Neuheit im liberalen Spektrum

Im Mai diesen Jahres hat sich in Bodum, Türkei eine neue Gesellschaft für radikale, liberale Denker etabliert: Die “Property and Freedom Society” (PFS).

Anstoss hierzu gab der bekannte radikal-liberale Ökonom Hans-Herrmann Hoppe. Die Idee zur Gründung dieser neuen Gesellschaft entstand offenbar aus einer Unzufriedenheit mit der zunehmenden Harmlosigkeit der Mont Pelerin Society heraus. Diese wird von den Initianten der PFS in vielen Punkten als zu passiv, um nicht zu sagen anpasserisch empfunden. Personell getragen wird die PFS vor allem von den bekannten Namen aus dem Umfeld des amerikanischen Mises Institute: Neben Hoppe u.a. Ralph Raico, Walter Block, Joseph Salerno, Thomas DiLorenzo, Jörg Guido Hülsmann und Stephen Kinsella. Auch der deutsche eifrei-Autor Robert Grözinger ist mit von der Partie.

Die PFS möchte offenbar nicht nur als radikale Speerspitze im liberalen Spektrum fungieren, sondern auch die insbesondere von Hoppe oft konstatierte Gemeinsamkeit radikal-liberaler und kultur-konservativer Positionen ergründen.

 Aus der Selbstdarstellung der PFS:

The Property and Freedom Society stands for an uncompromising intellectual radicalism: for justly acquired private property, freedom of contract, freedom of association—which logically implies the right to not associate with, or to discriminate against—anyone in one’s personal and business relations—and unconditional free trade. It condemns imperialism and militarism and their fomenters, and champions peace. It rejects positivism, relativism, and egalitarianism in any form, whether of “outcome” or “opportunity,” and it has an outspoken distaste for politics and politicians.

 In jedem Fall eine interessante und dikussionswürdige Initiative. Welche Aktivitäten genau entfaltet werden sollen, ist bisher für mich jedoch noch nicht ersichtlich…

25 Kommentare:

  1. Kaspar, 6. Juli 2006, 16:06

    Dabei handelt es sich offensichtlich ausschliesslich um Repräsentanten aus dem Umkreis des sektiererischen Ludwig von Mises Institute…

     
  2. Christian Hoffmann, 6. Juli 2006, 16:12

    Nun, es handelt sich um einen radikalen Ansatz, es kann daher nicht verwundern, dass die vorsichtigeren Damen und Herren aus den politiknahen Think Tanks (Cato Institute etc.) hiervon weniger angesprochen werden. Ich weiss nicht, was das mit “sektiererisch” zu tun hat…
    Ein paar von den Beteiligten sind mir aber auch völlig unbekannt: Enrico Colombatto, Bertrand Lemennecier,…?

     
  3. Kaspar, 6. Juli 2006, 16:23

    Wir können uns darüber bei Gelegenheit an einem liberalen oder libertären Stamm unterhalten. Nichts gegen einen radikalen Ansatz, aber Hoppe & Co sind in der Tat Sektierer, Ultrareaktionäre und nicht Radikale. Von dieser Beurteilung nehme ich mit gewissen Einschränkungen Ralph Raico aus.

     
  4. Christian Hoffmann, 6. Juli 2006, 16:33

    Können wir gerne, wenn Du dich mir dann zu erkennen gibst ;-)
    Ich verfolge mit grossem Interesse etwa die Auseinandersetzung von Hoppe und Blankertz oder Hoppe und Weede (beide werfen Hoppe so etwas wie reaktionäre Positionen vor) - seltsamerweise sind m.E. die inhaltlichen Differenzen etwa zw. Hoppe & Blankertz minimal, die Streitigkeiten zwischen Hoppe und Weede sind nichts als die üblichen Kappeleien zwischen Radikal-Liberalen und Minimalstaatlern. Ich finde es schon bedenklich, dass innerhalb des liberalen Spektrum so schnell verbale Keulen wie “Sektierer” oder “Reaktionär” oder gar “Rechtsradikaler” ausgepackt werden. Ich kann hierfür keine Basis erkennen, aber vielleicht weisst Du da ja mehr als ich…

