner(!) - ist wirklich relevant. Schon gar kein sogenannt politischer.

    Blogs, die bis jetzt eine gewisse Wirkung zeigten, waren zeitlich begrenzte, monothematische Weblogs (Nestlé, Swissmetal).

    Ich denke, erst in zwei bis drei Jahren werden bei uns vielleicht vier bis fünf Blogs aus dem Untergrundstatus herauswachsen.

     
  2. Matthias, 31. Oktober 2006, 13:53

    @Konstantin,
    “harten Gegnerschaft der Jungen SVP gegen Weblogs”

    Habe ich etwas verpasst? Die Junge SVP hat aktiv gebloggt und damit in kurzer Zeit mehr Wirkung erzielt, als all die linken und grünen Sektionsblogs zusammen. Die links-grünen Sektions-Blogs sind weitgehend zum einschlafen. Leider, muss ich als linksgrüner Wähler sagen.

    “Der Junge Grüne Sandro Feuillet, Betreiber der Website ignoranz.ch, hat eine eigene Plattform zur Verbreitung seiner politischen Ansichten gegründet. Und er macht damit nicht nur politische Reklame für seine Partei, sondern auch Geld, wie der folgende Bericht in der Zeitung “heute” beweist:”

    Sandro hat also swissblogpress gegründet, um politische Reklame für seine Partei zu machen, sagst Du. Da muss es sich um Insider-Infos handeln, denn weder in der Pressemitteilung von swissblogpress noch sonst wo wird das erwähnt. Muss ich wohl gleich mal nachfragen, ob das stimmt. Und da in “heute” keinerlei Einnahmen beziffert werden, gehe ich davon aus, dass Du auch hier über Insider-Infos verfügst.

    @M.M., wie kommst Du auf 50′000 Schweizer Blogs? Und weshalb ist textually.org relevant, bzw. wie definierst Du Relevanz?

     
  3. M.M., 31. Oktober 2006, 20:26

    50′000 ist so eine Zahl die von technorati erhoben wurde, anscheinend. textually.org ist zum einen relevant wegen der hohen Besucherzahlen aus aller Welt und die Dame, die dieses Weblog betreibt, kann inzwischen von den Werbeeinnahmen ganz gut leben. Sie ziert auch auf der Top 100 Swiss-Blog-Liste seit Wochen Platz eins.

    Relevanz bedeutet auch die Zahl der Links, die auf ein Weblog führen. Bei Freilich sind es z.B. 29, also gemessen an den 1′014 von textually.org ist freilich ziemlich unbedeutend. :-)

    Weiterführendes zum Thema hier und den verschiedenen Links bei den Beiträgen:
    http://arlesheimreloaded.twoday.net/stories/2787428/#2787788

     
  4. Matthias, 31. Oktober 2006, 21:25

    @M.M.: Die 50′000, die du beim Krusenstern abgeschrieben hast, sind eine von ihm in die Welt gesetzte Falschmeldung. Sie stammen nicht von Technorati. Keiner, der den Schweizer Blog-Markt ein bisschen kennt, wird solche Zahlen in die Welt setzen.

    Relevanz: Dein Massstab für Relevanz ist also Werbeeinnahmen oder Technorati-Ranking. Da ist es klar, dass ein Schweizer Polit-Blog niemals relevant werden kann, weil Polit-Blogs aufgrund des vergleichsweise kleinräumigen Schweizer Fokus niemals einen überwältigenden Technorati-Rang erringen werden und aus demselben Grund auch die Werbeeinnahmen (so man welche anstrebt) eher bescheiden sein dürften. Während textually.org, picturephoning.com und ringtonia.com rein sprachlich und auch vom Thema her klar international ausgerichtet sind und entsprechend auch ein viel grösseres Publikum erreichen können.

    Emily Turrettini verdient laut eigenen Angaben etwas über CHF5′000 pro Monat. Ob sie davon “ganz gut leben” kann, weiss ich nicht.

     
  5. Konstantin, 31. Oktober 2006, 21:28

    Nun, zu den Insiderinfos: der SVP-Weblog war ja meine Idee, als ich noch Mitglied bei der SVP war. Und es war tatsächlich ein Erfolg, hinter dem sich noch einiges an Potential verbirgt. Das Problem ist nun einfach, dass sowohl innerhalb der Parteileitung als auch innerhalb der Parteibasis dieses Potential nicht erkannt wird. Seit einem halben Jahr werden keine Updates und Kommentare mehr aufgeschaltet. Die Mutterpartei SVP hat ihren Weblog sogar auf Eis gelegt(!). Ich habe mich da innerhalb der Partei und bei diversen grauen Eminenzen umgehört und der Tenor war einheitlich negativ - ja sogar gleichgültig.
    Was mich einfach ärgert, ist, dass die Jungbürgerlichen das Potential der Weblog-Aktion nicht sehen. Die Grünen - insbesondere Sandro - machen da hervorragende Arbeit. Ich würde sogar behaupten, dass der gegenwärtige Aufwärtstrend der Grünen genau auf ihre Innovationsfähigkeit im Bereich Web 2.0 zurückzuführen ist.
    Es fehlt uns Bürgerlichen am Bewusstsein, dass Innovation uns vorwärts bringt und nicht Stillstand. Wir sollten die Methoden Andersdenkender (also auch der Grünen) nicht verteufeln, sondern uns an den Trend anpassen. Leider haben wir gerade bei den Neocons sehr viele Leute, die sehr professionell darin sind, Neues zu verhindern. Auch in der FDP lassen sich solche Bremserpersönlichkeiten ausfindig machen. Als junger Akademiker mit Ambitionen spürt man das enorm.
    Was ich mit obigen Post bezwecken will, ist eigentlich ein Plädoyer dafür, dass wir Liberalen selber auch so geniale Networking-Strategien entwickeln sollten, wie das Sandro mit Swissblogpress ja offensichtlich bezweckt.
    Auch wenn Technorati nicht so glaubwürdig ist: mindestens etwas Suchmaschinenoptimierung würde gerade uns Liberalen schon gut tun.
    Ich sehe nicht ein, warum wir uns als “Liberale” bezeichnen, wenn wir dann wiederum aus irgendwelchen ideologischen Gründen Innovationspotenzial verhindern, statt es für uns nutzbar zu machen.
    Wieso gibt es eigentlich keinen FDP-Blog (wenn die SVP ja bereits wieder ausgestiegen ist)? Wo ist die Economiesuisse? Und wo sind all die “freiheitlich-liberalen” Wirtschafts- und Politprominenzen, wenn es darum geht, echte Innovationen zu fördern?
    Das ist der Punkt, um den es in dieser Debatte geht.

