Archiv April, 2006

Basler gegen den Föderalismus

Viele Politiker rufen nach mehr politischem Engagement von Wirtschaftsvertretern. Werden sie mögen, was sie sich da wünschen?

Nach der Stellungnahme von Daniel Model von vorhin weise ich nun gerne auf eine umfassende politische Lagebeurteilung unseres Landes durch Rolf Schäuble, CEO Basler Versicherungen hin. Er sieht den Föderalismus heutiger Prägung als “letzten Dinosaurier”, der für wertschöpfungsfreie Umverteilung steht. Beim Zielzustand von 5 bis 7 Gebietskörperschaften und Zusammenlegung aller Gemeinden mit weniger als 5000 Einwohnern sieht er ein Effizienzpotential von CHF 11.2 Mia jährlich bei wesentlich verkürzten Entscheidwegen.

Dem vom Finanzdepartement ausgerufenen Ziel der Stabilisierung der Staatsquote verleiht er das Prädikat ehrenvoll, aber nicht ausreichend. Gerne hören wir auch, wie Schäuble einer drastischen Vereinfachung des Steuersystems nach dem Vorbild der flat tax das Wort redet.

Unsere politischen Zauberlehrlinge werden noch ihre liebe Mühe haben mit den Geistern, die sie riefen.

Auspowern oder Empowern?

Meine Antwort als Unternehmer aber vor allem als Mensch ist klar: Vertrauen schenken, Freiräume geben (sich gleiches auch von der eigenen Umgebung wünschen) und schauen, ob und was passiert. Wenn etwas passiert, dann gilt: Freue dich im Falle einer Entwicklung und entsorge eine allfällige Enttäuschung! So einfach funktioniert Empowerment.

Und was macht der Staat? Er betreibt systematischen Energiediebstahl, indem er jeden Tag viele Seiten voller Gesetze, Verordnungen und Reglemente hervorbringt, die den Freiraum seiner Bürger mehr und mehr einengen. Er ignoriert dabei, dass gerade dieser Staat die Kraft zu seiner Gründung aus einer Hauptquelle schöpfte: der tiefen Sehnsucht nach Freiheit. Die aktuelle Classe Politique (im Dialog mit seinen Bürgern?) hat aber vor der Freiheit die Hosen gestrichen voll und flüchtet sich in die Illusion kollektiver Versicherungssysteme, die permanent, weil institutionalisiert, vertrauensentziehende Botschaften aussenden:

  • „Bürger, du bist nicht in der Lage für dein Alter vorzusorgen – wir übernehmen das für dich mit der AHV.“
  • „Familie, du bist nicht in der Lage, den Schicksalsschlag der Invalidität eines deiner Mitglieder zu verkraften – wir machen das für dich mit der IV.“
  • „Bürger, du kannst das Problem deiner Arbeitslosigkeit nicht selber lösen – wir verordnen die Lösung mittels der ALV.“
  • „Mann, du bist ein unzuverlässiges Konstrukt, weil du nicht in der Lage bist, für deine Partnerin als werdende Mutter zu sorgen – wir machen bzw. verordnen das mit der Mutterschaftsversicherung“ usw., usw.. ….

Diese Botschaften brauchen nur etwas Zeit bis sie wirken und sie tun es leider auch: Auspowerung pur: Psychische Erkrankungen nehmen laufend zu - die Selbstmordrate in der Schweiz ist erschreckend hoch; Familien bzw. vor allem die Kinder verwahrlosen – die CH Jugend erhält den zweifelhaften Titel der Kiffer-Europameister verliehen etc. etc. etc…

Diese sogenannte Sozialpolitik basiert auf der völlig verfehlten Annahme, dass das Einpacken des Bürgers in Watte einer „Schmerzfrei GmbH“ sozial sei. In Tat und Wahrheit ist es eine teuflische Tat, die den Menschen die Rückmeldung über die Konsequenzen ihres eigenen Tuns verwehrt. Die Folge: Orientierungslosigkeit, soweit das Auge reicht.
Der steuerzahlende Bürger finanziert damit nicht einfach einen leicht desorientierten Staat, sondern seinen Feind in Form eines Energiediebes! Der Deal stimmt auch für diejenigen (opportunistischen) Bürger nicht mehr, die sich immer noch als Nutzniesser dieser gigantischen Umverteilung des Staates Version 1.0 wähnen, weil sie ganz einfach energetisch degenerieren.

