Archiv Oktober, 2008

Die Macht der Medien?

Angeregt durch ein Seminar der Progress Foundation zu “Populismus, öffentliche Meinung und Demokratie“, beschäftige ich mich weiter mit Fragen der öffentlichen Meinung und der Ir/Rationalität der Wähler.

Hier nun ein wirklich interessanter Artikel zum vielleicht berühmtesten oder zumindest populärsten Fall vermeintlicher Medienwirkungen: Orson Welles’ “Krieg der Welten”. Die Verängstigung und Panik der Zuhörer nach der Ausstrahlung dieses Hörspiels galt lange als Illustration der enormen Macht der Medien über die öffentliche Meinung. Diese Ansicht steht jedoch in einem deutlichen Kontrast zu den späteren Erkenntnissen der Medienwirkungsforschung. Michael Socolow wirft daher einen zweiten Blick auf die Wirkungen des Hörspiels und deren Aufarbeitung.

Es mag frustrierend sein für sendungsbewusste Journalisten wie bspw. Frank A. Meyer (ein Unwort beim erwähnten Seminar), aber ihre Macht über die Wahrnehmungen, geschweige denn Präferenzen des Publikums (und damit der Wähler) bleibt sehr, sehr beschränkt.

La Suisse, c’est l’Anarchisme

„Es gibt etwa 50 Steuer- und Justizparadiese weltweit“, sagte der Ex-Chef der Großbank BNP, Daniel Lebègue, vor der Konferenz der Zeitung „Le Parisien“. „Das sind rechtsfreie Zonen“, wo auch Geld gewaschen werde.

Da musste erst ein OECD-Verwalter kommen, um mir klar zu machen, dass man in der Schweiz in einer rechtsfreien Zone lebt. Jetzt fühle ich mich natürlich gleich viel unsicherer…

Ehre, wem Ehre gebührt

Dass der Ringier-Verlag auch Qualität produzieren kann, zeigt dieser ausgezeichnete Kommentar von Wolfram Weimer in Cicero:

Während die Öffentlichkeit noch über Banker und Börsen lästert, wird immer deutlicher was der wahre Verursacher dieses Sturms gewesen ist: George Bushs Irakkrieg, seine gewaltigen Kosten und die Abwälzung derselben in die Schuldenindustrie. Die aggressive Niedrigzinspolitik von Bushs Zentralbank in Kriegszeiten löste einen Debitoren-Tsunami aus, den wir heute alle bezahlen müssen. (…)

Wer heute die „gierigen Banken“ oder den „ungezügelten Kapitalismus“ für die amerikanische Kreditblase verantwortlicht macht, der springt zu kurz. Sie sind nur Verstärkereffekte einer gewaltigen und skandalösen Welle, die längst unterwegs war. Das Fehlverhalten einzelner Kreditinstitute ist rückblickend betrachtet, wie die Schaumkrone eines Kriegstsunamis. Selbst wenn wir all unsere Banken von Anfang an verstaatlicht gehabt hätten, den Bushkrieg hätte die Welt doch bezahlen müssen. Bereits so waren unsere Staats- und Landesbanken an vorderster Stelle mit dabei. (…)

In den kommenden Jahren wird die Staatsverschuldung der entscheidende Indikator dafür sein, ob die Krise tatsächlich überwunden oder nur in den nächsten Rezessionszyklus verschoben ist. Nicht der ungezügelte Kapitalismus hat uns in diese Misere gebracht. Sondern eine ungezügelte Staatspolitik eines ungezügelten Präsidenten. Zum Glück geht seine Amtszeit zu Ende.

Bravo! Sehr lesenswert.

[Dank an elsa bei paxx.tv]

Der (ir)rational ignorante Wähler

Der Wähler, das unbekannte Wesen. Die Politökonomie geht traditionell von einem durchaus rationalen, aber ignoranten Wähler aus. Bryan Caplan geht in einem lesenswerten Buch einen Schritt weiter - seines Erachtens sind Wähler nicht nur ignorant, sondern auch irrational.

Nun, wer würde das bezweifeln, angesichts solcher Berichte aus den USA:

The two most unreal moments of my professional life of watching focus groups:

54 year-old white male, voted Kerry ‘04, Bush ‘00, Dole ‘96, hunter, NASCAR fan…hard for Obama said: “I’m gonna hate him the minute I vote for him. He’s gonna be a bad president. But I won’t ever vote for another god-damn Republican. I want the government to take over all of Wall Street and bankers and the car companies and Wal-Mart run this county like we used to when Reagan was President.”

The next was a woman, late 50s, Democrat but strongly pro-life. Loved B. and H. Clinton, loved Bush in 2000. “Well, I don’t know much about this terrorist group Barack used to be in with that Weather guy but I’m sick of paying for health insurance at work and that’s why I’m supporting Barack.”

I felt like I was taking crazy pills. I sat on the other side of the glass and realized…this really is the Apocalypse.

Auch in bewegten Bildern und auf Seiten der Obama-Gegner ergeben die Wähler nicht mehr Sinn.

Am Wochenende werde ich das Vergnügen haben, diese und ähnliche Themen mit spannenden Gesprächspartnern zu erörtern. Mal sehen, ob ich der Demokratie anschliessend mehr Vertrauen entgegen bringe ;-)

Nobelirium

Roderick Long über den diesjährigen Empfänger des Ökonomie-Nobelpreises:

What’s next – a Nobel prize in biology to a creationist?

Das trifft angesichts der aktuellen Finanzkrise ein wenig meine erste Reaktion…

Bryan Caplan ist dagegen deutlich optimistischer:

[A]s a cock-eyed optimist, I’m very happy to have him around. Think about it: The world’s most famous left-wing economist: 

1. Blames European unemployment on labor market regulations that hold wages above the market-clearing level. (The Accidental Theorist, Part 1)

2. Publicly and articulately advocates free trade without hemming or hawing. (Pop Internationalism)

3. Identifies anti-globalization activists as the enemies of the world’s poor. (The Accidental Theorist, Part 3)

4. Titles an essay “In Praise of Cheap Labor: Bad Jobs at Bad Wages Are Better than No Jobs at All” (The Accidental Theorist, Part 3)

5. Points out that if you oppose Big Government, you should favor cutting Social Security, Medicare, and other popular programs. (”The Lost Fig Leaf”) Sure, he’s hoping to scare us away from libertarian rhetoric, but there’s no use running away from the truth.

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