Archiv 'Bildung'

Luege, lose, laufe

Oder der Weg in die unsichtbare Knechtschaft II

Meinen ersten Kontakt mit dem Gesetz und dessen Vertretern hatte ich als Vier- oder Fünfjährige im Kindergarten. Ein netter Polizist nahm uns an eine Strasse mit und erläuterte uns das richtige Verhalten im Verkehr. Dies, nachdem wir alle schon seit  einem Jahr selbstständig in den Kindergarten gelaufen waren.

Er erklärte uns, dass wir am Fussgängerstreifen immer “warte, luege, lose, laufe” sollten, was mich in tiefe Verzweiflung stürzte, da ich schon immer unfähig war, irgendetwas auswendig zu lernen. Nicht etwa, weil ich besonders rebellisch war, sondern ganz im Gegenteil, weil ich, so wie es mir von Kleinauf eingebläut worden war, besonders gut machen wollte, was die Autorität mir vorschreibt, fragte ich ihn, wieso luege vor lose käme und nicht umgekehrt. Er müsse mir das erklären, ich könne es mir sonst nicht merken. Der Polizist antwortete, das sei halt so, weil man dadurch den Spruch besser auswendig lernen könne. Was mich ehrlichgesagt sofort total zum Ausrasten brachte. Ich begann zu weinen und brüllte ihn an, er sei unlogisch, weil ich ihm doch gerade gesagt hätte, dass ich das ohne Erklärung nicht könne. Worauf ich von der Kindergärtnerin nach Hause geschickt wurde. Alleine, ohne den sicherheitsspenden magischen Spruch zu kennen und nicht gerade im emotional gefestigsten Zustand. Zu Hause wurde ich dann gezwungen, mich bei der Kindergärtnerin und dem Polizisten zu entschuldigen, da ich im Unrecht sei. Was ich dann irgenwanneinmal auch zu glauben begann.

Ich brauchte mehr als zwanzig Jahre, um zu sehen, dass nicht ich der Vollidiot in der Geschichte bin. Wobei meine Eltern, meine Kindergärtnerin und der Polizist weiterhin das Gegenteil behaupten würden. Und sich diese kleine, eigentlich unwichtige Geschichte tagtäglich milliardenfach wiederholt.

Lehrerinnenreport IX

Dem Hep Verlag kann man ja eigentlich nur danken, gibt (gab?) er doch eine Reihe zur Freiheitsphilosophie heraus, wo er z.B. Roberts cooles Buch “Dichter der Freiheit” oder Bastiats “Der Staat - die grosse Fiktion” verlegt. Also: Danke vielmals!!
Dennoch sind auch seine Lehrmittel zum Thema Wirtschaft für mich z.T. nur mit Bauchschmerzen zu lesen. Dankenswerterweise stellt er den Lehrpersonen ein paar Arbeitsblätter und Foliensätze für den Unterricht frei zugänglich ins internet. So auch zum Thema “Wirtschaftsordnungen” (ppt). Ich zitiere aufeinanderfolgende 4 Folien zum Thema Liberalismus/Kapitalismus, die soweit ich verstehe auch in Buchform zu beziehen sind:

Liberalismus/Kapitalismus

Liberalismus ist eine Geisteshaltung, die die individuelle Freiheit als Grundlage der Gesellschafts- und Wirtschaftsordnung ins Zentrum stellt. (So weit so gut.)
Eine Gesellschafts- und Wirtschaftsordnung, in der der Faktor Kapital im Vergleich zu anderen Wirtschaftsfaktoren (Arbeit, Grund und Boden) überproportional Bedeutung hat, nennt man Kapitalismus.

Probleme:

Der grosse Wohlstand, den die Wirtschaft erzielt, wird sehr ungleichmässig verteilt, aus dieser ungleichverteilung resultieren Arbeitslosigkeit, Hunger usw.; Konsumgesellschaft; in der Praxis fehlende Chancengleichheit; höchst umstrittene Umsetzung der Demokratie (Geld regiert); der Markt hat kein “Gewissen” (Aidsmedikamente in der Dritten Welt, Klimawandel etc.)

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Historisch:

Durch die missliche Lage der Arbeitnehmerschaft hat sich in fast allen kapitalistischen Ländern heute eine soziale Marktwirtschaft etabliert, die gewisse staatliche Regulierungen zulässt, die freie Marktwirtschaft ist gescheitert.

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Aktuell:

Vertreter des Neoliberalismus (in der Schweiz u.a. in der FDP und SVP) befürworten heutzutage eine Politik der freien Marktwirtschaft. Gestützt werden sie in erster linie durch verschiedene Wirtschaftsverbände.

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Zum Thema Sozialismus/Kommunismus steht dann unter Probleme: “Wurde nie realisert”  und: “steht laut Kritikern im gegensatz zur natürlichen Profitgier des Menschen, die von den Sozialisten interpretierte Klassenrhetorik ist heute sehr schwammig.” Und unter aktuell: “Heute kämpfen sozialistische Bewegungen in erster Linie für die Demokratisierung aller Lebensbereiche, auch der Wirtschaft. Aktuell finden sich in Südamerika verschiedene Staaten, die nach einer freien demokratischen Alternative zum Kapitalismus suchen. In der Schweiz bemühen sich Teile der SP und die Parteien links der SP für einen demokratischen Sozialismus. Die Arbeit sozialistischer Bewegungen wird in den westlichen Ländern heute u.a. auch durch die Globalisierung erschwert. Arbeit zu schlechten Bedingungen, die uns hier günstige Preise ermöglicht, hohe Arbeitslosigkeit, Hunger usw. haben sich mehrheitlich in die Entwicklungsländer verschoben.”

Ok, es sind keine Bilder von Katzenbabys auf den Folien zum Sozialismus abgebildet, von daher ist das Ganze natürlich überhaupt nicht voreingenommen.

Storybook

Tagtäglich lese, höre und sehe so viele erstaunliche Geschichten, die ich im Unterricht gebrauchen könnte, um meinen SchülerInnen “Wirtschaft” zu veranschaulichen, dass ich schon mindestens tausend Mal dache: ” Dass muss ich mir aufschreiben, sonst vergesse ich es eh”.

Was ich aber nie tue.

Was mir stets den Vorwurf einbrachte, ich präsentierte immer nur Beispiele mit Nutten. Was auch stimmt. (Wenn sogar ich die mir merken kann, dann wohl auch die SchülerInnen.)
Was ich hiermit ändere.

Sorry, wenn ich damit von den high quality Beiträgen von Christian ablenken werde. Sorry, wenn ich nicht für jede Idee eine Quelle angeben kann, aber ich werde mich bemühen. Somit also

Beispiel 1:

Vor 5 Jahren wusste niemand, was oder wer google ist. Heute gibt es täglich 300 Millionen Suchanfragen via google.

Vor 5 Jahren wusste  niemand, was ider wer facebook ist. Heute hat facebook 300 Millionen Mitglieder.

Vor 5 Jahren war die öffenltiche Schule genauso scheisse wie heute.

Quelle, mindestens für die ersten zwei Behauptungen: America’s Top Models: Can the Nation’s Best Charter Schools Be Brought to Scale?