Ärgerliche Berichterstattung über Ungarnaufstand
Als “Rechtsextreme”, “Hooligans” und “Neonazis” werden heutzutage Menschen beschumpfen, wenn sie in Ungarn für Freiheit und Demokratie demonstrieren. Vergessen geht dabei, dass der ungarische Ministerpräsident Ferenc Gyurcsany ein Sozialist ist, der in einem Tonband das ungarische Volk verhöhnt.
Empörend und beschämend ist die Berichterstattung, die man hierzulande an den Tag legt. Ausgerechnet in Ungarn, dem Land, das wie kein anderes unter dem sozialistischen Terrorregime gelitten hat, darf nicht gegen den Sozialismus demonstriert werden. Ausgerechnet im Land, wo ein friedlicher Aufstand gegen das sowjetische Unrechtsregime blutig niedergeschlagen wurde, soll es plötzlich nicht mehr erlaubt sein, sich gegen die Neuauflage dieses Unrechtsregimes aufzulehnen. Ausgerechnet in Ungarn soll man einen Sozialisten als Premierminister akzeptieren - einen Sozialisten, der das Volk belogen hat und noch dazu über die Demokratie spottet.
Während hierzulande vermummte linke Chaoten Scheiben einschlagen und Hassparolen an die Wände schmieren und die teilnehmenden Sozialisten fälschlicherweise mit Adjektiven wie “alternativ” oder gar “progressiv” umschrieben werden, beleidigt und verhöhnt die hiesige Berichterstattung liberale und konservative Demonstranten in Ungarn als “Hooligans”. Offensichtlich ist Demonstrieren nur dann erlaubt, wenn die Demonstranten Sozialisten sind.
Die hiesige Berichterstattung verärgert, weil sie kein Verständnis dafür aufbringt, dass es auch noch Menschen gibt, die den Sozialismus berechtigterweise als Gefahr ansehen und auch bereit sind, dafür auf die Strasse zu gehen. Gleichzeitig werden hierzulande genau jene Personen mit Samthandschuhen angefasst, die das sozialistische Unrechtsregime wider besseren Wissens in der Schweiz, in Deutschland oder sogar in Europa einführen wollen.
Es bleibt zu wünschen und zu hoffen, dass der neuerliche Ungarnaufstand der Weltöffentlichkeit die Augen öffnet - anstatt von “Menschenrechtlern” vorschnell verurteilt zu werden. Aber das wird hoffentlich auch bald der Fall sein.

1. Ich habe etwas Mühe, der Argumentation zu folgen. Wäre es möglich, ein paar Quellen anzugeben? Mir wäre nämlich nicht aufgefallen, dass die Berichterstattung sehr einseitig wäre, wie Du das behauptest (wobei ich auch keine Insider-Information habe, wie’s denn wirklich ist). Woher weisst Du, dass es unter den Demonstranten keine Krawallbrüder hatte?
2. Wie steht es um das Copyright am Foto?
Niels hat vor ein paar Tagen die unausgewogene Berichterstattung ebenfalls hervorgehoben.
Merci für den Link.
Gemeint sind Kommentare wie unter anderem der im “Blick”:
http://www.blick.ch/news/ausland/artikel45364
Oder noch schlimmer die deutsche “FAZ”:
http://www.faz.net/s/RubDDBDABB9457A437BAA85A49C26FB23A0/Doc~ED0CF544E3BBF41979FDAC931E8F6009C~ATpl~Ecommon~Scontent.html
Zugegeben: die seriösen Journalisten schreiben (zum Glück) nicht so tendenziös. Aber es ist einfach bedenklich, wenn Medienschaffende solche undemokratischen Regierungen verharmlosen und Gegendemonstrationen verurteilen.
In der Berichterstattung über den 1. Mai wird ja auch nie negativ über den linken Chaotismus geschrieben.
Meine These ist diejenige, dass das neue sozialistische Regime gezielt die Medien instrumentalisiert, um Regimekritiker mundtot zu machen. (Tat das alte sozialistische Regime ja schliesslich auch.)
Ich befürchte, dass die neuen Diktatoren statt Panzer die Medien missbrauchen (schliesslich sind die ja eine “stärkere” Waffe).
Merci für die Hinweise. Ich lese wohl die falschen (nein, eher die richtigen) Zeitungen… Dennoch: Gyurscany wurde demokratisch gewählt, und die Alternative, Orban, ist in meiner Einschätzung kein Liberaler à la Dzurinda oder Klaus. Ob die Motive der Protestierenden wirklich in unserem Sinne sind, wage ich (leider) zu bezweifeln. Schön wärs.
Naja, demokratisch gewählt ist ja nicht gleich demokratisch gesinnt. Schliesslich gibt’s auch dafür einige historische Beispiele.
Dem Land wird es besser gehen, wenn sich starke liberale, konservative und sozial-demokratische (aber nicht sozialistische) Parteien etabliert haben und einen politischen Meinungswettbewerb ermöglichen, wie das im Westen der Fall ist. Schade ist es, dass nach dem Ende des Sowjetregimes immer noch so viele Osteuropäer zurück zum alten Regime gehen wollen. Meine Hoffnung liegt deshalb bei “orangen Revolutionen” wie in der Ukraine.
