Das deutsche Handelsblatt kommentiert in aller Deutlichkeit die jüngste Empörungswelle um und Angriffswelle auf das Schweizer Bankgeheimnis. Dabei wird die Position etwa der deutschen Regierung als “scheinheilig” bezeichnet:
Genau das aber wollen die scheinheiligen Herrschaften in Brüssel und Berlin nun wirklich nicht länger hinnehmen. Schon ist im Vorfeld des Bochumer Prozesses aus dem Bundesfinanzministerium zu hören, der Kampf gegen die Steueroasen im hochalpinen Gelände müsse dringend verschärft werden. Von “nationalen Maßnahmen” ist die Rede, gar von “Folterinstrumenten”, um den Steuerregimen in Bern und Vaduz endlich das fiskalpolitische Handwerk zu legen.
Worin aber besteht die hier kritisierte Scheinheiligkeit der brüsseler und berliner Politiker? Etwa darin, dass sie mit ihrer Fiskalpolitik erst das Geld ihrer Bürger ins Ausland treiben? Oh nein, das Handelsblatt erkennt Scheinheiligkeit darin, dass auch in den eigenen Grenzen nicht entschieden genug gegen das Bankgeheimnis vorgegangen wird:
Denn dass überhaupt noch Steuerparadiese mitten in Europa existieren, ist ein Versäumnis der Brüsseler Demokratie. Oder anders ausgedrückt: Die Bankiers am Züricher Paradeplatz und in der nahe gelegenen Rheintalmonarchie nähren ihre Kleinstaaten nur deshalb so prächtig, weil die EU es zulässt, ja sogar fördert. Als Brüssel 2005 etwa die Zinsrichtlinie samt Quellensteuer verabschiedete, klopften sich die Bankiers in Zürich und Vaduz auf die Schenkel. Denn um den eigenen Mitgliedstaaten Belgien, Luxemburg und Österreich ihr Bankgeheimnis zu lassen, schuf die EU- Bürokratie derart viele Ausnahmen, dass auch die Schweiz und Liechtenstein fintenreichen Steuerhinterziehern fürderhin fürsorglich als Fluchtort dienen können.
Die Fronten sind damit klar - und es soll ungemütlich werden, nicht
nur für die Schweiz und Liechtenstein, sondern vor allem erstmal für die unglückseligen EU-Mitglieder:
Das Beispiel lässt nur einen Schluss zu: Die EU muss erst das eigene Territorium von kleinstaatlichem Denken und steuerpolitischem Pfusch befreien, bevor sie auch Drittstaaten zur Verantwortung ruft. Anders ist der Geldfluss ins Ausland nicht trockenzulegen.
Klare, harte - und irgendwie sehr deutsche Worte. Das derzeitige Vorgehen der US-Regierung wird entsprechend konsequenterweise gelobt:
Die USA würden so schaffen, was Finanzminister Peer Steinbrück und seine Kollegen schon seit Jahren vorgeblich versuchen - und was Dürrenmatt fürchtete: “Ohne das Schmiermittel Bankgeheimnis liefe auf der Welt gar nichts.”
Es kann nur nochmals wiederholt werden: Die Schweiz sollte sich keine Illusionen bezüglich des Charakters und der Absichten ihrer “europäischen Freunde” machen. Beim Geld hört bekanntlich die Freundschaft auf - und bei “seinen” Steuern hat Vater Staat noch nie viel Spass verstanden.