     
  5. Kaspar, 6. Juli 2006, 16:42

    Hans-Hermann Hoppe ist rechtstotalitär und nicht länger libertär (siehe sein Buch “Demokratie…” … Darüber ist online sowie in diversen libertären und liberalen Publikationen heftig debattiert worden (”eigentümlich frei”; www.liberalismus.at bzw. liberty.li etc. etc.)
    Dennoch: Besten Dank für Deinen interessanten Hinweis.
    Eine Empfehlung: Hoppe ausführlich zu lesen ist reine Zeitverschwendung. Ich empfehle die Lektüre des libertären Originals, d.h. der Werke von Ludwig von Mises, Murray N. Rothbard, Ralph Raico sowie von Austrians wie Friedrich August von Hayek, Ludwig M. Lachmann, Gottfried Haberler, aber auch Anthony de Jasay, Robert Nozick, Roy Childs Jr., James M. Buchanan etc.

     
  6. Kaspar, 6. Juli 2006, 16:48

    Im übrigen war es zuerst Lew Rockwell 1989, danach Murray N. Rothbard und später Hans-Hermann Hoppe, die die echten Paläolibertären, d.h. die wirtschaftlichen wie gesellschaftlichen Libertären, zuerst als “Linkslibertäre” beschimpften und danach in typisch sektiererischen Manier exkommunizierten…

     
  7. Christian Hoffmann, 6. Juli 2006, 16:52

    Ja, ich fand “Demokratie” auch nicht toll, aber, sorry, “totalitär” ist einfach völliger Quatsch. Hoppe ist ein radikaler Individualist, Anarcho-Kapitalist, Marktwirtschaftler. Er persönlich vertritt oft kultur-konservative Positionen, aber er würde diese nie anderen aufzwingen wollen. Seltsamerweise wurde Hoppe in den von Dir erwähnten Debatten oft vorgeworfen, er wolle die Demokratie durch eine Monarchie ersetzen. Das zeugt nur davon, dass die betreffenden Kritiker das Buch nicht gelesen haben. Hoppe ist Anarcho-Kapitalist und damit natürlich auch Anti-Monarchist. Wenn Hoppe dagegen darauf hinweist, dass das Eigentumsrecht auch das Recht einschliesst, andere von diesem Eigentum auszuschliessen, so halte ich diese Position für unangreifbar. Auch hier kann ich die Aufregung nicht verstehen.
    Dennoch: Es gibt ein wirklich lesenswertes Hoppe-Buch, und das ist “Eigentum, Anarchie und Staat”. Damals war der gute Mann offenbar noch nicht so verbissen politisch unkorrekt.
    Bei Mises, Rothbard, Raico, Jasay stimme ich Dir zu. Hayek hat Höhen und Tiefen. Nozick fand ich sehr enttäuschend, Buchanan ist für Liberale meist nur am Rande interessant…

     
  8. Kaspar, 6. Juli 2006, 16:58

    Bezeichnenderweise wird lediglich vom “right to discriminate” (Ausschliessungsrecht) und nicht von der - dominierenden - gegenteiligen Implikation des Marktes, der Integrationsfähigkeit (Einschliessung von sog. Aussenseitern oder Minderheiten) gesprochen. Die Tatsache, dass das “RECHT auf Diskriminierung” betont wird, belegt eine unfreiwillige Nähe mit den Schein-Rechte-Inflationisten der etatistischen Linken… LOL

     
  9. Kaspar, 6. Juli 2006, 17:02

    Ich stimme mit Dir überein, dass Hoppes anarchokapitalistischer Erstling von anderer Qualität ist, desgleichen seine “Theory of Socialism and Capitalism”. Doch Anfang der 1990erjahre kam die dogmatisch-rechtstotalitäre Wende, Hoppe wurde immer zynischer und persönlich unausstehlicher. Aber dies ist bereits en détail auf www.liberty.li bzw. www.liberalismus.at schlüssig dargelegt worden, weshalb ich auf weitere Wiederholungen gerne verzichte…

     
  10. Christian Hoffmann, 6. Juli 2006, 17:03

    Das ist doch wohl auch den Zeichen der Zeit geschuldet: Der Staat erzwingt ja derzeit die Integration und verbietet den Ausschluss. Beides ist mit den Eigentumsrechten unvereinbar. Das “Recht auf Diskriminierung” ist untrennbar mit dem Eigentumsrecht verbunden - das scheint vielen nicht klar zu sein. Es handelt sich also nicht um ein “neues” oder “Sonder-”recht.
    Dort wo der Staat Integration untersagt - etwa im Bereich des internationalen Handels - muss dem ebenso entgegengetreten werden. Das erzeugt aber keineswegs ein “neues” Recht auf Freihandel. Auch dieses ist nur ein Aspekt des Eigentumsrechts…