Wir sollten auch in der Schweiz zur Kenntnis nehmen, dass der Ausstieg aus dem Sozialismus kein Sonntagsspaziergang ist. Zwei (in der ehemaligen Sowjetunion drei) Generationen Staatssozialismus haben viele ursprüngliche Verhaltensweisen und Mentalitäten verkümmern lassen und eine Staatsabhängigkeit geschaffen, von der die Menschen - wie von einer Sucht - nur schwer loskommen. Selbstverantwortung ist anstrengend, mühsam und oft auch lästig und es ist bekannt, dass sich auch ehemalige Häftlinge oft nach der Gratispritsche und der Gratissuppe zurücksehnen. Ich habe 1968 während Monaten meine Studentenbude mit einem Asylanten aus Tschechien geteilt, der vor dem totalitären Sozialismus in die Schweiz geflohen war, aber letztlich die Mentalität nicht mehr los wurde, es müsse sich irgendjemand um seine Grundversorgung und um sein persönliches Wohlergehen kümmern. Ich bin nicht so sicher, ob sich die Demonstranten in Ungarn wirklich gegen den Sozialismus und für die Freiheit öffentlich engagieren oder ob sie nicht einfach ihren Frust loswerden wollen, dass ihnen die jetzige Regierung Dinge versprochen hat, die sie unmöglich halten kann. Die rufen möglicherweise nicht nach mehr Freiheit, sondern nach einem besseren Vormund. Ich finde es übrigens höchst bemerkenswert, dass ein Tonband mit dem Bekenntnis eines offenbar selbstkritischen Sozialistenführers das wahre Gesicht jeder Politik (auch der nicht-sozialistischen!) zeigt: ein Geschäft mit Versprechungen, die nicht eingehalten werden können - oder noch krasser: eine permanente organisierte Lüge. Soll man jene, welche die Lüge eingestehen, durch neue Lügner mit neuen Lügen ersetzen? Der Mann verdient eigentlich eine Ehrlichkeitspreis. Auch die orangen Revolutionen haben den Ausstieg aus dem Teufelskreis unhaltbarer Versprechungen nicht geschafft. Meine Hoffnung liegt bei jenen Individuen, die sich primär um ihre eigenen Angelegenheiten kümmern, für ihre Familie und ihre engere Umgebung sorgen, andern nicht schaden und im übrigen in Ruhe gelassen werden wollen. Man findet sie in jedem Land, sie demonstrieren aber in der Regel nicht auf den Strassen der Hauptstadt.
Robert Nef hat recht: Wir müssen wieder mehr Eigenverantwortung übernehmen und uns um unsere eigenen Angelegenheiten kümmern (ohne zu vergessen, dass Eigenverantwortung ein Ideal ist und nicht jeder davon Gebrauch machen kann, v.a. wenn er z.B. Angestellter in einem globalen Konzern ist). Nicht die Versuchung des Sozialismus’ ist momentan die grösste Gefahr, nein, der Nationalkonservatismus ebenso wie der Globalkonservatismus scheinen prädestiniert, die neuen Totalitarismen darzustellen. Ersterer zeigt sich in der Einigelung und Abschottung gewisser Länder wie dies im Iran oder Nordkorea der Fall ist, aber auch das Abstimmungsresultat der Schweiz zu den Asyl- und Ausländergesetzen ist Ausdruck eines erstarkenden Nationalkonservatismus in Hinsicht auf angebliche «Bedrohungen», die von aussen kommen. Der Globalkonservatismus zeigt sich in der Masslosigkeit globaler Konzerne und der Unterwerfung unter das gottähnliche Konstrukt einer «unsichtbaren Hand», die von niemandem geführt werden dürfe (quasi das Gebot “Du sollst nicht in «ökonomische Naturprozesse» eingreifen.”). Diese zwei Totalitarismen, welche die zukünftigen Auseinandersetzungen und Kriege bestimmen werden, werden auf dem Weblog von Klaus J. Stoehlker treffend beschrieben:
http://www.stoehlker.ch/weblog/2006/10/03/nationalkonservativ-und-globalkonservativ
Darum gilt es diesen Totalitarismen einen Riegel vorzuschieben, indem man den Staat stärkt und die nationale Wirtschaft wieder vermehrt von globalen Prozessen abkoppelt, sprich: mehr Eigenverantwortung! Es ergibt keinen Sinn, Produkte aus anderen Ländern zu importieren, wenn
1. sie hier genausogut produziert werden können (z.B. Äpfel, Rindfleisch) und damit im Inland Arbeitsplätze geschaffen werden,
2. man somit unnötigen Flugzeugtreibstoff und -lärm vermeiden kann, um die Ware aus Übersee zu erhalten, und sich somit ökologische Schäden mindern lassen
3. damit billige Arbeitskräfte (auch Kinderarbeit) in der zweiten (Bsp. China) oder dritten Welt nicht schamlos als neuzeitliche Sklaven der ersten Welt behandelt werden müssen.
Dass eine solche Politik nicht gratis ist und den Steuerzahler auch etwas kostet, muss er in Kauf nehmen, wenn ihm der soziale Friede, der durch eine kritische Masse an Globalisierungsverlierern gefährdet wird, etwas wert sein will.
Dass andererseits eine totale Abschottung und die totale Kontrolle des Staates natürlich wiederum nicht wünschenswert ist und wirtschaftlich ebenso kontraproduktiv, also das andere Extrem darstellt, ist klar. Das sehen sogar die eingefleischtesten Nationalkonservativen ein. Es ist geboten, in Zukunft zwischen jener Skylla und dieser Charybdis hindurchzumanövrieren.