Sarrazin - Nachtrag

Einen ausgezeichneten Kommentar zur Cause Sarrazin hat nun Gabor Steingart beim Handelsblatt veröffentlich. Einen Satz davon sollten sich vor allem all jene liberalen “Westler” hinter die Ohren schreiben, die meinen Sarrazin nun beispringen zu müssen, weil er irgendwie etwas Islamkritisches von sich gegeben hat:

Die unsichtbare Hand des Marktes ist stärker als Gene und Glaube. Das Diesseits schlägt das Jenseits. Die Menschen sind, wenn man sie lässt, bereit, den Materialismus mit jeder anderen Gottheit zu kombinieren.

Mehr ist nicht zu sagen - zu Sarrazin, und der grassierenden Fixierung auf die Religion des Islam.

Sarrazin

Eigentlich wollte ich die erneuten Ausfälle dieses SPD-Funktionärs und Zentralbänkers nicht kommentieren. Den Unsinn, den Sarrazin in seinem BILD-Beitrag und WamS-Interview von sich gegeben hat, sollen die Etatisten mal schön unter sich ausbaden. Nachdem nun aber plötzlich von mir geschätzte Liberale die gewagte These aufstellen, Sarrazin habe eine “notwendige Debatte” angestossen, möchte ich doch einmal einen Punkt setzen.

Zum Ersten: Was hat Sarrazin gesagt? Er behauptet, dass Intelligenz vor allem genetisch übertragen werde, dass gewisse Völker gewisse Gene teilten (”Alle Juden teilen ein bestimmtes Gen”) und dass daher gewisse Völker intelligenter und tüchtiger seien, als andere. Zitat vom letzten Sarrazin-”Vor/Ausfall”:

“Die Türken erobern Deutschland genauso, wie die Kosovaren das Kosovo erobert haben: durch eine höhere Geburtenrate. Das würde mir gefallen, wenn es osteuropäische Juden wären mit einem um 15 Prozent höheren IQ als dem der deutschen Bevölkerung.”

Konkret zählt Sarrazin die Araber und Türken zu jenen Völkern, die offenbar genetisch bedingt dumm und faul seien. Er möchte daher die Grenzen Deutschlands für solche Völker dicht machen.

Bisher konnte mir niemand erklären, was diese Aussagen Sarrazins anderes sind, als der intellektuelle Dünnpfiff eines weiteren irrlichternden Staatsfunktionärs.

Zum Zweiten: Wenn Liberale sich Sorgen um den Umgang mit Einwanderern machen, um die “Integration” solcher Einwanderer, die Ausbildung und Qualifikation ihrer Kinder oder deren Berufschancen, dann sollten wir uns auf die tatsächlich notwendigen Debatten konzentrieren. Dann sollten wir weiter diskutieren, wie das schlechte Papiergeld der Zentralbänker (wie Sarrazin) den Wohlstand erodieren lässt und die ökonomischen Lebensgrundlagen gerade auch der Geringqualifizierten zerstört. Dann sollten wir auch weiter diskutieren, wie der alles erdrückende Wohlfahrtsstaat (aufgebaut von Politikern wie Sarrazin) immer mehr Menschen aus dem Arbeitsmarkt drängt und Ein- und Aufstiegschancen gerade auch der Geringqualifizierten vernichtet. Und wir sollten auch weiterhin darauf hinweisen, dass Isolationismus und Protektionismus auch in der Einwanderungspolitik ein Rezept für Armut und Abstieg ist.

Ganz sicher sollten wir Liberalen nie müde werden zu betonen, dass alle Menschen die gleichen unantastbaren individuellen Rechte haben, unabhängig von Herkunft, Alter, Aussehen, Geschlecht oder Genom.

Überlassen wir also die Sarrazins dieser Welt und ihre bornierten Weltbilder getrost den Etatisten. Machen wir uns nicht ihre Debatten oder gar Thesen zu eigen. Wir Liberalen haben die besseren Argumente und benötigen sicher nicht die Schützenhilfe eines Euro-Turbos und Erz-Etatisten wie Thilo Sarrazin!

Warum ich keine Politikerin bin

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Weil ich mit Obama ganz was anderes anfangen würde. Und mich nicht für Fussball interessiere.

An der Fussball-WM in der VIP Loge sitzen, überall persönlich begrüsst werden, immer gratis 1. Klasse fahren – und noch dazu die Zukunft unseres Landes mitgestalten? Unmöglich? Nicht für PolitikerInnen

(Zitat von der Startseite der Jugendsession.ch)

Und das Leiterlispiel (pdf), bei dem man sich von der Jugendsession zur BundespräsidentIn hochspielen kann, das ist echt unschlagbar. Mein Lieblingsfeld: Sie fliegen übers Wochenende “geschäftlich” nach Mailand und geniessen die Zeit. Oder: Bundesrat sein ist toll: Alle Telefonkosten werden übernommen.

Und das Ganze ist nicht ironisch gemeint. Und durch Steuergelder finanziert.

Andererseits. Wenn uns die Kampagne Politiker beschert, die den ganzen Tag um Zug sitzen, telefonieren und von Obama träumen (für Männer alternativ: “Am WEF mit Angelina Jolie flirten”) und das Gestalten meiner Zukunft nicht so wichtig nehmen, sollte ich eigentlich dankbar sein.