     
  11. Kaspar, 6. Juli 2006, 17:04

    Diverse rechtstotalitäre Passagen aus Hoppes “Demokratie…” sind bereits ausführlich auf www.liberalismus.at bzw. www.liberty.li wie auch anderswo zitiert worden. Der Fall ist eindeutig…Nur peinlich, wie sich Hoppe herauszueiern versuchte, wie würdelos und unehrlich!…

     
  12. Kaspar, 6. Juli 2006, 17:07

    Ich habe mich über die Implikationen von property rights sowie über Hoppes illiberaler oder illibertärer “Allmacht von Wissen” (Hayek) en détail schriftlich wie mündlich geäussert. Les jeux sont faits, rien ne va plus!

     
  13. DDH, 6. Juli 2006, 17:15

    @Kasper: Jetzt weiß ich endlich, wofür das K. in Deinem Namen steht, Andreas!

    Wie geht es denn sonst so?

     
  14. Kaspar, 6. Juli 2006, 17:16

    Honny soit qui mal y pense…

     
  15. Christian Hoffmann, 6. Juli 2006, 17:16

    Nun, ich sag mal ganz liberal: Jeder sollte sich selbst ein Bild von Hoppes Werk machen, oder ihn am Besten bei einer Veranstaltung selbst erleben und mit Fragen löchern - das hat schon so manchen Vorbehalt aufgelöst, mach anderen aber auch verfestigt.
    Hoppe hin oder her denke ich, dass diese Initiative interessant ist und ich bin gespannt, welche Aktivitäten hier entfaltet werden.

     
  16. DDH, 6. Juli 2006, 17:18

    @AKW: Übrigens, um Dir auch mal ein Kompliment zu machen: Deine Widerlegung Dahrendorfs auf Fahayek.net habe ich mit großem Gewinn gelesen!

     
  17. Kaspar, 6. Juli 2006, 17:22

    Nun, ich kenne Hans-Hermann Hoppe persönlich seit 1991 recht gut. Persönlich finde ich, dass er sich als Wissenschafter, Libertärer und als Mensch nicht zu seinem Vorteil verändert hat. Beauerlicherweise ist er immer fanatischer geworden, schade um die Vergeudung seiner unbestreitbaren Fähigkeiten!

     
  18. Kaspar, 6. Juli 2006, 17:27

    @ DDH - sei vorsichtig. Kippt der Kanton Zürich am 9.7.2006 nach links, dann dürfte er mit höchster Wahrscheinlichkeit in den nächsten fünf Jahren von den grünroten sanften Totalitären regiert werden.

    Daher: Mobilisierung aller liberalen, libertären, konservativen kurzum: bürgerlichen Kräfte am 9.7.2006 für URSULA GUT. AN DIE URNEN ODER SCHLEUNIGST MIT DEM STIMMCOUVERT ZUM NÄCHSTEN BRIEFKASTEN!!!

     
  19. Kaspar, 6. Juli 2006, 17:44

    @ DDH

    Da scheint eine Verwechslung vorzuliegen.

     
  20. Kaspar, 6. Juli 2006, 19:11

    @ Christian Hoffmann

    “Recht auf Diskriminierung” ist völlig deplaziert und eben ein Scheinrecht.
    Ich würde es anders formulieren: Aus dem Eigentumsrecht erwächst für das Individuum die Möglichkeit zur Ein- oder Ausschliessung (bzw. Diskriminierung).

     
  21. Kaspar, 7. Juli 2006, 17:38

    integration or discrimination - that’s the question…

     
  22. Konstantin, 7. Juli 2006, 20:01

    Hoppe ist mir etwas gar suspekt. Ich meine Staatsabschaffung ist nun wirklich eine Form des Extremismus, die mindestens genauso schlimm ist wie Sozialismus.
    Wer schützt denn den kleinen Mann vor Kriminellen? Wer garantiert denn Sicherheit vor Diebstahl, Raub, Mord und anderen Verbrechen?

