Nach völlig absurden Fehlgriffen wie Al Gore und Barack Obama könnte der Friedensnobelpreis vielleicht ein wenig an Glaubwürdigkeit zurückgewinnen, wenn er einmal an einem Mann vergeben würde, der wie nur wenige vor ihm offensiv ein Problem angegangen hat, das so viel Gewalt und menschlichem Elend zugrunde liegt: die Armut. Die Rede ist von Hernando de Soto, der peruanische Ökonom, der auf vielfältige Weise zeigt, welche enorme Kraft, welche Potentiale arme Menschen in Entwicklungs- und Schwellenländer in sich tragen - wenn man sie nur lassen würde.
De Soto beschreibt in seinen Werken, wie arme Menschen systematisch durch staatliche Gesetzgebung und Bürokratie vom Markt ausgeschlossen werden, wie ihnen Eigentumsrechte verweigert werden, und damit jede Chance, aus eigener Kraft der Armut zu entkommen. De Soto zeigt weiter, wie arme Menschen mit grosser Energie und viel Einfallsreichtum diese staatliche Hürden umgehen, und es immer wieder schaffen, in einem grauen, “extralegalen” Bereich für sich und ihre Familien zu sorgen. Zu Recht weist de Soto also darauf hin, welche unglaubliche Menge an Kapital, vor allem auch Humankapital, verschwendet wird, indem unbewegliche Rechtssysteme sich nur auf die Bedürfnisse privilegierter “Insider” konzentrieren.
Diese Zusammenhänge hat de Soto nun in einer TV Dokumentation aufgearbeitet, die durch eine ungemein interessante Website begleitet wird: www.thepowerofthepoor.com. Unbedingt lesenswert ist hier etwa die Erklärung grundlegender Konzepte, wie Armut, Gesetz, Bürokratie, Kapital oder Merkantilismus.
De Soto war es übrigens auch, der den Internationalen Index der Eigentumsrechte (IPRI) ins Leben rief, dessen neueste Auflage vor wenigen Tagen publiziert wurde. Erneut zeigt der Index eindrücklich, dass sichere Eigentumsrechte eine notwendige Voraussetzung für wirtschaftlichen Aufstieg darstellt - wenn Menschen sich ihrer Eigentumsrechte nicht sicher sein können, können sie nicht sparen, nicht investieren - etwa in notwendige Maschinen oder die eigene Qualifikation. Sie können dann keinen Wohlstand akkumulieren, diesen auch nicht an die nächste Generation weiterreichen. Wirtschaftliche Entwicklung wird so verunmöglicht.
Der Wert der Arbeit, die durch Hernando de Soto geleistet wird, kann daher nicht hoch genug geschätzt werden. Während Al Gore basierend auf fragwürdiger Propaganda in die eigene Tasche arbeitet und Obama primär blumige Worte verteilt, zeigt de Soto handfeste Lösungen für das drängendste Problem der Menschheit auf. Auch das vielleicht gut gemeinte, aber letztlich nicht nachhaltige Engagement eines Muhammad Yunus für “Mikro-Kredite” an arme Menschen verblasst im Vergleich zu der viel wichtigeren und grundlegenderen Arbeit de Sotos. Natürlich ist de Sotos Botschaft aber auch unbequem - immer wieder zeigt er, dass es gerade der Staat ist, der systematisch Rechtsunsicherheit erzeugt und Eigentumsrechte unterminiert. Welcher Bürokrat hört das schon gerne? Auch rufen seine Lösungsvorschläge nicht nach mehr Intervention, “Entwicklungshilfe” oder Umverteilung, sondern setzen auf die Kraft und Energie der Betroffenen. Das bietet natürlich nur wenig Profilierungspotential für Politiker. Nicht zuletzt weist de Soto darauf hin, dass Eigentumsrechte nicht etwa der Bereicherung und den Privilegien der Bonzen dienen, im Gegenteil - diese kommen auch im marodesten, korruptesten Staat zurecht. Nein, sichere Eigentumsrechte sind das wichtigste Anliegen der schwächsten Mitglieder einer Gesellschaft, der Armen. Welcher sozialistische Gutmensch will das schon gerne hören?
De Sotos Botschaft ist also unbequem, sie ist radikal, sie ist liberal, sie ist schonungslos marktwirtschaftlich. Der Friedensnobelpreis dürfte also noch eine Weile auf sich warten lassen…