Kleine Schritte in die falsche Richtung
Die Reaktionen zum heutigen Abstimmungssonntag werden sich vermutlich auf die Ablehnung einer Anpassung des Umwandlungssatzes in der BVG konzentrieren. Nicht zu unrecht, denn dieses Ergebnis lässt tatsächlich aufschrecken: Über 70% der Stimmbürger wollen die demographischen Realitäten nicht anerkennen, und sich trotz längerer Lebenserwartung Renten in einer Höhe auszahlen lassen, die durch den angesparten Kapitalstock schlicht nicht gedeckt sind. Das wird teuer für die künftigen Generationen - aber die haben nunmal keine Mehrheit bei derartigen Abstimmungen.
Bedenklich stimmt mich jedoch darüber hinaus die Vielzahl weiterer, regionaler Entscheidungen, die eine ganz klar anti-liberale, zentralistische und interventionistische Tendenz aufweisen:
- Der Kanton Freiburg tritt dem völlig überflüssigen Schulkonkordat HarmoS bei, der das Bildungswesen auf nationaler Ebene vereinheitlicht, und damit Subsidiarität, Vielfalt und Flexibilität im Bildungswesen reduziert. Der Kanton Thurgau lehnt die freie Schulwahl und damit die Gleichstellung staatlicher und privater Schulen ab. Aberwitzige Begründung: Die Etablierung einer Konkurrenz durch private Schulen könnte die Staatsschulen schwächen. Besitzstandswahrung pur, zu Lasten von Freiheit und Vielfalt.
- Auch die völlig unumstrittene Annahme des “Verfassungsartikels über die Forschung am Menschen” auf Bundesebene stellt einen weiteren Schritt Richtung Harmonisierung und Zentralisierung dar, ist sein wesentlicher Inhalt doch die Ermächtigung des Bundes zur einheitlichen Regulierung der Forschung.
- Der Kanton Graubünden lehnt eine Verwaltungsreform ab, die den Gemeinden mehr Autonomie zugestanden hätte. Die Reformgegner wollten verhindern, dass die Ressorts Schule und Soziales dezentralisiert würden. Der Kanton Freiburg verabschiedet ausserdem einen interkommunalen Finanzausgleich zwischen ärmeren und vermögenderen Gemeinden. Beide Resultate sind ein Rückschlag für den Systemwettbewerb und den Nonzentralismus - zwei Eckpfeiler des Erfolgsmodells Schweiz.
- Daneben wird der Interventionismus und Dirigismus des Staates weiter entfesselt, etwa indem im Kanton Baselland der Alkoholverkauf einer Bewilligungspflicht unterworfen wird, oder der Kanton Genf Immobilienbesitzern Energiesparmassnahmen diktieren darf.
Wieder einmal muss also festgestellt werden: die Schweiz ist keine Insel. Was in einem zunehmend freiheitsfeindlichen, etatistischen und interventionistischen Umfeld alles andere als ein Kompliment ist. Abgesehen von der sozialpolitischen Verantwortungslosigkeit, Schuldenwirtschaft und Selbstbedienung in der Rentenversicherung kennt der politische Trend auch in der Schweiz vor allem eine Richtung: mehr Staat, mehr Zwang, mehr Vereinheitlichung, weniger Freiheit, weniger Vielfalt, weniger Wettbewerb. Der Liberalismus hat es auch in der Schweiz zunehmend schwer, gegen den Zeitgeist anzukommen. Das Erfolgsmodell Schweiz bröckelt mit jedem kleinen politischen Schritt in die falsche Richtung!