     
  6. M.M., 1. November 2006, 11:33

    Ich bin noch recht viel in der schweizerischen Blogosphäre unterwegs.Das meiste, was ich sehe, ist Bildli-Textli-Poesiealbum-Zeugs, dann jede Menge Es-gibt-jetzt-Firefox-2.0-Schrott und etwas links alternatives Blocher, Wewo oder sonstiges Zeugs Bashing.

    Die Gattung der Politblogs dünkt mich dünn gesät - ich beobachte ausser freilich lediglich noch vier, fünf andere in der Schweiz. Über die Qualität will ich mich jetzt nicht auf die Äste hinaus lassen, aber ein wirklicher Lese-Must ist kaum darunter.

    Die Sache steckt in der Schweiz halt noch in einem sehr frühen Stadium. Übrigens: ob das nun 50′000 oder “nur” 20′000 Blogs sind, ist mir eigentlich egal. Es ist so oder so eine unüberblickbare Menge.

     
  7. Konstantin, 1. November 2006, 13:28

    Aber etwas Professionalisierung würde uns sicher nicht schaden. Und solange wir in diesem frühen Stadium sind, ist es leichter, sich die entsprechenden Marktanteile zu sichern, als in einem späten Stadium, wenn sich gewisse Plattformen schon etabliert haben.
    Die Jungparteien (insbesondere die Junge SVP) sind eine relativ schwierige Kundschaft, wenn es um das Thema geht. Vor allem, weil sie meistens nur mit ihrer Selbst-Konstituierung (Gremien, Kommissionen, Vorstandswahlen etc.) beschäftigt sind. Ich sehe allerdings Potenzial in kleinen Sektionen wie bspw. den JFZH oder den Jungfreisinnigen der Uni und ETH Zürich. Wir sollten eine Art Konsortium bilden, um strategisch wichtige Netzwerke zu etablieren. Eine Idee à la “freisinnige Swissblogpress” ist meiner Meinung nach gar nicht mal so schlecht. Vorteile: Wir können unsere Publikationen inhaltlich aufeinander abstimmen. Wir können gemeinsame Verlinkungsstrategien wählen, und wir können eine eigene Bloggerkultur jenseits vom linken Blocherbashing aufbauen.

     
  8. M.M., 1. November 2006, 18:24

    Vernetzen ist alles in der Blogosphäre, das ist der Ansatz. Also her mit den Links. Meiner ist frei handelbar. Aber Vorsicht: Ziemlich bürgerlich.

     
  9. Matthias, 1. November 2006, 22:39

    @Konstantin, das mit der “Professionalisierung” würde man Dir viel eher abkaufen, wenn Du dann nicht gleich mit unprofessionellen Sprüchen à la “Bloggerkultur jenseits vom linken Blocherbashing” aufwarten würdest. Wenn ihr Politiker euch weniger mit Feindbildpflege und mehr mit den echten Problemen befassen würdet, wäre das für uns Wähler ein echter Fortschritt.

     
  10. Konstantin, 2. November 2006, 12:28

    Ne, Feindbilder kreieren WIR nicht. Das machen - wie bereits erwähnt - gewisse andere Blogger mit ihrem SVP-Bashing.

     
  11. Dominik, 2. November 2006, 16:01

    Also mit Qualität hat diese Liste nicht viel zu tun, eher mit Tabuzonen und vorgefertigten Ideologiebauteilen.

     
  12. Liberaler Blog, 3. November 2006, 10:12

    Wer einen liberalen Blog sucht, soll doch mal bei http://blog.swisspolicy.net/ vorbeischauen!

     
  13. Matthias Leisi, 4. November 2006, 9:26

    Konstantin schreibt:

    Wir sollten eine Art Konsortium bilden, um strategisch wichtige Netzwerke zu etablieren. Eine Idee à la “freisinnige Swissblogpress” [..]

    Ich versuche, innerhalb der FDP etwas in dieser Richtung auf die Beine zu stellen. Es könnte sich lohnen, solche Ideen gemeinsam durchzudenken; Kontakt unter matthias leisi.net.

     
  14. Konstantin, 6. November 2006, 21:44

    Hmm, scheint mir doch eine Überlegung wert zu sein.

     
  15. Dominik, 10. November 2006, 20:11

    @Matthias

    versuche dich zu kontaktieren, aber wo um Himmelherrgottssternenwillen?

     

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