Acheter 500 SCMN Limite 411
Bei freilich gibt es seit 1735 keine Anlageempfehlungen, und es wird auch nie welche geben. Zweck dieses Beitrags ist es, Lesern ohne Anlageerfahrung Einblick in die Denkweise professioneller Investoren zu geben. Es folgen die Ueberlegungen des fiktiven Portfolio-Managers Peter M. über sein jüngstes Engagement in Swisscom. PM ist gut in dem, was er tut - er ist kein Trader, sondern investiert mittelfristig, also mit einer Optik von ca. einem Jahr. Ich habe ihn instruiert, möglichst wenig Jargon zu verwenden.

Wenn mir einer noch vor 6 Wochen gesagt hätte, ich würde demnächst SCMN kaufen, ich hätte ihn für verrückt erklärt! Und doch habe ich eben gerade eine anständige Position aufgebaut. Die Kollegen am Desk meinen zwar immer noch ich spinne, aber ich denke, das kalkulierte Risiko macht Sinn. Jetzt muss ich mir bloss den case zurechtlegen für die Kundenbesprechung anfangs Februar. Der Typ kommt immer aus Dubai in die Skiferien nach St. Moritz.
Also, weshalb SCMN kaufen? Ganz sicher nicht wegen der Leistung dieses Alder. Man schaue sich bloss mal den Preis-chart (orange Linie) an! Seit Jahren tut diese Krücke gar nichts mehr. Seit erster Privatisierung eine Performance von 12% ist ja lächerlich. Sogar der SMI hat in der gleichen Periode fast 47% gebracht. Wenn der Merz jetzt 17 Mia vom Verkauf erwartet, hätte er mit einem einfachen Engagement im Schweizer Markt seitdem bei tieferem Risiko 23 Mia rausholen können - immerhin 6 Mia mehr! Das schenkt ein beim Zinsaufwand.
Aber klar, wir wollen fair bleiben: es ist nicht bloss die Swisscom, das zeigt die grüne Linie mit dem Telekom-Index. Die Sache läuft seit der Techno-Bubble ganz allgemein nicht mehr, und es ist auch klar warum: Telekom ist inzwischen sowas wie ein Wasserwerk - man drückt auf den Knopf und erwartet den Piepton. Keine besonderen Unterscheidungsmerkmale mehr, nur noch Preis und Marketing bei massivem Kapitaleinsatz, das ist alles. Dem Benutzer ist doch egal, wer für den Piepton sorgt, solange er kommt. Und wenn er nicht kommt, steht der nächste Anbieter schon in der Reihe, ob der nun den Hauptsitz in der Schweiz hat oder sonstwo. Beim Futter sind wir auch schon längst völlig vom Ausland abhängig, und da kümmert’s keinen mehr, obwohl das ja immer noch eine Runde wichtiger ist als das Telefon. Oder?
Besonders gut sieht’s für SCMN aber trotzdem nicht aus: Sie ist auf einen ziemlich kleinen Markt angewiesen, der wachstumsmässig kaum mehr was hergibt. Und dann hat sie erst noch bereits hohe Marktanteile, d.h. sie kann auch nicht mehr wachsen, indem sie anderen Anbietern Anteile wegschnappt - im Gegenteil: die sind mächtig scharf auf die Anteile der alten Monopolistin! Bis jetzt hat sich die Konkurrenz im vergleich zum Ausland ja noch einigermassen zurückgehalten (komisch, das!). Gerade bei Mobile geht’s jetzt aber vermutlich bald an’s Eingemachte, wo doch die Aldisierung dank Migros, Coop und Cablecom eingesetzt hat. Sowieso, Cablecom: die wollen mit ihrem Voice over Internet (VoIP) dem Festnetzgeschäft der alten Tante mächtig an die Wäsche. Und werden’s wohl schaffen, da werden die Texaner schon für sorgen: Im Moment drücke ich ja selber noch jeden Monat einen 40er für die ISDN-Leitung zu Hause (auch so eine hyperperfektionierte Technologie direkt in die Sackgasse) ab, aber in spätestens einem Jahr sieht die Swisscom von mir keinen müden Franken mehr, bei Cablecom kostet’s nämlich die Hälfte. Und von den neuen Verbindungstechnologien (WiMax und so) will ich gar nicht erst anfangen…
Uebrigens verstehe ich gar nicht, weshalb viele Politiker, v.a. die Linken, den Alder so toll finden. Mit Ruhm bekleckert hat er sich nämlich nicht gerade. Gut, er hat die Kostenbasis sec runtergefahren (eigentlich nicht sehr links, oder?), um die Marge bei fallenden Preisen stabil halten zu können. Aber seine Auslandstrategie tönt schon sehr nach dem Swissair Hunter, vom bisher in den Sand gesetzten Geld (sogar in die Swiss hat er "investiert"!) mal ganz abgesehen. Wo das nämlich hinführt, wenn man die McKinsey-Boys machen lässt, haben wir ja zur Genüge gesehen. Da muss ich dem Bundesrat ausnahmsweise mal Recht geben: well done!