Dem Staat geht es dabei genau gleich: Ironischer- und typischerweise schlägt jetzt u.a. auch noch die Demografiefalle zu, denn Kinder machen braucht eben u.a. auch noch die positive Energie der Zuversicht. Staat und Gesellschaft investieren immer mehr Ressourcen in die Aufrechterhaltung der kollektiven Sicherungsillusion. Die zunehmende Hektik dieser Aktivitäten erinnert an die Ratte, die sich im immer schneller drehenden Rädchen abmüht: Kollaps programmiert!

Wenn wir uns dann noch vor Augen führen, mit welcher pathologischen Emsigkeit dieser Staat seinem Machbarkeitswahn weiter fröhnen will, dann wünscht man sich ……………………..(lieber Leser: hier blinkte nun die Overload-Anzeige am Keyboard, weshalb ich jetzt schlussmachen muss)
………………… das Ganze könnte ja eine Fortsetzungsgeschichte werden, also später vielleicht mehr; hier nur noch das: Wenn du Kinder auch so liebst, wie all diejenigen, die sich schon zur 5. Kid’s Charity Gala vom 19. Mai in Weinfelden angemeldet haben (und es sind bereits rund 150), dann komm doch auch an dieses Megafest - tschüss unterdessen.

dm

Nachtrag Politblogkonferenz

Ich war zu spät, es war toll, es gibt keine schlimmen Photos von mir, Ergebnis:

Wir haben zwei neue Mitautoren.

1. Dr. Daniel Model, Chairman der Model Gruppe

Das finde ich toll, weil ich so ein Fan von Verpackungen bin. Bringen andere Leute Muscheln aus ihrem Urlaub mit, transportiere ich leere Cornflakespackungen durch die halbe Welt. Das ist aber für alle toll, weil der Mann vor einem Monat seinen eigenen Staat gegründet hat. Er sagt durchaus auch aus Verzweiflung über die Schweiz, und ich kann sie so gut nachvollziehen, andererseits freue ich mich gerade viel zu sehr, dass jemand tatsächlich sowas durchzieht. Also erwartet Beiträge eines mutigen Mannes und erfolgreichen Unternehmers.

2. Michael Gisiger, geschätzter Blogger von libertaer

Er wird schweizspezifische Beiträge bei uns einstellen. Schon wieder eine Freude. Seine tollen Beiträge kann man ansonsten bei liberty finden.

Rufen wir also weiter nach diesen liberalen Geistern - dies wird nicht ungehört bleiben! 

Take away!

Offener Brief an Walter Rüegg

Lieber Herr Rüegg,

als langjähriges Mitglied (Nummer 14xy) des DRS 2 Kulturclubs habe ich Ihr Intro im letzten Club-Faltblatt gelesen. Sie benutzen das Forum, um zu Handen eines DRS 2 zweifelsohne wohlgesonnenen Publikums Schreckszenarien zu entwerfen, was wäre wenn DRS 2, oder - schlimmer noch - das Radio überhaupt verschwinden würde. Dem stellen Sie eine “kleine” Einsparung von CHF 14.10 pro Monat (169.20 pro Jahr tönt schon nach mehr, nicht?) gegenüber.

Nun, Herr Rüegg, es dürfte Sie wundern, dass sich sogar in dieser Gruppe “Erzliberale und Neokonservative” finden, die sich an einem solchen “Sieg über die so genannte (sic!) Monopolanstalt SRG” freuen würden! Ich bestreite nicht: Ich mag DRS 2 meistens - jedes Mal höre ich es aber mit schlechtem Gewissen angesichts der Tatsache, dass mein Minderheitengeschmack von einer Mehrheit gegen ihren Willen mitfinanziert wird. Deshalb bin ich auch bereit, einen freiwilligen Beitrag an diese Kosten zu leisten.