    Als pragmatisch denkender Liberaler stört’s mich schon, wenn jemand gleich von Staatsabschaffung redet. Erst muss man doch schauen, wie die Menschen in der Praxis ist. Ich habe ehrlich gesagt Mühe damit, wenn da einfach mal ein libertäres Utopia propagiert wird und man dann jammert, dass nicht alle Menschen diesem Wunschtraum nachjagen. Irgendwie ist das ja das gleiche wie das sozialistische Utopia, nur einfach auf der anderen Schiene. Bei jedem Staatssystem muss man doch auch darauf achten, dass viele verschiedene Menschen eben auch verschiedene Interessen haben und da ist die freie Marktwirtschaft zwar nicht das “perfekte” System, wohl aber das beste, was wir bisher haben.

    Herr Hoppe hat da einfach das Vorurteil, der Mensch würde quasi “von Natur aus” eher für den Sozialismus als für den Liberalismus stimmen. Darum versucht er dann zu missionieren. Das hat durchaus etwas sektiererisches und da ist Hoppe den “Berufsrevolutionären” aus sozialistischer Zeit gar nicht mal so unähnlich: für die war das Volk ja auch zu “dumm”, um die Vorzüge des sozialistischen Utopia zu kapieren. Darum legitimierten die dann ihren Job als Berufsrevolutionäre.

    Ich persönlich kann mit solchen Ideen nicht viel anfangen. Wenn der Liberalismus versagt, dann nur weil jene Personen, die den Liberalismus vertreten, ihren Job schlecht machen - und zwar nicht nur als Unternehmer, Think Tanks oder Politiker, sondern als liberale Wähler und Bürger. Die Stärke des Liberalismus hängt allein davon ab, wie sehr wir uns engagieren. Wenn in einem Land zu wenig Freiheit herrscht, dann sollten wir doch zuerst mal die Schuld bei uns selbst suchen. Vielleicht haben wir zu wenig getan? Vielleicht haben wir das falsche gemacht? Vielleicht stimmt auch unsere Ideologie nicht?
    Das sind alles Fragen, die durch Erprobung liberaler Lebensentwürfe in der Praxis geklärt werden. Eine Idee setzt sich entweder durch oder nicht. So ist das Leben.

    Gerade als Liberaler sollte man sich deshalb nie auf eine fixe Idee versteifen, wenn diese sich in der Praxis als untauglich erweist. Gerade deshalb bin ich gegenüber Hoppes Thesen sehr skeptisch.

    Hoppes Kampfansage an die Demokratie hört sich fast schon an wie das Nörgeln des schlechten Verlierers. Man sollte nicht wie Hoppe zuerst libertäre Visionen im stillen Kämmerlein erträumen und danach jammern, wenn einige Leute diese Träumereien nicht übernehmen wollen.

    Ich persönlich bin der Meinung, man sollte zuerst mal schauen, wie die Menschen in Wirklichkeit sind und sich dann auf Erkenntnissen aus der Praxis seine Ziele und Visionen aufbauen. Dadurch könnte schon viel Klarheit in die obskure Liberalismus-Esoterik einiger Visionäre gebracht werden.

    Aber ich sage das auch eben als Realist und Pragmatiker, nicht als Ideologe.

     
  23. Ragnar, 10. Juli 2006, 12:28

    > Wer schützt denn den kleinen Mann vor Kriminellen? Wer garantiert denn Sicherheit vor Diebstahl, Raub, Mord und anderen Verbrechen?

    private Sicherheit.

    Aber Du willst doch wohl nicht behaupten, dass der Staat etwas GARANTIEREN kann noch dass er Dich als großer Räuber vor sich sich selber schützen kann.

    Echt pragmatisch naiv!

     
  24. sceptic02, 11. Juli 2006, 7:49

    Von Hoppe stammt der dummtotalitäre und illiberale Satz:

    In einer libertären Sozialordnung kann es keine Toleranz gegenüber Demokraten und Kommunisten geben.

    Keine Toleranz für die Hoppelanersekte ?

     
  25. Luzifer, 11. Juli 2006, 13:34

    Eine banale Feststellung Hoppes. Demokraten und Kommunisten sind Aggressoren, die andere Leute + deren Eigentum sich einverleiben bzw. ihrem eigenen Willen unterwerfen wollen. Da kann es NATÜRLICH keine Toleranz geben!

     

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