“Fast Drei Prozent”

So buchstabierte man im deutschen Volksmund in den 90er Jahren die Schrumpfpartei FDP. Nach einem kurzen Zwischenhoch, das offenbar allein der Unattraktivität des Dauerkoalitionspartners CDU zu verdanken war, nähert sich die deutsche FDP heute wieder dieser Grössenordnung (auch der Trend der schweizerischen FDP weist übrigens in diese Richtung).

Eine sehr treffende, wenn auch aus meiner Sicht zu schmeichelhafte Analyse des Niedergangs des deutschen Partei-Liberalismus bietet im Handelsblatt der Sekretär der deutschen Hayek-Gesellschaft, Prof. Gerd Habermann:

Die derzeitige Programmatik der FDP ist nur noch relativ liberal. Sie hat ideell enorme Zugeständnisse an den Kollektivismus und das „materielle“ Gleichheitsdenken, also die Gleichmacherei, gemacht. Der genannte Ludwig Bamberger sprach damals von zwei Arten von Kompromissen: Kompromisse „nach oben“ (im Sinne von „mehr Freiheit“) und Kompromisse „nach unten“ (im Sinne von „weniger Freiheit“). Er kritisierte: „Unser liberales Bürgertum hat sich im Laufe der Jahre im Zusammenleben mit dem überlegenen Kanzler zu Tode kompromittiert.“ (…)

Wer entschieden liberal wählen will, sieht sich darum heute verlegen um. Er scheint heimatlos. Die FDP muss sich entweder von Grund auf im Sinne der klassischen Liberalen von John Locke über Ludwig Bamberger bis Friedrich August von Hayek erneuern, oder sie wird den anderen vier überwiegend kollektivistischen Parteien des Wohlfahrtsstaates weichen. Sonst könnte der Wähler leicht sagen: Wenn schon egalitäre Sozialdemokratie, dann doch lieber gleich das Original!

Richtig ist zweifellos, dass die Entwicklung des deutschen Parteiliberalismus seit den Zeiten Eugen Richters ein einziges Trauerspiel ist. Anders als der geschätzte Gerd Habermann habe ich jedoch längst die Hoffnung auf eine tatsächlich liberale Partei aufgegeben. Parteien sind nunmal Instrumente des Staates in der Zivilgesellschaft, nicht umgekehrt. Sie sind zutiefst verstrickt und gefangen in der Logik des Staates. Normalsterbliche Menschen, die sich parteipolitisch engagieren, werden unweigerlich in den Sog etatistischer Kompromisse gezogen. Selbst wenn sich eine Partei aus der winzigen Minderheit tatsächlich konsequent Liberaler rekrutieren würden (was sie nicht tut), wäre diese Eigendynamik nicht aufzuhalten. Nicht zuletzt erhält jeder rationale Politiker in einer zutiefst etatistischen Gesellschaft, deren öffentliche Meinung von sozialdemokratischen Irrtümern dominiert wird, überwältigende Anreize, das Programm des Liberalismus zu kompromittieren.

Kurzum: Die Geschichte des Partei-Liberalismus ist eine traurige. Und sie wird es auch bleiben. Von dieser Grunderkenntnis sollten all jene ausgehen, die sich tatsächlich für Freiheit und Liberalismus engagieren wollen.

Geldreform

http://michael.von.prollius.de/img/geldreform_cover.jpgKein Zweifel, die jüngste Finanzkrise hat in der öffentlichen Meinung zu einer Reanimation zahlloser bornierter Vorbehalte gegen den Liberalismus und den freien Markt geführt. Die unmittelbar darauf folgende EURO- und Griechenlandkrise hat jedoch das gängige Erklärungsmuster wieder in Frage gestellt, wonach unverantwortliche Spekulanten auf deregulierten Märkten ganze Volkswirtschaftlichen ins Wanken brächten. Nach und nach setzt sich die Erkenntnis durch: In den aktuellen Finanz- und Währungskrisen stinkt der Fisch vom etatistischen Kopf her.

Umso erfreulicher, dass gerade die Vertreter der Österreichischen Schule der Ökonomie in diesen Zeiten ein regelrechtes Revival erleben. Denker und Autoren in dieser Tradition weisen schon seit Langem darauf hin, dass ein Geld, das durch ein staatliches Monopol planwirtschaftlich erzeugt wird, notwendigerweise zu Fehlsteuerungen und Krisen führt.

Erfreulich auch, dass im deutschen Sprachraum kluge Köpfe und talentierte Autoren wie Michael von Prollius und Thorsten Polleit aktiv sind, die die zeitlosen Erkenntnisse der Österreichischen Schule mit Leben füllen und, angepasst auf die heute Situation, in die Öffentlichkeit tragen.

Ihr - dringend empfohlenes - neuestes Werk namens “Geldreform” ist nun in jedem guten Buchhandel erhältlich. In der Financial Times Deutschland erklärt Thorsten Polleit, worum es geht:

Anders als das Staatsgeld fügt sich ein freies Marktgeld ein in die Prinzipien des freien Marktes, ist also kein Fremd- und Störfaktor im Wirtschaftsgeschehen. Es lässt sich vor allem nicht beliebig vermehren, weil ihm ein intrinsischer (”von innen her kommend” - die Red.) Wert in Form von Gold oder Silber zugrunde liegt. Überschuldungskrisen in einem Ausmaß, wie sie sich heute weltweit zeigen, sind mit einem freien Marktgeld undenkbar.

Kaufen, lesen, lernen!

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