Aber jetzt wird er sicher langsam ungeduldig, mein Scheich. Weshalb hab ich dann den Schrott gekauft, wo doch alles so mies aussieht, wird er fragen. Ganz einfach: es ist eine knallharte Spekulation auf die wirtschaftliche Vernunft des Schweizer Souveräns. Wenn der Laden nämlich auf den freien Markt kommt, oder vielleicht sogar direkt ab Finanzverwaltung an ein paar assortierte Heuschrecken verkauft wird, liegen ohne weiteres 30% bis 50% Prämie drin! Und laut Bundesrat soll’s ja fix gehen in der Sache. Recht so - der Blocher weiss halt, wie’s gemacht wird, ist ja nicht sein erstes Mal. Diese Idee ist übrigens noch überhaupt nicht im Markt drin, aber wenn die Jungs in NY, London und Schanghai ihre Hausaufgaben machen, werden sie wohl auch zu meinem Schluss kommen. Nur bin ich dann schon drin …
Natürlich gibt’s auch Risiken dabei, aber der downside ist limitiert, mindestens innerhalb meines Anlagehorizonts. Die Dividendenrendite von über 3% versichert mich nämlich gegen starke Kursstürze, und die vom Bundesrat vorgestern verlangte Sonderausschüttung freier Reserven an die Aktionäre schadet ebenfalls nicht - verbindlichsten Dank! Die Versicherung verschwindet natürlich umgehend, wenn die Zinsen steigen sollten - dann muss ich halt ziemlich fix raus, bevor’s die anderen spitz kriegen. Dann geht’s nämlich abwärts mit der Aktie & dem Volksvermögen, Abstimmung hin oder her.
Die beiden grössten Risiken sind aber politischer Art: Das erste sind diese flankierenden Massnahmen (wieder so ein politischer Euphemismus!), mit denen die öffentliche Meinung gekauft werden soll. Aufgrund der Corporate Governance Orientierung der Bundesrates habe ich aber Vertrauen, dass sie nicht übermässig effizient ausgelegt werden. Das zweite ist natürlich die Volksabstimmung! Im Moment sieht’s zwar noch nicht so gut aus, aber wenn sich die Leute überlegen, was da alles schiefgehen kann mit der SCMN (s. oben), werden sie schon zum richtigen Schluss kommen. Wenn nicht, dann höre ich schon das Gejammer in zehn Jahren, wenn der Bundesrat einen Abschreiber von 10 Mia machen muss - hätten wir doch bloss …! Aber das ist mir eigentlich egal, bis dann habe ich sowieso vor, irgendwo in der Karibik meine Steuern zu zahlen, oder vielleicht in Liechtenstein, da überlegen sie sich jetzt die Einführung der flat tax, hab’ ich kürzlich in einem blog gelesen. Kommt mich zwar wahrscheinlich teurer zu stehen, aber die eingesparte Zeit und die Nerven mit dem Steuerberater sind auch was wert! Ueberhaupt, warum müssen gute Steuerberater immer so stier sein?! Aber halt, das ist ja jetzt ein ganz anderes Thema …

Gar nicht so dumm, diese Börsenheinis. Dennoch würde ich wohl zögern, Aktien eines Unternehmens zu kaufen, dessen CEO öffentlich kundtut, sein Unternehmen würde ohne schützende Hand des Staates sofort von einem Konkurrenten geschluckt. Gut, wenn die Privatisierung bald vonstatten ginge, könnte man mit einer Prämie rechnen, die das ausländische Wettbieten ermöglichte. Bis es soweit ist, sind aber noch zahlreiche politische Hürden zu nehmen - und bis dahin muss der Aktionär mit dem gemäss impliziter Selbsteinschätzung ineffizienten Management Vorlieb nehmen.
Ich bin fast voll einverstanden mit dem Börsenheini;-) Nur zweifle ich daran, dass der Zeithorizont von einem Jahr ausreicht.
[…] Wenn das so weitergeht mit den Wirtschaftsnachrichten, machen wir wohl bald Reuters, Bloomberg & Co. Konkurrenz. Aber das wollen wir ja nicht. Daher nur kurz ein update von unserem fiktiven Portfolio-Manager P.M.: […]
[…] Heute Morgen durfte Nationalrat Franz Brun (CVP, LU) in den Nachrichten zum Besten geben, weshalb er gegen die Privatisierung der Swisscom ist. Es sei einfach falsch, die beste Milchkuh im Stall zu verkaufen, gab der Bauer aus Ruswil zu bedenken. Kein Wunder griff Brun zu diesem Vergleich: Bekanntlich ist Ruswil die Gemeinde mit den meisten Kühen in der ganzen Schweiz - ganze 3212 Stück zählte der Tagesanzeiger im letzten Sommer. Wer diese angebliche Hochleistungskuh genauer betrachtet muss erkennen, dass es sich bei der Swisscom längst nicht mehr um eine tolle “Erstmelk-” oder erprobte “Zweitmelk”-Kuh handelt. Ganz im Gegenteil: Die milchigen Jahre dieser Firma sind vorbei. Telekommunikation allgemein ist ein risikoreicheres Geschäft mit schwierigen Ertragsaussichten geworden und die Swisscom im Besonderen hat Ertragsschwierigkeiten. Das Parlament (und auch Franz Brun) hat der Öffnung der letzten Meile zugestimmt und dann droht noch eine Strafe der Weko von fast 500 Millionen Franken wegen zu hoher Interkonnektionspreise. Das ist etw. so wie wenn Franz Bruns beste Kuh eine akute Euterentzündung hätte und gleichzeitig in den Hungerstreik träte. Fazit: Lieber keine Kuh im Stall als so eine. Dann sind es halt nur noch 3211! (Foto: Pixelquelle) […]
[…] Uebrigens, P.M. hat sich kurz nach Bekanntgabe des endgültigen Scheiterns der Privatisierung von seiner Position getrennt. Er hat SCMN jetzt auf seiner SHORT-watchlist … […]