Was also wäre 5 Jahre nach Abschaffung der idée suisse? Selbst die global agierende BBC hat erkannt, dass sie ihre Daseinsberechtigung nur durch tiefgreifende Anpassung an neue Medienformen erhalten kann - oder untergehen muss. Für die kleine SRG ohne Hinterland und besondere Reputation bedeutet das wohl, dass 5 Jahre nach ihrer Liquidation kein Hahn mehr nach ihr krähen wird - man wird sich im Gegenteil beglückwünschen, endlich die Rahmenbedingungen geschaffen zu haben für eine intelligente, kreative Medienszene mit Ausstrahlung auf alle drei umliegenden Sprachräume.

Aber keine Sorge, das wird noch ein wenig dauern.

Staat, Nation & Religion

Wie erinnerlich hat heute abend eine weitere Folge der Veranstaltungsreihe USA / Europa stattgefunden.

Gret Haller referierte das Thema ihres Buches, was sich gemäss Programm wie folgt zusammenfassen lässt: Europa hat die Religion im westfälischen Frieden 1648 der Staatlichkeit untergeordnet, während die Auswanderer nach Amerika die umgekehrte Rangfolge wählten. Der staatspolitischen Identität nach europäischem Muster entspricht in den Vereinigten Staaten eine ausgeprägte nationale Identität, welche moralisch und teilweise religiös fundiert ist. Das Referat wird auf dieFrage eingehen, welche Rollen in diesem Kontext dem Recht und der Moral zukommen.”

Zunächst sei vorausgeschickt, dass ich das erste Mal mit Frau Hallers Thesen in Berührung gekommen bin (abgesehen davon). Während viele Beobachtungen Hallers ohne Zweifel interessant und zutreffend sind, bin ich mit ihrer Grundthese nicht einverstanden, wonach nämlich das US-amerikanische Selbstverständnis von einem religiösen und somit quasi fundamentalistischen Sendungsbewusstsein beseelt sei, was in starkem Kontrast zum skeptischen europäischen Säkularismus stehe. Daraus leitet Haller eine wachsende Dichotomie zwischen den USA und Europa ab.

Natürlich fällt es mir nicht eben leicht, angesichts von intelligent design und der Administration von Herrn Bush junior die besagte These von der Hand zu weisen. Ohne Zweifel gab und gibt es starke, religiös motivierte Gruppierungen. Trotzdem behaupte ich, dass die Gründerväter den Säkularismus praktisch erfunden haben, dank dessen heute mittels Gerichsverfahren der Einzug religiöser Indoktrination in den Schulunterricht unterbunden wird. Im übrigen habe ich keinen Einwand dagegen, dass im politischen Zusammenhang von einem quasi-religiösen Selbstverständnis die Rede ist. Dieses Selbstverständnis bezieht sich allerdings (bei aufgeklärten Zeitgenossen immerhin) nicht auf religiöse Inhalte, sondern auf die Verfassung selbst und die von ihr begründete Ordnung, die z.T. tatsächlich mystisch überhöht wird. Da die Verfassung im Gegensatz zu tendentiell totalitären Religionen auf eine offene, gewaltenteilige Gesellschaft angelegt ist, kann ich darin nichts Schlechtes erkennen, insbesondere keinen fundamentalen Wertegegensatz zwischen Europa und den USA.

Leider konnte ich die Vorlesung diesmal nicht aufnehmen. Ich weiss aber, dass Barbara Strebel von Artcast mitgeschnitten hat. Mal sehen, ob sie diesen Mitschnitt bald veröffentlichen kann, oder ob zuerst die Pipeline von fast 50 Interviews geleert werden muss (für die sie übrigens einen Sponsor sucht!)

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