Schreckliche Schotten

Bevor irgendwelche Aengste vor unsichtbaren Händen aufkommen: Es handelt sich dabei um McKinsey und McDonald’s - Beispiele für die Amerikanisierung der europäischen Wirtschaft, die Harold James heute abend an der Uni Basel in der schon mehrfach erwähnten Veranstaltungsreihe angeführt hat.

Darf man einen Princeton-Historiker, der zudem bei der Unabhängigen Expertenkommission Schweiz - Zweiter Weltkrieg mitgewirkt hat, als oberflächlich bezeichnen? Nun, jedenfalls hat mich sein Vortrag nicht sonderlich beeindruckt. Zunächst hat James die Entwicklung des Modellcharakters der US-Wirtschaft ausführlich nachgezeichnet. Darauf hat er vier mögliche Antworten auf die Frage geliefert, weshalb denn die Amerikanisierung der europäischen Wirtschaft auf so leidenschaftliche Ablehnung stosse. Diese werden hier kurz zusammengefasst:

  1. Stimmt nicht immer, da die Attraktivität des Modells (konjunkturellen) Schwankungen unterliegt.
  2. Die Vormachtstellung der USA wird zur Definition von Handelsregeln genutzt, was auf politischen Widerstand stösst.
  3. Die Ablehnung ist in den grossen europäischen Staaten (D, F, I) am grössten, da hier der grösste Anpassungsbedarf zu verzeichnen sei.
  4. “Insoweit Europa eine gemeinsame Kultur hat, ist diese in erster Linie amerikanisch.” Dieser Mangel an gemeinsamer europäischer Identität führt zu tiefsitzender Unsicherheit.

Besonders von These 3 halte ich wenig, da genügend empirische Gegenbeispiele (UK, Polen, Schweiz) existieren. In der ausführlichen Argumentation (Mitschnitt) bleibt er meines Erachtens immer nahe bei der Oberfläche, was mich ziemlich enttäuscht hat. Vermutlich dürfte das aber an der historischen Methode liegen - meine Erwartungen würden wohl eher von einem Paleo-Oekonomen als von einem Wirtschaftshistoriker erfüllt werden. Etwas suspekt war schon die Einleitung mit Marxens Gespenst der Amerikanisierung, das umgeht in Europa.

Die Veranstaltungsreihe entwickelt sich übrigens zunehmend zu einem Blogger-Mekka: Heute war nicht nur David dabei, sondern auch Barbara. Der anschliessende beercast wurde allerdings zensuriert … zum Schluss würde mich interessieren, ob derartige Veranstaltungsmitschnitte überhaupt genutzt werden / interessieren. Feedback, bitte!

3 Kommentare:

  1. Christian Schenkel, 11. Mai 2006, 6:40

    Hallo Christian

    Ich habe schon mal gesagt, dass ich solche Berichte von interessanten Veranstaltung sehr gerne lese; nur liebe ich den Medienbruch nicht so. D.h. ich höre mir die Podcasts selten an. Ich finde Hören weniger effizient als Lesen.

    Jedenfalls Danke für deine Inputs von aussen!

     
  2. Christian Schenkel, 11. Mai 2006, 7:03

    Nachtrag

    Ich glaube, es ist hilfreich, wenn du die zentralen Thesen und Aussagen zusammenfassen kannst, damit sie als Diskussionsgrundlage dienen. So wie in diesem Posting. Wer mehr Infos möchte, kann sich dann immer noch das Podcast anhören.

    Damit verschiebt sich die Arbeit natürlich vom Zuhören der Blogbesucher auf das Zusammanfassen des Autors.

     
  3. […] Metro|Cast Nr.2: Harold James über Europas Wirtschaft Von Redaktion  Ideen sind ihrem Wesen nacht nicht an nationale Grenzen gebunden, so die Ausgangslage des amerikanischen Wirtschaftshistorikers Harold James in diesem Metro|Cast Woher rühren europäische Ängste und Ressentiments, welche Globalisierung schlicht mit Amerikanisierung gleich setzen? Sind kleine Länder tendenziell besser gerüstet, sich den Erfordernissen einer globalisierten Wirtschaft anzupassen? Diese und viele Fragen mehr versucht Harold James in seinen Ausführungen zu beantworten. Amerikanisierung der europäischen Ökonomie? Ein Argument mehr sich das ganze Referat von 44 Minuten anzuhören? Neben Metro|Basel hat Barbara von Artcast und Christian für Freilich ebenfalls den ganzen Vortrag mitgeschnitten… (Aufgezeichnet am Mittwoch 10.5.06 an der Universität Basel, im Rahmen der Veranstaltungsreihe “Europa vs. Amerika vs. Europa - Gemeinsames und Trennendes zweier Welten”. Organisiert vom Europainstitut Basel) […]

     

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