Euroshima: Die schleichende Enteignung
Die Kernschmelze des Euro-Systems, treffend als “Euroshima” bezeichnet, hat auch etwas gutes: Vater Staat wird nicht mehr qua Amt als vertrauenswürdiger Schuldner betrachtet.
“Die Welt” berichtet hier sehr treffend, wie der verzweifelte Versuch des Staates, seine Schuldscheine an den Mann und die Frau zu bringen, in einem inflationären Umfeld (wie dem unseren) mittelfristig wie eine schleichende Enteignung wirkt:
Schleichende Umverteilung von Kapitalbesitzern auf den Staat
Das Ganze kommt einer schleichenden Umverteilung von den Kapitalbesitzern auf den Staat gleich. Wissenschaftler haben bereits einen Ausdruck für diese Art staatlichen Zinsdiebstahls ersonnen. Sie nennen es „finanzielle Repression“. In den vergangenen Jahrzehnten kannte man diese finanzielle Repression eher aus Entwicklungsländern. Nun verfallen die Regierungen der Industrieländer darauf.
„Die finanzielle Repression wirkt wie eine Steuer auf die Ersparnisse“, sagt Christoph Balz, Ökonom bei der Commerzbank. Für die Politik sei dieses Instrument sehr attraktiv, weil die wahren Belastungen besser verschleiert würden als bei einer Hyperinflation, bei Ausgabenkürzungen oder bei offenen Steuererhöhungen.
Es handelt sich bei diesem Vorgang wohlgemerkt keinesfalls um eine Enteignung des “Grosskapitals”, denn belastet werden vor allem die “kleinen Einkommen” und jene “einfachen Sparer”, die noch immer die Hoffnung hegen, durch Staatsanleihen etwas für das Alter beiseite legen zu können. Ein gefährliches Spiel, denn wie werden die enttäuschten Bürger wohl reagieren, wenn sie feststellen, dass sie über Jahre heimlich, still und leise beraubt wurden?
Bedenklich auch, dass es aufgrund der massiven finanziellen Schieflagen der Euro-Länder nahezu ausgeschlossen ist, dass der Weg der schleichenden Enteignung wieder verlassen werden kann:
Anhalten wird die finanzielle Repression wohl auch deshalb, weil die Haushaltslage in fast allen großen Ökonomien besorgniserregend ist. Deutschland ist mit fast zwei Billionen Euro verschuldet und damit so hoch wie noch nie. Müssen die Finanzminister von Bund und Ländern einen Prozentpunkt weniger Zins auf ihre Schulden zahlen, entlastet sie das um 20 Mrd. Euro im Jahr.
Wenig überraschend, dass vor diesem Hintergrund vielerorts vor der vermeintlich gefährlichen “Goldblase” gewarnt wird, denn weniges fürchtet Vater Staat so sehr, wie die massenhafte Flucht aus den öffentlichen Schuldpapieren ins Gold. Eine solche Flucht würde die Haushalte der westlichen Wohlfahrtsstaaten in sich zusammenfallen lassen, wie Kartenhäuser:
Sparer bleiben nur wenige Möglichkeiten, der Repression zu entkommen: Aktien sind weniger manipuliert als Anleihen, schwanken aber stark im Kurs und kommen daher für sicherheitsorientierte Sparer nicht in Frage. Attraktiv erscheint Gold: Bei negativen Realzinsen fällt nicht ins Gewicht, dass das Edelmetall keine laufenden Erträge abwirft. Nach Gold hat der Staat seine Hände noch nicht ausgestreckt. Aber es wäre nicht das erste Mal, dass auch das passiert.
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